Nachruf für Wolfgang Hänsch

Donnerstag, 19. September 2013

von Wolfgang Kil
für die Sächsische Akademie der Künste

Die Sächsische Akademie der Künste trauert um Wolfgang Hänsch (11.1.1929–16.9.2013). Mit dem erfahrenen Architekten und Mitglied der Klasse Baukunst seit ihrer Gründung verliert die Akademie eine jener Persönlichkeiten, die ihren gesamten Lebensweg in besonders enger Weise mit dem Schicksal der Stadt Dresden verknüpft haben.

In Königsbrück geboren, trat Wolfgang Hänsch 1948 ein Studium in der Staatsbauschule Dresden an und hat danach bis ins hohe Alter beinahe ausnahmslos für diese Stadt gewirkt. Als junger Architekt war er an der Überwindung der traditionalistischen Baudoktrin beteiligt. Seine späteren Schlüsselwerke – das Einkaufszentrum Webergasse, das Haus der Presse und vor allem der Kulturpalast – haben den Ruf Dresdens als Hochburg der Nachkriegsmoderne in Deutschland mit begründet. Umso größer die Überraschung, dass der entschiedene Vertreter sachlich-moderner Formen sich danach dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Opernhauses widmete, und zwar entgegen damaliger Erwartung getreu aus dem Geiste des alten Meisters Gottfried Semper. Die Auseinandersetzung mit dem Stilgeschmack vergangener Epochen hat Wolfgang Hänsch ein weiteres Mal reifen lassen. Sein Blick auf die Baukunst war weiter geworden, toleranter, fast möchte man sagen: weise.

Mit dieser Lebenserfahrung, die immer auch Streiterfahrung bedeutete, hat er zu den zahlreichen Initiativen und Diskussionen beigetragen, die die Akademie zur Neugestaltung Dresdens seit den 1990er Jahren veranstaltete. Ob es dabei um den Neumarkt ging oder um eine generelle Neubewertung des Wiederaufbaus am Beispiel der Prager Straße, stets konnte er seine doppelte Autorität in die Waagschale werfen – als Experte für gute Architektur wie auch für die empfindsamen Seelen seiner Mit-Dresdner.

Dass er trotzdem den Träumen seiner Generation, den Idealen der Moderne bis zuletzt verbunden blieb, bewies sein Kampf um den Kulturpalast. Er hatte viele Verluste verkraften müssen: Die Webergasse wurde zur Gänze abgerissen, das Haus der Presse gegen seinen Einspruch komplett überformt. Den schmerzhaften Erfahrungen stand die jederzeit hohe Achtung seiner Architektenkollegen entgegen. 2009 erhielt er von der TU Dresden die Ehrenpromotion für sein Lebenswerk, die Klasse Baukunst der Akademie trug zum Ehrenkolloquium anlässlich seines 80. Geburtstages bei.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 19.09.2013 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Danke für den Nachruf für Wolfgang Hänsch.

    … schrieb Margita Herz am Sonntag, dem 06.10.2013, um 11:36 Uhr.