UM DENKEN mit Albrecht Nollau

Sonntag, 29. Januar 2012

Ein Kommentar von Johannes Hellmich

Der Superintendent des Kirchenbezirkes Dresden-Nord, Albrecht Nollau, hält Blockaden von Naziaufmärschen für ungeeignet, Rechtsextreme langfristig zum Umdenken zu bewegen. Deshalb spricht er sich gegen Blockaden am 13. Februar in Dresden aus, die in den vergangenen Jahren Europas größte Nazi-Aufmärsche verhindert haben. Das melden Dresdner Zeitungen unter der Überschrift „Dresdner Kirchen distanzieren sich von Blockade-Aufruf zum 13. Februar“ (DNN) und „Bunt statt Blockade: Kirchen gegen Rechts“ (klar – Sächsische Zeitung).

Mal abgesehen davon, dass nicht einmal 6 Millionen ermordete Juden und ein zerstörter Kontinent Rechtsextreme bisher zum UM DENKEN bewegen konnten, obwohl es ausreichend Zeit gab, wirft diese Meldung erneut ein bezeichnendes Licht auf die gut funktionierende Einheit von Regierung, Justiz, Kirche und Presse im Freistaat am Vorabend des 13. Februars. Dass sich ausgerechnet Albrecht Nollau nun in den Dienst der freistaatlichen Extremismustheoretiker stellt, die letztlich in Hitler nur eine Antwort auf Stalin sehen, ist besonders enttäuschend.

Logisch, dass sächsische Medien weniger über den Blockadeaufruf selbst informieren, auf den sich Nollau bezieht, als lieber - ausgewogen wie immer - Meinungsmache mit Hilfe der Kritiker zu betreiben.

Niemand erwartet mehr von einer sächsischen Landeskirche unter Bischof Bohl, sich Aufrufen zu Blockaden öffentlich anzuschließen, die Oberstaatsanwalt Christian Avenarius in der Vergangenheit noch exzessiv verfolgte, auch wenn es für Thüringens Bischöfin Ilse Junkermann drei Monate nach Bekanntwerden der neonazistischen Gewalttaten eine Selbstverständlichkeit ist. Alle Protestformen sind richtig und gut, die im Konsens der AG 13. Februar gefunden wurden.

Wer sich jedoch umgekehrt ohne Mandat und von exponierter Stelle aus gegen Blockaden wendet und von richtigem und falschem Kampf gegen Rechtsextremismus spricht, wie Albrecht Nollau, verschärft jenseits sachlich fragwürdiger Argumentation eine Kluft innerhalb des christlichen Bekenntnisses. Zugleich stellt Albrecht Nollau für einen zum Teil populistischen Interessenausgleich mit Sachsens CDU und FDP die Freiheit des christlichen Gewissens zur Disposition.

Informationen zum Aufruf „Nächstenliebe verlangt Klarheit – Kein Naziaufmarsch, nirgendwo“ finden Sie auf der Website von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

Nachtrag:

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat angekündigt, am 13. Februar Naziaufmärsche in Dresden aktiv zu blockieren. Gegenüber der Nachrichtenagentur dapd äußerte sich Kramer außerdem kritisch zu Alibi-Großveranstaltungen, „wo wir uns gegenseitig versichern, dass wir für Toleranz, Freiheit und Demokratie sind“. Die Erfahrung vergangenener Jahre habe gezeigt, dass sich die Aufmärsche nur mit Blockaden verhindern ließen.

Die katholische Kirche lehnt Blockaden von Nazidemos offiziell ab. Allerdings verweist der Diözesanratsvorsitzende des Bistums Dresden-Meißen, Nikolaus Legutke, auf unterschiedliche Haltungen innerhalb des Rates. Er persönlich respektiere jeden, der sich Nazis in den Weg stelle. Zugleich wendet sich Legutke gegen die Kriminalisierung der Blockierer. Rechtsextremismus, der auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, müsse als eigenständiges Problem verstanden werden.

 

Dieser Artikel wurde zuletzt am 12.02.2012 aktualisiert.
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