Chronik zum Umgang mit dem Kulturpalast

Sonntag, 3. Juli 2011

Diese Chronik1 bewertet den Umgang mit dem Kulturpalast in Dresden insbesondere unter dem Aspekt seines Denkmalstatus.

zusammengestellt von Heidrun Laudel

6. Oktober 1969: Am Vorabend des 20. Jahrestages der DDR wird der Kulturpalast – nach nur 33 Monaten Bauzeit – feierlich eröffnet.

1974: Der Leipziger Seemann-Verlag bringt in seiner Reihe „Baudenkmale“ ein Heft zum Kulturpalast in Dresden heraus.

1979: Konrad Wachsmann, der 1941 in die USA emigrierte Wegbereiter des industriellen Bauens, würdigt den Kulturpalast bei seinem Besuch in der DDR als „das Beste und Überzeugendste an der neuen Architektur in Dresden.“

April 1989: Am Tag des Denkmals wird darüber informiert, dass der Kulturpalast in die Liste der Denkmale des Bezirks aufgenommen worden ist.

Die politische Wende bringt eine radikale Umbewertung der baulichen Hinterlassenschaften der DDR mit sich, die um den Kulturpalast keinen Bogen macht.

Die Planungsgeschichte des Kulturpalastes nach 1990 ist eine Geschichte seines Umbaus in ein Konzerthaus. Sie beginnt mit einem Treffen der Dezernenten Keller (Bauverwaltung) und Göpfert (Kultur) mit dem Chefdirigenten der Philharmonie Weigle und dem Intendanten von Winterstein am 3. Juni 1993, bei dem die Mehrfachnutzung des Kulturpalastes als Kongresszentrum, Veranstaltungssaal und Konzertsaal künftig ausgeschlossen wird. Ideen zu einem eigenen Konzerthaus spielen nur eine marginale Rolle, vor allem als Wunsch der Philharmoniker und als vereinzelte Erwägungen im Zuge des Umplanungsprozesses. Schon 1994 lehnt der damals neu gewählte Kulturdezernent Stüdemann den Vorschlag des Kulturausschusses zum Bau eines Konzerthaus „Neue Terrasse“ wegen fehlender Mittel kategorisch ab. Zehn Jahre lang, bis zum Jahre 2003, wird ausschließlich das Konzept des Umbaus des Kulturpalastes in ein reines Konzerthaus mit Spitzenakustik verfolgt. Diesen Tatbestand haben die langjährigen Stadträte ganz offensichtlich verinnerlicht.

2. Dezember 1993: In einem Schreiben an den Landeskonservator Prof. Gerhard Glaser, der sich für den Umbau des Kulturpalastes in ein Konzerthaus ausgesprochen hatte, gibt der Leiter des Hochbauamtes Dr. Wagner zu bedenken, dass es Bevölkerungskreise gäbe, die andere als Sinfoniekonzerte besuchen. Die Beibehaltung des Saals einer Stadthalle verschaffe der Philharmonie einen Spielort, um bis zum Einzug in ein neues Haus weiterhin in Dresden konzertieren zu können.

21. April 1994: Der Stadtrat fasst einen Grundsatzbeschluss zum Umbau des Kulturpalastes in ein Konzerthaus. Der Beschluss enthält zugleich schon den Vorschlag, eine „Weinberg“-Lösung zu favorisieren. Die Unterhaltungskunst soll ihre Spielstätte im neu zu errichtenden Kongresszentrum erhalten.

1995: Der Entwurf einer Gestaltungssatzung für den Neumarkt liegt auf dem Tisch. Sie ist von jener kategorischen Haltung der Nachwende-Zeit getragen, die die Nachkriegsentwicklung in Gänze in Frage stellt. Der zur Gestaltungssatzung von 1995 gehörige Rahmenplan sieht vor, mit einer Umbauung des Kulturpalastes die alten Quartierstrukturen zur Anschauung zu bringen. Man gedenkt, den als freigestelltes Solitärgebäude konzipierten Kulturpalast schamvoll hinter einer Baukulisse zu verstecken, als deren prägendes Element der einstige Eingang in die Schösserstraße hervortreten sollte. Das Gebäude soll gleichsam in eine Quartierstruktur versenkt werden.

Februar 1995: Zum viel diskutierten Umbau des Kulturpalastes wird eine Projektgruppe gegründet. Sie steht unter Leitung des Kulturamtes (Dr. Barlmeyer). In ihr sind der Stadtrat (darunter Hermann Henke, CDU), das Stadtplanungsamt, das Hochbauamt, die Dresdner Philharmonie und die Kulturpalast KKG vertreten.

15. Oktober 1997: Zwischen dem Baudezernat und der Architektengemeinschaft Kulturbauten Schölzel & Kämmler wird nach erfolgten Voruntersuchungen ein Generalplanungsvertrag zum 1. Bauabschnitt über die Planungsphasen Vorplanung, Entwurfsplanung und Genehmigungsplanung geschlossen. Der 1. Bauabschnitt umfasst: Saalumbau und Sanierung aller Räume, die zum Raumprogramm der Dresdner Philharmonie gehören. Im Rückblick betonen die Architekten, dass sie an diesem Projekt unter der Voraussetzung gearbeitet hätten, dass die Unterhaltungskunst in dem geplanten Kongresszentrum eine neue Spielstätte bekäme, zu dem 1998 ein Wettbewerb ausgelobt wurde.

