Kulturpalast: Hebel gegen Überraschungen

Mittwoch, 30. Januar 2013

von Peter Bäumler

Der Dresdner Stadtrat hat mit seinem Beschluss des Doppelhaushaltes 2013/2014 die Finanzierung des Umbaus und der Umnutzung des Dresdner Kulturpalasts freigegeben. Die Baumittel werden in einem komplexen Konstrukt finanziert und über die Bauzeit zur Verfügung gestellt. Sie kommen aus dem städtischen Haushalt, aufgestockt um 27 Millionen Euro von den städtischen Stiftungen für Soziales und der Stiftung Kreuzchor. Die Absicherung erfolgt über Einlage in eine Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co. KG (KID), für welche die Stadt garantiert. Dieses Finanzierungskonstrukt wurde vom Stadtrat am 100.1.2012 besiegelt, bedarf aber noch der Zustimmung der Landesdirektion als Genehmigungsbehörde und der steuerrechtlichen Abstimmung mit dem Finanzamt. Als Bauherr des Umbaus werde diese Gesellschaft in städtischem Besitz noch dieses Frühjahr gegründet, so Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann. Die Projektleitung verantwortet das Hochbauamt der Stadt unter Amtsleitung von Roland Müssig. Aus diesem Amt werde auch auf „klassische Weise für städtische Bauprojekte“ mit gewerkeweisem Ausschreibungs- und Vergabeverfahren nach VOB und VOF gestartet, für die meisten der Lose europaweit. Das andere große Kulturprojekt, das die Stadt gleichzeitig zu schultern sich vorgenommen habe, das Kulturkraftwerk-Mitte, werde nach einem anderen Verfahren zu einem Gesamt-Festpreis vergeben. Über diesen sei man noch im Dialog mit einem Generalübernehmer. Damit mache die Stadt eine Art Feldversuch, der zeigen werde, welches der beiden Vergabeverfahren am Ende das Bessere ist, so Vorjohann.

Die im Haushalt ausgewiesene Bausumme in Höhe von 88 Millionen Euro beinhaltet den Umbau Innen, die Gebäudesanierung Außen, sie umfasst die Innenausstattung und die Bestuhlung des Konzertsaales und der Spielstätte der Herkuleskeule, wie auch die Einrichtung der Zentralbibliothek.

Bauen im Bestand ist besonders anfällig für Baukosten- und Terminüberschreitungen. Als Sicherheitspolster sieht der Finanzbürgermeister die klassische Vergabe zu Festpreisen und ein im Kostenvolumen von 88 Millionen Euro enthaltenes Risikobudget für Unvorhergesehenes und Kostensteigerungen als ausreichend an. Von 13 Millionen dafür sei der größte Teil noch vorhanden. Zum anderen verweist er auf die externe Expertise der mit Projektsteuerung und Controlling beauftragten Drees & Sommer AG – von der Planungsphase bis zur Fertigstellung. Das Stuttgarter Unternehmen mit internationaler Erfahrung im Projektmanagement hat ähnliche Kulturprojekte in Berlin, Frankfurt, Stuttgart und Weimar (dort den Wiederaufbau der ausgebrannten Anna-Amalia Bibliothek) betreut.

Ob diese Hebel reichen, die gesetzten Marken nicht zu überschreiten, wird sich spätestens mit der Baufertigstellung erweisen. Wegen der schon aufgelaufenen Verzögerungen bei Ratsentscheidung und Haushaltserstellung rechnet Vorjohann schon jetzt mit 2016. Dann erst könne die feierliche Bauübergabe an den Hauptnutzer, die Dresdner Philharmonie, erfolgen. Wobei sich die Übergabe an die Philharmonie mit Einbau und Fertigstellung der Konzertorgel ergibt. „Denn der Orgelbauer kann mit der akustischen Abstimmung erst beginnen, wenn im Saal alles fertig ist und dazu benötig er zweieinhalb Monate, so dass es definitiv erst 2016 wird,“ so Vorjohann. Erst dann kann der neue Dresdner Konzertsaal unter Beweis stellen, ob er „von akustischer Weltqualität“ ist, wie es Kulturbürgermeister Ralf Lunau erwartet. 300.000 Euro als städtischer Anteil für die Orgel werden aus den Baukosten finanziert, für das darüber Hinausgehende sammelt der Förderverein Philharmonie Spenden ein. „Der Kulturpalast kann so stehen bleiben wie er ist,“ so Vorjohann, die Gestaltung seines Umfeldes gehöre nicht zur Bauaufgabe Kulturpalast. Die auszuweisenden Stellplätze sind bereits mit der Tiefgarage unter dem Altmarkt vorhanden. Die Brunnen auf dem Vorplatz könnten im Rahmen der Neuordnung des Gebiets Neumarkt/Wilsdrufferstraße wieder kommen, aber erst, wenn der Palast auch außen fertig ist.

Gestartet würde das Bauen „in diesem Frühjahr“ mit der Baustelleneinrichtung und als erstes mit dem Ausbau und der Konservierung denkmalrelevanter Elemente für den späteren Wiedereinbau. Danach, sicher erst im Sommer, beginnt das Entkernen für die Baufelder Konzertsaal und die weiteren neuen Nutzungsbereiche. An den Terminplänen wird derzeit emsig gearbeitet, so dass erst nach deren Fertigstellung, geschätzt im späten Frühjahr, der Bauablauf mit Baustart und Endtermin genauer feststehen und offiziell kommuniziert werden kann.

Dr. Peter Bäumler arbeitet als freier Journalist in Dresden. Er schreibt zu den Themen Architektur, Verkehr, Kunst und Kultur.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 07.03.2013 aktualisiert.
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