Alles muss raus

Montag, 16. Juli 2012

von Jörg Lucke

Der doppelseitige Beitrag von Peter Ufer in der SZ vom 15.07.2012 zum Ausverkauf des Kulturpalastes erscheint mir symptomatisch für den Umgang mit kulturellen Werten in der „Kunst- und Kulturstadt“ Dresden. „Alles muss raus“ heißt in meinen Augen, dass die politisch und kulturell Verantwortlichen den Kulturplast auf Ramschniveau herunterfahren, vergleichbar den Vorgängen in den Schleckermärkten vor ein paar Wochen. Damals wurden nicht nur Waren zu Tiefstpreisen verhökert, sondern auch alle Verkäuferinnen in die Arbeitslosigkeit entlassen und damit eines Teils ihrer Würde beraubt. „Alle mussten raus“, hieß es auch im Kulturpalast. Wie sich die Bilder gleichen! Menschen werden einfach zu Sachen degradiert, die man entsorgen kann.

Ich hätte nie geglaubt, dass ich das noch erleben muss.

Peter Ufer, dessen kluger Text zum Pillnitzer Schlosspark mir noch in guter Erinnerung ist, bleibt hier leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. Nur einmal spricht er Kritikwürdiges unmittelbar an, wenn er im Zusammenhang mit festgestellten Brandschutzmängeln anmerkt: „… manchmal wird man das Gefühl nicht los, es änderten sich zeitweise Vorschriften, um den Umbau des Kulturpalastes durchsetzen zu können.“

Natürlich ist mir bewusst, dass ein Kulturhaus, das 43 Jahre nahezu ununterbrochen in Betrieb war, eines Tages von Grund auf saniert werden muss. Wer wüsste das besser, als der Architekt selbst. Deshalb hat er der Stadt Vorschläge unterbreitet, wie der Kulturpalast brandschutztechnisch und akustisch so „aufgerüstet“ werden kann, dass keiner der bisherigen Nutzer das Haus verlassen muss. Leider wurde seine Stimme, aber auch die Meinungen anderer Experten nicht gehört

Statt im Detail zu erfahren, wie der Kulturpalast durch Herrn Finger „ausgemistet“ wird, hätte ich mir ein Interview mit den drei Herren gewünscht, deren Leben und Wirken eng mit dem Palast verbunden war: Leopold Wiel, Wolfgang Hänsch und Werner Matschke. Noch sind sie Zeitzeugen.

Gerade der SZ, die ihre Redaktionsräume in einem Hänsch-Bau, dem „Haus der Presse“, hat, müsste daran gelegen sein.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 19.07.2012 aktualisiert.
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