17./18. Dezember 1998: Der Stadtrat entscheidet über die von der Arbeitsgemeinschaft Schölzel & Kämmler und dem Schalltechnischen Beratungsbüro Müller-BBM vorgelegten Umbaupläne zum Kulturpalast, die nach jahrelangen Vorarbeiten am 30. März 1998 zum Abschluss gebracht worden waren und für die 78,5 Millionen DM geschätzte Baukosten angegeben werden. Einstimmig wird die mittelfristige Finanzplanung für die Leistungsphasen Vorplanungen/Restleistungen, Entwurfsplanung/Genehmigungsplanung in den Jahren 1999 bis 2002 beschlossen. Im Zuge dessen wird 1999 ein mannshohes Akustikmodell gebaut. Die Stufe Entwurfsplanung/Genehmigungsplanung wird fristgerecht im Jahre 2002 abgeschlossen. Doch danach werden mangels Geldes erst einmal alle Investitionen eingestellt und die 1995 gegründete Projektgruppe Kulturpalast ohne Abschlussbericht vom Oberbürgermeister aufgelöst.

Eine entscheidende Zäsur in der Planungsgeschichte des Kulturpalastes nach 1990 stellt das Projekt dar, das der Berliner Architekt Hans Kollhoff im Auftrag der Sachsenbau- und Projektierungs-GmbH & Co. KG Chemnitz in den Jahren 2002/2003 erarbeitet. Die Arbeit geht siegreich aus einer Investoren-Ausschreibung hervor, zu dem sich die Stadt angesichts klammer Kassen entschloss. Ziel ist es, die Grundstücke südlich, westlich und nördlich des Kulturpalastes unter dem schönen Label „Philharmonie-Passagen“ zu verkaufen und den Erlös in den Umbau eines Konzertsaales mit Spitzenakustik fließen zu lassen. Der Investor und sein Architekt setzen diese Vorgaben ohne jegliche Sentimentalitäten um. Sie lassen das Solitärgebäude des von Leopold Wiel entworfenen und unter Federführung von Wolfgang Hänsch erbauten Kulturpalastes in einer gewaltigen Shopping Mall verschwinden. Die dazugehörigen Schaubilder, die nur die letzte Konsequenz dessen darstellen, was schon in der Gestaltungssatzung zum Neumarkt von 1995 angedacht war, lösen allgemeines Entsetzen aus. Sie führen dazu, das bestehende Gebäude genauer in den Blick zu nehmen, seinen eigentlichen Wert zu erkennen und seine Denkmalwürdigkeit zu prüfen. Wenn auch noch vereinzelt, so doch sehr entschieden wird auf ein Bauwerk verwiesen, das mit seiner multifunktionalen Raumstruktur in der Tradition der Volkshäuser steht und wie kein zweites in Dresden und über Dresden hinaus die Abkehr von einem Neohistorismus sowjetischer Prägung und den Anschluss an die internationale Moderne anzeigt. Ein Umdenkungsprozess ist angestoßen, der allerdings in der Folge nur halbherzig und schon gar nicht – wie es angemessen gewesen wäre – in der breiten Öffentlichkeit weitergeführt wird. Für das Gros der Stadträte geht es weiterhin ausschließlich darum, den Interessen der Philharmonie nachzukommen, die freilich lange genug hingehalten worden war.

16. Dezember 1999: Angesichts fehlender Mittel beschließt der Stadtrat, die Bauflächen um den Kulturpalast zu verkaufen. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, eine internationale Investoren-Ausschreibung für die Grundstücke südlich, westlich und nördlich des Kulturpalastes als „Philharmonie-Passagen“ vorzubereiten. Die Auswahl des Bieters soll unter Berücksichtigung der besten Nutzungs- und Baukonzeption und eines Mindestgebotes erfolgen. Der Erlös aus dem Grundstücksverkauf soll in den Umbau des Konzertsaales fließen. Die Ausschreibung erfolgt am 13. Juli 2000. Aus dem Verfahren geht die Sachsenbau und Projektierungsgesellschaft mbH & Co. KG Chemnitz siegreich hervor.

22. März 2002: Aus Sorge um die Realisierung des Konzertsaal-Projektes kündigt die Philharmonie in einer Presseerklärung eine Initiative zum „Einwerben von Geld zur Mitfinanzierung eines Konzertsaales“ an.

September 2002: Bei einem Vortragsabend in der Villa Salzburg wird die Öffentlichkeit mit den Plänen des Berliner Architekten Hans Kollhoff bekannt gemacht, die dieser für die Sachsenbau und Projektierungsgesellschaft mbH & Co. KG Chemnitz erarbeitet hat. Der Entwurf sieht einen von einer diagonalen Passage durchzogenen Baublock vor, in dem – umgeben von Hotels und Geschäften – ein hochwertiger Konzertsaal und eine weitere Spielstätte (gedacht war an die Staatsoperette) eingeordnet sind.

