Ralf Lunau antwortet Leopold Wiel

Freitag, 21. Dezember 2012

Mit einem Schreiben vom 11.12.2012 antwortete Kulturbürgermeister Ralf Lunau im Auftrag der Oberbürgermeisterin auf den offenen Brief von Leopold Wiel vom 25.11.2012. Er wirbt darin um Verständnis für den jetzt eingeschlagenen Weg zum Umbau des Kulturpalastes.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.12.2012 aktualisiert.
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6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Interessant, dass Herr Lunau auf Kopenhagen und die Hamburger Elbphilharmonie verweist. Welt online 2010, also einige Zeit vor der jüngst bekannt gewordenen Kostenexplosion, anlässlich des damaligen Richtfestes beim Bau der Elbphilharmonie. Nicht zum Feiern zumute ist da …:

    [...] der Bürgerschaft, die den Bau der Elbphilharmonie einst einstimmig bejubelt und eben gerade – ebenso einstimmig – einen Untersuchungsausschuss eingesetzt hat, um herauszufinden, warum sie eigentlich so begeistert war.

    [...] Für lau, so hieß es zunächst, sei dieser Weltklasse-Konzertsaal in Weltklasse-Lage zu haben. Dann waren es schnell 70 Millionen, mit denen die öffentliche Hand dabei sein sollte. Daraus wurden schnell 138. Ein Festpreis, ganz sicher. Derzeit gültige Zahl: 323 Millionen Euro für den Stadtstaat. [...]

    Die Bürgerschaft nickt ab

    Auch die Grünen sind eher von den Socken als auf den Barrikaden. Ihr früherer Stadtentwicklungssenator Wilfried Maier hält am 28. Februar 2007 trotz der sich abzeichnenden Kostenexplosion ein schwärmerisches Plädoyer für den Bau der Elbphilharmonie.

    “Man darf sich einmal an ein großes Beispiel erinnern, was aus Preissteigerungen passieren kann”, dozierte Maier vor voll besetztem Plenum, er denke zum Beispiel: “An die Sixtinische Kapelle. 1508 hat Michelangelo mit der Deckenbemalung begonnen und ist dann teurer geworden, so wie hier Herzog & de Meuron deutlich teurer werden. Beides sind renommierte Adressen.” Damit war in dieser Debatte eigentlich alles gesagt.

    Einstimmig beschließen alle drei Rathausfraktionen den Bau der Elbphilharmonie.

    Drei Jahre später, Anfang dieses Monats, beschließen genau diese drei Fraktionen ebenso einstimmig und zusammen mit der hinzugekommenen Linken die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der den “größten Bauskandal in Hamburgs Geschichte”, so der designierte Ausschussvorsitzende Peter Tschentscher (SPD), untersuchen soll.

    Geklärt werden sollen unter anderem die Fragen, wie es zu den immensen Kostensteigerungen kommen konnte und ob das Parlament immer ausreichend informiert gewesen sei über den Stand der Dinge. Nicht zu klären hat der Ausschuss dagegen die Frage, warum sich keine der an den Elbphilharmonie-Beschlüssen beteiligten Fraktionen ausreichend sachkundig gemacht hat vor den Abstimmungen.

    Man hätte sich ja ein wenig feien können vor bösen Überraschungen, wenn man einfach mal nachgeschlagen hätte im kleinen Lexikon der Wahrzeichen und Konzertsäle. Da hätte man lesen können, wie die Oper in Sydney 14-mal teurer wurde als veranschlagt. Welch Riesenprobleme selbst vergleichsweise unproblematische Konzertbauten wie das “Gasteig” in München, die Philharmonie in Luxemburg und das Konzerthaus in Kopenhagen gemacht hatten.

    Längere Bauzeiten, Verdoppelung, Verdreifachung, Vervierfachung der Kosten, Probleme mit der Detailplanung, mit der Bauausführung, mit der Gründung. Alles schon da gewesen, immer wieder.

    Zum Glück kann sich das in Dresden nicht wiederholen. Wir haben ja Herrn Lunau und Herrn Vorjohann.

    … schrieb Roderic am Freitag, dem 21.12.2012, um 21:13 Uhr.

  2. Ein running Gag zur visuellen Charakterisierung von Akustikern sind ja 3 Handbewegungen:
    1. in die Hände klatschen,
    2. Hand zum Lauschen hinter die Ohren,
    3. Hand aufhalten…
    Den kennen die Mehrheit der Dresdner Stadträte und die Stadtverwaltung wohl nicht???
    Oder warum lassen sie sich auf ein im Vergleich zur Saalform des Schuhkartons großes akustisches und damit auch finanzielles Risiko ein? Die beauftragten Akustiker freuen sich ganz sicher darüber.

