Die Abrissbirne schwingt noch nicht!

Sonntag, 6. Mai 2012

Es ist noch nicht zu spät!
Ein Appell an die Fraktion Bündnis90/DieGrünen
von Margita Herz

Die „Fraktion der Grünen im Stadtrat“ hat es in der Hand, vereint mit allen Gegnern das größte Finanz-Desaster nach der Wende zu vermeiden: Den Umbau des Kulturpalastes nach dem derzeitigen Finanzierungs-Stand.

Finanz-Fakten: Es bleibt nicht bei den 81 Millionen €, die die Stadt ausgerechnet hat. 30 Prozent mehr sind die Regel bei öffentlichen Bauvorhaben. Es gibt genug tragische Beispiele dafür. 2008 wurde der Beschluss bei 65 Mio € gefasst, 2011 hieß es 70,5 Mio € soll es kosten. Immer sollten Fördermittel in Höhe von 35 Mio € die Summe quasi halbieren. Nun kommen aber die Fördermittel nicht und die Baukosten steigen auf 81 Mio €. Also würde jede vernünftige Hausfrau sagen: Stopp!

Der Umbau gefährdet die gesamte Kulturförderung. Auch die Staatsoperette und das TJG sind betroffen. Wenn die Gelder im Kulturpalast verausgabt werden, werden diese Projekte zuerst scheitern. Nicht zuletzt weil die Pflichtaufgaben der Stadt (Kitas und Schulen) so gigantisch sind, dass der Stadt gar keine andere Wahl hat. Der Finanzbürgermeister wird sich das zu viel verbaute Geld bei den Kulturausgaben (den Budgets) zurück holen. Alle Kultureinrichtungen müssen dann massiv sparen, auch die Dresdner Philharmonie. Das Geld aus den Kulturstiftungen zu ziehen, ist ein unglaublicher Vorgang. Das ist aber nicht alles. Die Finanzausstattung von Dresden wird in 10 Jahren nicht mehr die sein, wie heute, bei einer derzeit in Hochkonjunktur befindlichen Wirtschaft. Wenn also Entscheidungen im Kulturbereich nicht auch wirtschaftlich klug motiviert sind, dann verspielen wir Zukunftsfähigkeit.

Das Kulturpotential wirtschaftlich mehr nutzen. Die Stadt Dresden hat das Potential, mit ihrem reichen Kulturangebot aus aller Welt Touristen anzulocken und viele Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu bedarf es aber sehr kluger Konzepte und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land. Das findet derzeit so gut wie nicht statt. Der Masterplan „Kulturmetropole“ fehlt noch. Wie Chancen verspielt werden, dafür ist das Wagner-Jahr 2013 ein gutes Beispiel. Die Akteure bemühen sich, aber die Stadt findet sich nicht zuständig für eine Bündelung und Reifung des Highlights, um es in den „Markt“ zu setzen.

Die künftigen Betriebskosten des Kulturpalastes sind derzeit ausgeblendet. Jeder weiß, dass bei weniger zahlenden Gästen weniger Einnahmen zu verzeichnen sind. Das Nutzerkonzept ist so angelegt, dass der neue Konzertsaal zu wenig ausgelastet wird. Wenn allein die Philharmonie dort auch ihre Proben abhalten muss, das sind mehr als 65 Tage pro Jahr, dann ist klar, wie die Einnahmesituation der Stadt aussieht. Auch die großen ausverkauften Shows finden dort nicht mehr statt. Die Kosten für Personal, Unterhaltung laufen aber weiter. Einem Ökonomen sträuben sich auch bei diesen Betrachtungen die Haare.

Die Messe als Ersatz für die leichte Muse ist für die Besucher eine Zumutung. Nicht nur die Künstler wollen dort nicht auftreten, auch die Besucher sind ungehalten, wenn sie erfahren, dass das für immer die „Bleibe“ für dieses Genre ist. Meist wissen sie es gar nicht.