6. März 2003: In der DNN fragt Heidrun Hannusch: „Ist Bruce Springsteen eigentlich Kultur oder Hermann van Veen oder die Zillertaler Musikanten?“ und gibt die Antwort: „Wahrscheinlich nicht. Sonst nämlich spielten sie eine Rolle in der Diskussion darüber, was mit der Kulturstadt Dresden werden soll, wohin es sie treibt. Vor allem auf die Höhen der Hochkultur, müsste die Antwort lauten, hat man die öffentliche Diskussion um den Umbau des Kulturpalastes verfolgt. Der Stadtsaal kam darin bisher nur am Rande vor, eine Marginalie neben dem Bedürfnis, der Philharmonie einen angemessenen Konzertsaal zu errichten, in dem die Unterhaltung nur einen Platz am Katzentisch hätte.“ Und weiter verweist der Artikel auf den Kommentar des Kulturmanagers Bernd Aust: „Das ist einfach ein genialer Mehrzwecksaal, von denen es nur ganz wenige gibt. Ihn umzubauen zum Konzertsaal, heißt Geld verbrennen.“

10. März 2003: Unter dem Titel „Vorwärts zu den Anfängen“ gibt Michael Bartsch in der DNN die Auffassung des Akustikers Wolfgang Schmidt wieder, der 1969 als Assistent bei dem international anerkannten Fachmann Prof. Walter Reichardt an den umfangreichen Akustikproben im neuen Kulturpalast beteiligt war. Plafonds über der Bühne und zwei große, massivhölzerne Stellwände sollten die Hörverhältnisse für Musiker und Zuschauer verbessern. Von den damals gesammelten Erfahrungen ausgehend, ist Schmidt der Überzeugung, dass sich der vorhandene Saal akustisch aufrüsten lässt. Allein schon die von Reichardt vorgesehenen Stellwände, die wegen ihrer schlechten Handhabung bald nicht mehr genutzt wurden, brächten eine Verbesserung. Der undicht gewordene Plafond über dem Konzertpodium müsste erneuert werden. Schließlich gelte es, eine nach der Wende begangene akustische Sünde rückgängig zu machen, die bequemen weichen Polster wieder durch relativ harte und damit auch schallharte Sitze zu ersetzen. Auf diese Weise könnte man zu den von Prof. Reichardt und seinen Mitarbeitern optimierten akustischen Bedingungen gelangen. Große Säle seien überall in der Welt schwierig zu optimieren. Für die „toten Ecken“ sei aber eine elektro-akustische Unterstützung denkbar, wie man sie in bedeutenden Sälen finde, etwa in der Mailänder Scala oder der Royal Festival Hall in London.

21. Juni 2003: Offener Brief von Mitgliedern der Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste an den Oberbürgermeister der Stadt Dresden zu den Umbauplänen der Stadt Dresden. Darin heißt es, es sei der Kulturpalast als Multifunktionsbau ein bauhistorisches Zeugnis von hohem Rang. In ihm manifestiere sich „die Überwindung des Monumentalismus, demzufolge bis Ende der fünfziger Jahre am selben Platz ein pompöses Hochhaus im Stile des Warschauer Kulturpalastes hätte entstehen sollen.“ Die Durchsetzung dieses Gebäude musste „als unmißverständliches Signal verstanden werden, daß die DDR-Architektur wieder Anschluß an die internationale Nachkriegsentwicklung gefunden hatte. Aus gebotenem zeitlichen Abstand läßt sich heute mit großer Gewißheit feststellen, daß im ästhetischen Rahmen der Sechziger-Jahre-Moderne der Dresdner Kulturpalast – von der großen Gestik der Außenfronten bis in die handwerkliche Ausführung der Innenraumgestaltungen – einen sehr hohen Qualitätsstandard verkörpert […] Im Umgang mit den Zeugnissen der DDR-Baugeschichte sollte die Zeit der Bilderstürmerei vorbei sein. Darüber hinaus sollte Dresden sich ersparen, in eine Skandalreihe mit Städten werden, wo derzeit ebenfalls Inkunabeln [lat. „Windeln“, „Wiege“] der (west)deutschen Nachkriegsmoderne – von Roland Rainer, Egon Eiermann bzw. Georges Candilis – für geschichtsblinde Ersatzneubauten preisgegeben werden sollen.“

10. Juli 2003: Der Stadtrat nimmt das Ergebnis des Variantenvergleichs zum Umbau bzw. zur Umbauung des Kulturpalastes zur Kenntnis. Er beauftragt den Oberbürgermeister, die Verhandlungen mit der Sachsenbau- und Projektierungsgesellschaft mbH & Co KG Chemnitz zum Verkauf der Umbauungsflächen des Kulturpalastes aufzunehmen und über die Finanzierung im Rahmen des Finanzplanes 2004 zu entscheiden.