    Dass gute Akustik nicht leicht und billig zu haben ist, lehrt im übrigen auch der Wiederaufbau der Semperoper, bei dem auch der der Architekt des Kulturpalastes mit federführend war.
    Untersuchungen mit akustischen Modellen der Semperoper unter Mitarbeit der TU Dresden ergaben, dass die angestrebte Wiederherstellung der hervorragenden, berühmten Semperoperakustik der Vorkriegszeit mit einem vereinfachten, modernisierten Innenausbau des Zuschauersaals nicht zu haben war!!!

    Konzertsaal für Dresden schön und gut – aber warum einen Saal dafür opfern, der bisher hervorragend für U-Musik geeignet war und der die Haupteinnahmen des Kulturpalastes über dieses Genre erzielte? Natürlich läßt sich U-Musik auch im Weinbergsaal machen – aber, wie der Herr Aust lehrte – mit einem stark reduzierten Angebot an Plätzen mit guter Sicht und damit erhöhten Kartenpreisen pro Platz. Sollen viele der bisherigen Nutzer damit von diesem Kulturangebot ausgeschlossen werden oder soll das der geplante Anfang vom Ende des Kulturpalastes sein, weil der sich nicht mehr rechnet? Immerhin – auch die Operette wartet seit vielen, vielen Jahren auf ein neues Domizil, wofür deren Mitarbeiter sogar auf einen Teil ihres sonst üblichen Einkommens verzichteten. Das hindert einen Teil der Stadträte und der Stadtverwaltung aber nicht daran, wegen der Kosten des Kulturpalastumbaus die Realisierung des Kulturkraftwerkes schon wieder in Frage zu stellen und am besten zur Finanzierung des Kulturpaalstes gleich noch eine Stiftung zu gunsten des Kreuzchores anzuzapfen. Warum nur kann ich dem Herrn Lunau nicht einfach glauben, dass dieser Umbau des Kulturpalastes erforderlich sei, um dessen Überleben zu sichern? Warum nur fällt mir immer wieder ein, dass Dieter Wieland in seinem Film über Dresden von 1991 so eindringlich schilderte, wie die Geldhaie in Dresden sich die Filetstücke in bester Innenstadtlage zu sichern suchten. Da gibt es anscheinend doch immer noch Flecken, die noch nicht mit Hotels, Büros oder Einkaufszentren bebaut sind?

    “Niemand hat vor eine Mauer zu bauen…” – das ist es, was bei mir ankommt, wenn ich den Text von Herrn Lunau lese.

    … schrieb Silvia Friedrich am Mittwoch, dem 02.01.2013, um 21:09 Uhr.

  3. Ich empfehle die Lektüre von Michael Bartsch’s Beitrag “Loch an Loch und boomt doch” im SAX 1/2013, S. 8-10. Der Autor zieht darin eine sehr kritische Bilanz der Stadtentwicklung Dresdens im Jahre 2012, die auch für 2013 nichts Gutes ahnen lässt. Unter dem Stichwort “Einstürzende Kulturbauten???” äußert er sich auch zu den Perspektiven eines Konzerthauses für Dresden und zur Zukunft des Kulturpalastes: “Die typische Dresdner Konzeptlosigkeit und die nicht minder sprichwörtliche Debattenunkultur haben es nicht zugelassen, dass ein Konzerthaus für die beiden Spitzenorchester und ihre Gäste in sinnvoller Aufgabenteilung zwischen Kulturpalast, Messe und Kongresszentrum eine Chance bekam. Das ist bitter, und alle werden sich auf unabsehbare Zeit mit fortgesetzten Kompromissen arrangieren müssen.” Ein ratloser “Kulturbürgermeister” verschärft diese Krise noch. Bartsch’s ein wenig auf wackligen Beinen stehendes Fazit: “Mit dem schwebenden Haushalt schweben nun auch wieder die Kulturbauten, und man wird im Januar sehen, woran der Stadtrat wirklich festhält. Die SPD spekuliert ja weiterhin auf eine Palast-Sanierung im Bestand, wogegen der gebeutelte Architekt Wolfgang Hänsch und der Verein Dresdens Erben gewiss nichts hätten.”

    … schrieb Jürgen Karthaus am Samstag, dem 05.01.2013, um 13:45 Uhr.

  4. Man kann es drehen wie man will: Der realsozialistische Klotz inmitten der mit viel Geld rekonstruierten Altstadt Dresdens ist aus Sicht des Touristen ein furchtbarer Schandfleck, der möglichst schnell beseitigt werden müsste. Dass Gruppierungen aus dem sozialistischen und solzialdemkratischen Lager den Bau in der aktuellen Form erhalten wollen, ist allerdings auch verständlich, denn wenn die Schuhschachtel entkernt und ihrer bisherigen Funktionen beraubt wird, gibt es eigentlich auch keinen Grund mehr, die (vor allem!) störende DDR-Hülle des Undings zu erhalten. Mutig wäre es, an seiner Stelle ein oder mehrere architektonisch überzeugende Gebäude hinzustellen, die sich in ihrer Art weder am Disneyland-Barock noch am provinziell anmutenden Stil des bestehenden Baukörpers orientieren.

    … schrieb Adriano Granello am Mittwoch, dem 09.01.2013, um 10:40 Uhr.