Hinzu kommt: Die Klage von Wolfgang Hänsch gegen die Stadt ist noch nicht ausgestanden. Es ist völlig verständlich, dass er sich mit einem Urteil, bei dem die Urheberschaft am Bauwerk, aber nicht die am Saal zugestanden wird, nicht abfindet. Wie von ihm bereits mitgeteilt, wird er in die nächste Instanz gehen. Auch das sollte alle Verantwortliche neu nachdenken lassen. Hänsch ist nicht irgendein Architekt, wie man aus dem Urteil des Landgerichtes Leipzig vom April 2012 entnehmen könnte. „Hänsch muss konkurrenzlos als der Architekt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Dresden angesehen werden.“, schrieb neulich eine namhafte Architekturhistorikerin. Die Moderne der Nachkriegszeit ist fachlich noch gar nicht aufbereitet. Das geht jetzt erst richtig los, auch weil sich so viele Fachleute wegen der geplanten Zerstörung des bedeutenden Baudenkmals „Kulturpalast“ empören.

Die Grünen waren immer der „Anwalt der Denkmalpflege“. Wie kommt es, dass sie sich von diesem Wertemerkmal abgewendet haben? Viele Bürger fragen, wen soll man jetzt wählen, wenn selbst die Grünen ihre Prinzipien grob verletzen? Der Festsaal ist das Herzstück des Hauses. Er darf nicht zerstört werden! Er gehört zum Gesamtkunstwerk „Kulturpalast“ und der ist ein bedeutendes Baudenkmal der Moderne.

Die Dresdner Philharmonie erweist sich einen „Bärendienst“. Natürlich gibt es ein weltweites Ranking für Orchester, und dabei schneidet die Sächsische Staatskapelle eben vor der Dresdner Philharmonie ab. Aber auch die Dresdner Philharmonie ist ein weltberühmtes Orchester, das das Image von Dresden in der Welt pflegt. Sie ist für die Dresdner und für Dresden als Botschafter in der Welt wichtig. Ich habe noch keinen getroffen, der daran zweifelt, dass die Philharmonie diese Aufgabe grandios erfüllt. Sie sind nun mit dem „Spatz in der Hand“ zufrieden, wie der Intendant Anselm Rose es einmal sagte. Natürlich hätten sie lieber ein richtiges Konzerthaus mit Probensälen und Kammermusiksaal. Aber sie hätten es mit der Sächsischen Staatskapelle teilen müssen und da gewinnt das Gefühl, nur die „zweite Geige“ zu spielen, Raum. Auch wenn die Situation menschlich nachvollziehbar ist, kann es nicht sein, dass der Dresdner Steuerzahler für solche Befindlichkeiten aufkommt und damit zugleich strategisch wichtige Schritte zur „Musikmetropole von internationalem Rang“, was nicht zuletzt auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bedeutsam ist, ein für allemal blockiert.

Die Sanierung im Bestand ist möglich. Und sie bietet gleiche komfortable Bedingungen für alle Nutzer. Ein Großteil der Planungen kann man nutzen. Nur Teil-Pläne müssen geändert werden. Das ist bei gutem Willen bis zum Baubeginn zu schaffen. Es kann in Etappen saniert werden. Und die Dresdner Philharmonie bekäme auch ohne die Entfernung des jetzigen Festsaales sehr gute akustische und sonstige Bedingungen. Sie müsste vor allem nicht darauf verzichten, weiterhin Orchester- und Chorwerke, die einer großen Bühne bedürfen, aufzuführen. Zusätzlich könnten die Veranstaltungen von Florian Silbereisen, Udo Jürgens und v.a.m. weiter im Kulturpalast stattfinden. Ungemütliche Messehallen sind keine Alternativen für das Genre.

Wo ist das verantwortungsvolle Handeln der Politik, was uns zu Wahlen immer versprochen wird?

Wie man es dreht oder wendet. Der Umbau muss verhindert werden! Er schadet Dresden und den Dresdnern! Die Grünen haben es in der Hand. Sie können mit allen Gegnern eine Mehrheit im Stadtrat bilden und einen neuen Stadtratsbeschluss herbeiführen.