29. Oktober 2003: Auf einer Veranstaltung der Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste erfährt das Kollhoff-Projekt eine vernichtende Kritik: „Die Philharmonie im Hinterzimmer eines gigantischen Warenhauses“, „Monstereingriff”. Von einer „kulturellen Schande“ spricht nicht etwa – wie immer gern vermutet wird – ein auf den status quo fixierter Dresdner, sondern der Wiener Architekturprofessor Anton Schweighofer. Viel Beifall erhält ein junger Mann, der für den Erhalt des Kulturpalastes plädiert. Heidrun Hannusch zieht in der DNN das Fazit: „Wohl ein erstes Mal in dem zehn Jahre währenden Streit wurde das Thema so komplex behandelt wie in einer Drei-Stunden-Veranstaltung am Mittwochabend.“

10. Januar 2004: Der OB Roßberg streicht den Umbauplan für den Kulturpalast mangels Geldes. Er setzt die diesbezüglichen Stadtratsbeschlüsse außer Kraft und zerschlägt damit alle Hoffnungen, die die Musiker und Konzertbesucher seit zehn Jahren hegen. Im Anschluss gründet sich die Initiativgruppe „Neuer Konzertsaal der Dresdner Philharmoniker“, die in Umsetzung des Stadtratsbeschlusses von 1994 den Umbau des Festsaales des Kulturpalastes in einen Konzertsaal fordert.

11. März 2004: In Reaktion auf die Aktivitäten von Dieter Füsslein, Chef der Chemnitzer Firma Sachsenbau, der noch immer in den Startlöchern steht, um sein Projekt umzusetzen, betont Stadtentwicklungsbürgermeister Feßenmayr mit Bezug auf die Bürgerproteste vom Herbst 2003, „der Saalumbau“ werde „immer Sache der Stadt bleiben.“ Und weiter: „Wir können uns den einst geplanten großen Konzertsaal für die Philharmonie nicht leisten.“ Er plädiert für kleine Schritte. Thomas Löser von der „Bürgerinitiative Kulturpalast Dresden erhalten“, die er mit vier jungen Architekten ins Leben gerufen hat, erklärt: „Wir gehen davon aus, den Kulturpalast als Baukörper zu erhalten.“ Er setzt fort: Der Kulturpalast „sollte mit heutigen Mitteln saniert werden“. Löser möchte das Bauwerk aus den 1960er Jahren unter Denkmalschutz gestellt wissen. Es sei eine architektonische Leistung der Nachkriegsmoderne. Das schließe nicht aus, die Rückseite zum Neumarkt zu bebauen.

20. Juli 2004: Die SZ meldet: Die Initiative „Kulturpalast erhalten“ setzt sich für die Sanierung des Gebäudes ein. 25 Millionen Euro würde die Sanierung des Kulturpalastes kosten, die „optische Aufwertung“ der Außenhaut und die „akustische Aufwertung“ eingeschlossen. Stadtentwicklungsbürgermeister Feßenmayr betont, es habe sich das Urteil zum Kulturpalast geändert.

Im November 2004 erteilt der Stadtrat dem Investoren-Projekt der Sachsenbau- und Projektierungsgesellschaft mbH & Co KG Chemnitz mit Shopping Mall, Hotel und Büros die endgültige Absage. Er stimmt der sog. „kleinen Variante“ zu: der Sanierung des Gebäudes und akustischen Aufrüstung seines Mehrzwecksaales. Eine Machbarkeitsstudie wird in Auftrag gegeben, auf deren Grundlage ein Jahr später – am 21. November 2005 – der Finanzausschuss die Planung und stufenweise Durchführung der brandschutztechnischen, anlagetechnischen und raumakustischen Instandsetzung und Ertüchtigung von Saal und Foyer im Kulturpalast mit dem Ziel der Wiederherstellung der uneingeschränkten Nutzungsfähigkeit dieser Bereiche beschließt. Zum gleichen Zeitpunkt, nämlich im Oktober 2005, wird der Kulturpalast – vorbehaltlich der Zustimmung durch das Ministerium des Innern – in die Denkmalliste eingetragen, nachdem seit 2003 über dessen Denkmalwert diskutiert worden war.

26. Mai 2004: Das nach den Plänen von Storch/Ehlers (Hannover) seit 2001 im Bau befindliche Kongresszentrum wird eröffnet. Entgegen der ursprünglichen Absichten ist das Gebäude nicht so ausgelegt, dass es die Stadthallenfunktion übernehmen kann. Der geplante Mehrzwecksaal war stillschweigend gestrichen worden.

Juli 2004: Mit Blick auf das drohende Schicksal des Dresdner Kulturpalastes steht in mehreren Gesprächsrunden die „Denkmalwürdigkeit – das Für und Wider die Architektur der 60er und 70er Jahre“ zur Debatte. Unter der Moderation von Frau Prof. Gisela Raap (Leiterin des Sächsischen Archivs für Architektur und Ingenieurbau der HTW Dresden) diskutieren am 7. Juli im Salon Neumarkt des Kulturpalastes die Architekten Prof. Carlo Weber (Sächsische Akademie der Künste) und Thomas Heinle (Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner), der Kunsthistoriker Prof. Thomas Topfstedt (Universität Leipzig) und die Denkmalpfleger Prof. Thomas Will (TU Dresden), Dr. Hartmut Rietschel (Landesamt für Denkmalpflege) und Dr. Bernhard Sterra (Städtisches Denkmalamt) zum Thema. Im Zentrum der Gespräche steht das Schicksal des Kulturpalastes. Weitere Diskussionsabende folgen, an denen die Initiative „Kulturpalast erhalten“ maßgeblich beteiligt ist. Unmittelbares Anliegen ist es, die Stadt dazu zu bewegen, von den Plänen den Sachsenbau Chemnitz (Geschäftsführer Dieter Füsslein) abzulassen. Zu einer Aussage gedrängt, erklärt der Baubürgermeister Herbert Feßenmayr: Es habe sich das Urteil zum Kulturpalast geändert. Das müsse der Investor zur Kenntnis nehmen. Und weiter: „Wenn Füsslein bis Herbst keine Lösung anbietet, hat die Stadt auch keine Lust mehr.“