  5. Dresden braucht ganz einfach nur seine historische Altstadt zurück inklusive seines historischen Altmarktes und seiner Sophienkirche.Was bitte,soll dann ein “Kulturpalast” mitten im UNESCO-Weltkulturerbe ” Historische Altstadt Dresden” ?

    … schrieb Adriano Granello am Freitag, dem 01.03.2013, um 19:22 Uhr.

  6. Sehr geehrter Herr Granello,
    verwundert lese ich, dass Sie den Kulturpalast mitten UNESCO-Weltkulturerbe “Historische Altstadt Dresden” verorten. Soweit ich weiß, ist Dresden mit einem Versuch, ein derartiges Weltkulturerbe bei der UNESCO zu beantragen, noch im vorigen Jahrhundert gescheitert, weil das beantragte Areal die Voraussetzungen hinsichtlich Einmaligkeit, Authentizität und herausragender Bedeutung nicht erfüllte.
    Dresden – d.h. wohl vor allem engagierte Dresdner Bürger – nahmen die damalige Empfehlung der UNESCO ernst, sich mit dem authentischen Dresdner Elbtal – dem Canale Grande Augusts des Starken – nochmals um den Welterbestatus zu bewerben.
    Und nun stellen Sie sich vor – Dresden bekam den Welterbestatus für das Dresdner Elbtal – mit dem inzwischen ebenfalls historischen Kulturpalast, der als Stadthalle mit seinem Multifunktionssaal mit Kippparkett ganzen Generationen von Dresdnern vielfältige Kulturerlebnisse bescherte – von Jugendweihen über Dixilandfestival über Tanzturniere….bis zu Phliharmoniekonzerten! Schon die Beseitigung des Multifunktionssaales schließt nicht nur künftige Nutzer von vielerlei Erlebnissen aus, die früher dort möglich und erschwinglich waren aus. Er löscht auch Erinnerung an funktionierende Kulturorganisation früherer Zeiten, an den Ort vieler persönlicher Erlebnisse, Meilensteine …

    Und wissen Sie auch, warum Dresden den Weltkulturerbestatus für das Dresdner Elbtal wieder verloren hat? Weil mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke ein wichtiges Stück der im internationalen kulturellen Gedächtnis verhafteten Stadtsilhouette so entstellt wird, dass sich nicht mehr nachvollziehen läßt, wieso sich an dieser Stelle Generationen von Künstlern zu Liedern, Bildern, Fotos, Sängertreffen … inspirieren ließen – voller Bewunderung für die Wirkung dieses Stadtblickes auf die empfindsame Seele. Und wieso schon damalige Geschäftsleute den tollen Blick mit einer Ausflugsgaststätte vermarkteten, der Waldschösschenbrauerei – die dem eigentlcihen Waldschlösschen damit den Blick verbaute.

    Daraus würde ich schlußfolgern, dass die UNESCO den Abriss des inzwischen ebenfalls historischen Kulturpalastes ebenfalls ausgesprochen kritisch bewertet hätte – wie auch die weitere Entstellung des bisherigen Charakters des Elbtals als erlebbares Zeugnis eines besonderen Weges der Geschichte.

    Nun ja, Dresden – also jetzt die Stadt und das Land – haben die UNESCO ja ausreichend vor den Kopf gestoßen, verleumdet und brüskiert, deren helfende Hand ausgeschlagen – mit dem Erfolg, das die den Welterbestatus wieder aberkannt hat und man diesen Kritiker vor der Welt wieder los ist. Man sieht gerade, wozu das “gut” war.

    Ich sehe nicht ein, dass der Wiederaufbau einer durch den Krieg zerstörten Historie wichtiger sein soll, als das Erhalten des Lebenswerkes derer, die die Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut und in ihr gelebt haben – das sind inzwischen auch mehr als ein halbes Jahrhundert und mehrere Generationen.
    Immerhin gibt es kaum noch Zeitzeugen der Vorkriegszeit , so dass mir nicht klar ist, wie Sie auf so abstruse Ideen wie den Abriss historischer Nachkriegsbauten kommen.

    Den möglichst historischen Wiederaufbau um die Frauenkirche herum begrüße ich ausdrücklich – die entsprechenden Flächen wurden von Dresdnern extra dafür freigehalten, viele kunsthistorisch wertvolle Reste der Vorkriegsbauten aus den Trümmern gerettet und jetzt z.T. wieder eingebaut. Damit erfüllt sich ein lang gehegter, legitimer Traum der ältesten Dresdner. Und sicher kann das Wiedererstehen der alten architektonischen Schmuckstücke einen wohltuenden Gegensatz zur heutigen 0/8/15-Investoren-Architektur bieten – aber nicht auf Kosten der Beseitigung der herausragenden – und wie im Falle des Kulti auch denkmalgeschützten – Zeugnisse des Lebens jüngerer Generationen.

    … schrieb Silvia Friedrich am Montag, dem 18.03.2013, um 22:10 Uhr.