Helfen Sie mit, das „Baudenkmal Kulturpalast“ zu retten! Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Verfahrenskosten des Erbauers des Kulturpalastes, Wolfgang Hänsch, der sich gerichtlich gegen die Zerstörung seines Werkes wehrt. Der Festsaal ist Bestandteil seiner schöpferischen Leistung. Es ist schizophren, die Bauhülle unter Denkmalschutz zu stellen und innen darf das Wichtigste zerstört werden, weil es angeblich nicht zum Denkmal gehört. Das Denkmalamt hätte nie seine Zustimmung zu diesem Umbau geben dürfen, auch wenn der politische Druck stark gewesen sein mag. Die Klage Hänschs gegen die Stadt ist der Kampf wie David gegen Goliath. Aber David hatte gesiegt.

Helfen Sie mit, den Sieg für Dr. h.c. Wolfgang Hänsch herbeizuführen!

Es ist eine kleine Chance, aber eine große für die Grünen, sich zu besinnen.

Spendenkonto:
Inhaber: Dresdens Erben e.V.
Konto: 16 27 790 011
BLZ: 350 601 90 (LKG Sachsen = Zweigstelle der KD Bank Dortmund)
Kennwort: Kulturpalast

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.05.2012 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich glaube nicht, dass der Appell an die Mitglieder der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen viel bringt. Auch unsere Aktion vor dem Kulturpalast am 07. Mai würde ich unter diesem Aspekt nicht überbewerten. Die Besucher an diesem Abend – meist ältere Dresdnerinnen und Dresdner – waren zu sehr mit Florian Silbereisen beschäftigt, als dass sie unserem Anliegen wie erhofft ihr Ohr geliehen hätten. Den Handzettel haben zwar viele entgegengenommen, aber gleich irgendwo in Taschen verschwinden lassen. Aufschlussreicher waren für mich die Gespräche mit den Gardrobieren, die für die Zukunft des Kulturpalastes schwarz sehen. Eine meinte gar, dass der Stadtratsbeschluss für den Totalumbau die Vorbereitung für den Totalabriss sei. Ich empfehle unter diesem Gesichtspunkt die Lektüre von Michael Bartschs Beitrag “Friede dem Kulturpalast, Krieg dem Stadtsäckel!” im SAX 05/2012, S. 12/13. Aufschlussreich vor diesem Hintergrund auch die Konzertrezension von Martin Morgenstern in der “Sächsischen Zeitung” vom 08.05.2012, S. 8. Unter dem Titel “Heimlicher Abschied – Am 7. Oktober 1969 weihte Kurt Masur den neuen Kulturpalast musikalisch mit Beethovens ‘Neunter’ ein. Nun erklang sie wieder – zum Auszug aus dem Saal”: “Jüngst gefragt, ob es denn kein offizielles Abschiedskonzert der Dresdner Philharmonie vom Kulturpalast gebe, verneinte der Intendant. Dabei lag die Antwort doch auf der Hand. Im Siebten Außerordentlichen Konzert an diesem Wochenende stand Beethovens ‘Neunte’ unter Kurt Masur auf dem Programm. Mit diesem Werk hatte das Orchester seine Heimstatt vor über vierzig Jahren publikumswirksam bezogen, wenn auch unter anderen politischen Vorzeichen. Zum zwanzigsten Republiksgeburtstag dirigierte Masur die Sinfonie und gab dem Kulturpalast so die musikalischen Weihen.

    Das Programmheft schwieg sich über diese Symbolik freilich aus. Auch über die bevorstehende Verabschiedung der beiden langjährigen Chortleiter Matthias Geissler und Jürgen Becker, über die Hintergründe der Widmung dieses Abends an George Gerard Arnhold, den langjährigen Präsidenten des Philharmonie-Fördervereins – kein Wort. Wenigstens die treuen Philharmonie-Hörer hatten dies ‘heimliche Abschiedskonzert’ von dem Mehrzwecksaal, den nicht wenige Hörer trotz seiner Macken heiß lieben, im Programmplan trotzdem ausgemacht: Der Palast platzte also noch einmal aus allen Nähten.”

    Danke, Michael Bartsch; Danke, Martin Morgenstern! An ihren Texten sollten wir uns aufrichten! Ihre Texte sollten wir unserem weiteren Wirken für den Erhalt des Kulturpalastes in seinem Bestand zugrunde legen.

    … schrieb Jürgen Karthaus am Dienstag, dem 08.05.2012, um 18:19 Uhr.