25. November 2004: Der Stadtrat folgt einem Antrag der SPD-Fraktion zur „Sanierung/Umbau des Kulturpalastes“. Er beschließt, vom bisher beabsichtigten Grundstücksverkauf abzusehen und den Kulturpalast in seinem vorhandenen Bestand zu erhalten und zu sanieren. Mit dieser sogenannten „kleinen Variante“ wird erstmals ein behutsamer Umgang mit dem Gebäude ins Auge gefasst. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel müssen im Stadthaushalt noch eingestellt werden.

25. Februar 2005: Die Gestaltungskommission Kulturhistorisches Zentrum spricht sich in ihrer Sitzung für ein Festhalten an der bestehenden Form und den Erhalt des Kulturpalastes aus. Sie schließt aber eine Bebauung im westlichen Bereich nicht aus, wenn der Solitärcharakter des Gebäudes bewahrt bleibe.

29. April 2005: Die Stadt Dresden beauftragt das Büro AWB-Architekten mit Wolfgang Hänsch als Bearbeiter gemäß des Stadtratsbeschlusses vom 25. November 2004 mit der Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie zur schrittweisen Sanierung des Kulturpalastes und akustischen Aufwertung des Saales unter Erhalt seines Mehrzweckcharakters.

3. Juni 2005: Das Büro AWB-Architekten reicht die Machbarkeitsstudie zur Sanierung des Kulturpalastes und akustischen Aufwertung seines Saales ein.

16. Juni 2005: Im Hochbauamt werden mit dem Büros AWB Architekten Bauer/Hänsch und Müller-BBM die raumakustischen Umbaumaßnahmen besprochen. Der Akustiker Michael Espig (Müller-BBM) schlägt die notwendigen Maßnahmen und die Rangfolge ihrer Realisierung vor.

8. August 2005: Beginn der Fassadensanierung des Kulturpalastes, die Ende Oktober – zum Zeitpunkt der Weihe der Frauenkirche – abgeschlossen sein soll. Noch immer ist die Chemnitzer Firma Sachsenbau nicht völlig aus dem Spiel. Sie beabsichtigt die im Norden an den Kulturpalast angrenzenden Flächen „historisch“ zu bebauen.

30. August 2005: Das städtische Amt für Kultur und Denkmalschutz (Dr. Bernhard Sterra) schreibt an das LfD Sachsen. Es weist darauf hin, dass hinsichtlich des Kulturpalastes „Verdacht auf Denkmalschutzwürdigkeit“ bestehe.

10. Oktober 2005: Michael Müller (LfD Sachsen) sendet eine E-Mail an Frau Manja Neubert (Regierungspräsidium Dresden) mit der Nachricht, es werde der Kulturpalast mit heutigem Datum in das Denkmalverzeichnis Dresdens eingetragen.

19. Oktober 2005: Das Regierungspräsidium (Manja Neubert) teilt dem Bauaufsichtsamt Dresdens mit, für den geplanten Einbau des Besucherzentrums der Frauenkirche in den Kulturpalast sei keine denkmalschutzrechtliche Zustimmung erforderlich. Hinter dieser Aussage steht der Tatbestand, dass der Kulturpalast nur vorläufig in die Denkmalliste eingetragen, der Denkmalstatus noch nicht rechtskräftig war. So wird zu diesem Zeitpunkt eine Baumaßnahme in Angriff genommen, die den Sockelcharakter des Erdgeschosses erheblich beeinträchtigt.

21. November 2005: Der Finanzausschuss des Stadtrates beschließt auf der Grundlage einer Vorlage des Hochbauamtes die Planung und stufenweise Durchführung der brandschutztechnischen, anlagetechnischen und raumakustischen Instandsetzung und Ertüchtigung von Saal und Foyer im Kulturpalast mit dem Ziel der Wiederherstellung der uneingeschränkten Nutzungsfähigkeit dieser Bereiche. Der Kostenvoranschlag beziffert sich auf 40 Millionen Euro. Im Januar 2006 liegt ein überarbeiteter Ablaufplan der vorgesehenen Bauarbeiten vor, der dem Stadtrat allerdings nie vorgestellt, folglich weder genehmigt und später auch nicht revidiert werden braucht.

26./27. November 2005: Wiewohl schon im Oktober 2005 der Eintrag des Kulturpalastes in die Denkmalliste bekannt gegeben wurde, geht aus einer Aktennotiz im Landesamt für Denkmalpflege hervor, man prüfe, den Kulturpalast unter Denkmalschutz zu stellen. Es stünde jedoch noch die Abstimmung mit den übergeordneten Behörden aus. Die Prüfung im Innenministerium dauert dann noch knapp drei Jahre.

30. November 2005: Der ehemalige Leiter des Hochbauamts Dr. Udo Wagner warnt die Landeskonservatorin, Frau Dr. Rosemarie Pohlack, vor einer Unterschutzstellung des Kulturpalastes. Sie verhindere die notwendigen Eingriffe.

Ende 2005: Das Landesamt für Denkmalpflege hat eine Denkmalsbegründung ausgearbeitet. Die Gespräche mit dem vorgesetzten Innenministerium führen dazu, mit der Verleihung des Denkmalstatus noch zu warten, ganz konkret: die Ergebnisse der vom Nationalkomitee für Denkmalschutz für 2007 in Aussicht genommenen Tagung zu den nach 1960 entstandenen Bauten in die Betrachtung einzubeziehen.

Eine Kehrtwende vollzieht sich im Jahr 2007 in den Amtsstuben. Nachdem die Stadt Dresden im März 2006 ihre Wohnungsunternehmen verkauft hatte und mit einem Schlag schuldenfrei war, arbeitet die Verwaltung klammheimlich an Plänen eines Radikalumbaus zugunsten der Philharmonie. Ausschlaggebend war dabei, dass die erste Planungsstufe, die an das Stuttgarter Büro K + H Architekten und die Dresdner Planungsgruppe m + m vergeben worden war, im November 2006 einen Anstieg der Kosten von 40 auf 67 Millionen Euro erbrachte, der im Wesentlichen dem von dem Dresdner Büro ausgewiesenen Brandschutz geschuldet war. Von da an verfolgte ein kleiner Kreis der Eingeweihten wieder die Idee, den bisherigen Mehrzwecksaal durch einen Konzertsaal für die Philharmonie zu ersetzen. Über die Belange des Denkmalstatus’, die auf einer Tagung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz im April 2007 noch einmal bekräftigt worden waren, setzte man sich hinweg und war damit rein rechtlich gesehen auf der sicheren Seite. Der „Segen“ des Innenministeriums stand noch immer aus. Erst zu Beginn des Jahres 2008 erfährt die überraschte Öffentlichkeit, dass der Kulturpalast ab 2010 ein „attraktives Haus der Kultur mit Spitzenakustik“ für die Philharmonie – ergänzt durch Bibliothek und Herkuleskeule – sein könne, ein Konzept, das im Amtsbereich des Finanzderzernenten ausgeklügelt worden war. Gegenwärtig würde noch geprüft, welche Saalgeometrie („Weinberg“ oder „Schuhkarton“) vorzuziehen sei. Die Bürger wurden gleich noch der Sorge enthoben, über das neuerliche Projekt mitentscheiden zu müssen. Ihnen wurde mitgeteilt, es habe sich Kurt Masur schon für die Pläne ausgesprochen und im Stadtrat zeichne sich eine Mehrheit ab.

9. März 2006: Der Dresdner Stadtrat beschließt mit einer satten Mehrheit den Verkauf aller Anteile der „WOBA Dresden GmbH“ an die amerikanische Investmentgesellschaft Fortress Investment Group. Dresden wird auf diese Weise zur ersten schuldenfreien Großstadt Deutschlands.

5. April 2006: Der Bauausschuss des Stadtrates beschließt die Vergabe von Planungsleistungen nach HAOI für Gebäude (Los 1) und Technische Ausrüstungen (Los 2) zur Wiederherstellung der uneingeschränkten Nutzungsfähigkeit von Saal und Foyer des Kulturpalastes. Im Anschluss werden das Stuttgarter Büro K + H Architekten mit der Gebäude-Planung und die Dresdner Planungsgruppe m + m für die Planung der technischen Ausrüstung beauftragt.

14. November 2006: Die Planungen zur Wiederherstellung der uneingeschränkten Nutzungsfähigkeit von Saal und Foyer des Kulturpalastes des Stuttgarter Büros K + H Architekten liegen vor. Ihnen zufolge sind für den Brandschutz wesentliche höhere Kosten zu veranschlagen, als bisher angesetzt wurden. Die Gesamtkosten beziffern sich dadurch nun auf 67 Millionen Euro statt – wie in der Machbarkeitsstudie von 2005 ausgewiesen – auf 40 Millionen Euro.

März 2007: Der Kulturpalast muss wegen offenbar gewordener akuter Brandschutzmängel plötzlich geschlossen werden.

17./18. April 2007: In Berlin findet die Tagung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz zum Thema „1960 plus – ein ausgeschlagenes Erbe?“ statt. Über den Dresdner Kulturpalast referiert Hartmut Ritschel von Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Sein Beitrag enthält alle Gesichtspunkte, die den Kulturpalast in seiner Gesamtheit von Funktion und Gestalt als Denkmal ausweisen.2 Von der Versammlung geht ein eindeutiges Votum für den Kulturpalast als einem zu schützenden Denkmal aus. In Dresden nimmt davon niemand Kenntnis. Die Angelegenheit ruht weiterhin in den Räumen des Innenministeriums.

31. Mai 2007: In der aktuellen Stunde steht das Schicksal des Kulturpalastes zur Debatte. Auf eine gezielte Anfrage des Stadtrates André Schollbach (Linksfraktion) hatte der Kämmerer Hartmut Vorjohann mitgeteilt, was man in der Verwaltung seit November 2006 wusste: dass die Sanierung des Kulturpalastes 60 Millionen Euro kosten werde. Die Dresdner Morgenpost berichtete schon am Vortage, unter den Dresdner Politikern herrsche Entsetzen. Jan Mücke (FDP) verlange, das Thema völlig neu zu diskutieren: „Bei der Summe können wir den Kulturplast abreißen und etwas Neues bauen“. Für die anderen politischen Kräfte kommt der Abriss nicht in Frage. Helfried Reuther (CDU) meint: „Ich glaube nicht, dass wir vom Kulturpalast Abstand nehmen“. SPD-Rat Wilm Heinrich: „Wir wollen, dass der Kulturpalast so in Ordnung gebracht wird, dass die Philharmonie vernünftig darin spielen kann. Was an Sanierungskosten darüber hinausgeht, da haben Kitas und Schulen Vorrang. Was Herr Vorjohann mit dieser rahmenlosen Zahl politisch bezweckt, ist schleierhaft.“ Die Bürgerfraktion verlangt mehr Infos, die Linksfraktion ein Konzept, dazu Schollbach: „Ich fordere von Herrn Vorjohann endlich alle Fakten und ein Konzept für die Zukunft des Kulturpalastes“ Christiane Filius-Jehne: „Die CDU-dominierte Bürgermeisterriege – allen voran Herr Vorjohann – ist ihren Aufgaben nicht gewachsen. Die bisherigen Kosten wurden auf Basis von Milchmädchenrechnungen ermittelt.“ Als die Forderung laut wird, das Konzept für den Kulturpalast von Grund auf neu zu durchdenken, gibt der amtierende OB Lutz Vogel unmissverständlich zu verstehen, dass für ihn nur der Umbau des Palastes für die Philharmonie denkbar ist.

7. Juni 2007: Die SZ veröffentlicht eine Telefon-Leserumfrage, nach der die große Mehrheit der Dresdner den Kulturpalast als Konzertsaal und Stadthalle erhalten wissen will.

11. Juni 2007: Der Finanzausschuss beschließt die Bereitstellung weiterer Mittel für die brandschutztechnischen Sofortmaßnahmen im Kulturpalast. Die bislang nicht eingeplanten Gelder werden aus Mehreinnahmen durch Grundstücksverkäufe (sprich: WOBA-Verkauf) bestritten.

12. Juli 2007: Der Stadtrat beschließt gegen die Stimmen der CDU, einen Ausschuss zur Untersuchung der Vorgänge um die plötzliche Schließung des Kulturpalastes einzusetzen. Er beschließt des Weiteren, eine ressortübergreifende Steuergruppe innerhalb der Stadtverwaltung unter Leitung von Finanzbürgermeister Vorjohann einzurichten. Abweichend vom geltenden Beschluss, der die einfache Sanierung und akustische Aufrüstung des Mehrzwecksaales vorsah und damit auch dem inzwischen über Dresden hinaus eingeforderten Denkmalstatus entsprach, soll in den Amtsstuben nach einem neuen Nutzungskonzept gesucht werden.

Januar 2008: Die Presse informiert unter Überschriften wie „Dresden soll ab 2010 ein attraktives Kulturhaus mit Spitzenakustik erhalten“ oder „Die Stadtbibliothek soll in den Kulturpalast ziehen“ über das künftige Nutzungsmodell des Kulturpalastes, das in den vergangenen Monaten in der Verwaltung „ausgekocht“ wurde. Nur von der Herkuleskeule erfährt man, dass sich deren Begeisterung als dritte Institution in den Kulturpalast zu ziehen, in Grenzen hält. Es ließe sich nicht sagen, ob das Kabarett – wenn es in den Kulturpalast verlegt wird – vom Publikum wirklich angenommen würde. Wiewohl der Rathaussprecher die Gemüter mit Aussagen „man stehe noch ganz am Anfang der Planungen“ zu beschwichtigen versucht, wird offenbar, wie festgezurrt das neue Konzept schon ist. Die Verlautbarung, es zeichne sich schon eine Stadtrats-Mehrheit ab, lässt erkennen, wie tatkräftig im Verborgenen gearbeitet worden war. Auch Kurt Masur habe sich für die Pläne ausgesprochen. Und auch die Hiobsbotschaft wird nicht verschwiegen: Die Staatskapelle will den neuen Raum nicht nutzen. Die Nachricht überrascht nicht nur die allgemeine Öffentlichkeit, sie überrascht auch die Bearbeiter des bis zur Genehmigungsreife geführten Umbau-Projektes aus den Jahren 1998–2002. Das Büro Schölzel & Kämmler beschwert sich über den ignoranten Umgang mit ihren Planungen, nachdem es erfährt, dass gegenwärtig ganz von vorn angefangen werde, d.h. die beiden prinzipiellen Varianten – „Schuhkarton“ oder „Weinberg“ – geprüft würden.

März 2008: Das Hochbauamt legt als Alternative zu der bislang von Schölzel & Kämmler erarbeiteten Saal-Variante das Projekt zu einem Konzertsaal in „Schuhkarton“-Form vor.

20. März 2008: Das Dresdner Amtsblatt berichtet über die neuen Umbaupläne zum Kulturpalast. Der amtierende Oberbürgermeister lege dem Stadtrat jetzt eine umfassende Vorlage zur Sanierung und den Umbau des Dresdner Kulturpalastes vor. „Mit dem Umbau“ – so Vogel – „haben wir die einmalige Chance der Philharmonie eine würdige Spielstätte einzurichten. Gleichzeitig wollen wir aber auch eine langfristige Lösung für die städtischen Bibliotheken vorschlagen“

4. April 2008: Die DNN publizieren eine Donsbach-Umfrage: 26% für Umbau in Konzertsaal, 71,9% für Erhalt der Mehrzweckhalle, 3,1% keine Angaben.

5. April 2008: Prof. Heinz Dietrich, Ehrenvorsitzender der Landesärztekammer, und Prof. Manfred Zumpe, Vorsitzender des BDA Dresden, übergeben dem amtierenden OB Dr. Vogel ein Argumentationspapier, das die Möglichkeiten zur Errichtung eines neuen Konzerthauses aufzeigt. Sie erklären, einen seriösen Weg gefunden zu haben, ein solches Konzerthaus zu finanzieren und seien bereit, mit der fachlichen Kompetenz des BDA in Dresden die erforderlichen Aktivitäten kostenlos zu begleiten.

Ungeachtet der Denkmalschutz-Problematik, der Stimmung in der Bevölkerung und ohne genauere Prüfung des Vorschlags einer Bürgerinitiative zum Bau eines Konzerthauses für die beiden Dresdner Spitzenorchester beschließt der Stadtrat am 3. Juli 2008 den Umbau des Kulturpalastes, wonach der Mehrzwecksaal durch einen solchen mit Spitzenakustik als Heimstätte für die Philharmonie – ergänzt durch Stadtbibliothek und Herkuleskeule – ersetzt werden soll. Wenige Wochen später, Anfang September 2008, wird seitens des Ministeriums – nach einer „Bedenkzeit“ von drei Jahren und nachdem man sich aktuell vergewissert hat, wie sich das Landesamt für Denkmalpflege verhalten wird – im Innenministerium der Eintrag in die Denkmalliste bestätigt. Mit dem Stadtratsbeschluss war genügend Druck gegen ein mögliches Veto der Denkmalbehörde aufgebaut. Oder anders ausgedrückt: Die Landeskonservatorin war in die Ecke gedrängt worden, wo man sie am liebsten sieht: in die Ecke der Verhinderer. Die gern benutzte Formel vom „Weiterbauen am Denkmal“ musste herhalten, um von der eigenen Denkmalbegründung vom 30. Juli 2008 abzurücken, in der die Besonderheit des Mehrzwecksaales als integraler Bestandteil des Volkshauscharakters des Gebäudes hervorgehoben worden war.

Letzten Endes stimmt die Denkmalpflege einer Wettbewerbsausschreibung zu, die diesen Grundcharakter, an den sich zugleich eine flexible Nutzungsvielfalt des Hauses knüpft, aufgibt. Neue Wortschöpfungen sind verdächtig. Da ist von einem „Baufenster“ die Rede, ein Begriff, den man bislang allenfalls von der Immobilienwirtschaft her kannte. Hier aber bezeichnet er nun einen Bereich im Gebäude, innerhalb dessen ein Austausch der Säle erfolgen soll. In die Denkmalpflege eingeführt, eröffnet der Begriff ganz neue Perspektiven, sich Baufreiheit zu schaffen und nach Gutdünken mit dem baulichen Erbe umzugehen. Die Kleine Anfrage, die der Abgeordnete Karl-Heinz Gerstenberg (Bündnis90/Die Grünen) am 3. Mai 2011 im Sächsischen Landtag stellt, lässt das halbherzige Agieren der unter politischem Druck stehenden amtlichen Denkmalpflege noch einmal deutlich werden. Mit seiner Fragestellung trifft er zielgenau den wunden Punkt in der Behandlung der denkmalpflegerischen Belange. Die Antwort, wie denn mit dem in der Denkmalbegründung fixierten Aspekt umgegangen werde, dass der Kulturpalast – in der Tradition der Volkshäuser stehend – vor allem eine herausragende kulturgeschichtliche Bedeutung hat, bleibt ihm der Minister schuldig.

3. Juli 2008: Der Stadtrat beschließt mit 43 Ja-Stimmen und 12 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung die „Instandsetzung, Modernisierung zum Umbau des Kulturpalastes im Sinne der Erhaltung als Gemeinbedarfseinrichtung mit dem Hauptnutzungszweck: Konzertsaal Dresdner Philharmonie und Städt. Zentralbibliothek – Bedarfsplanung (Nutzungskonzept)“.

31. Juli 2008: Die endgültige Fassung der Denkmalbegründung, die den Kulturpalast in seiner Gesamtheit als schützenswert ausweist, verfasst von Michael Müller und Dr. Hartmut Ritschel (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen), liegt vor.

25. August 2008: Der Kulturpalast wird nach Abschluss der Bauarbeiten mit einem Tag der offenen Tür wiedereröffnet.

8. September 2008: Vor dem Hintergrund aktuell geführter Gespräche mit dem Staatsministerium des Innern lädt die Oberbürgermeisterin zu einem Abstimmungsgespräch in punkto Kulturpalast ein. Die Landeskonservatorin, Frau Prof. Rosemarie Pohlack, informiert darüber, dass der Kulturpalast auf die Denkmalliste aufgenommen wurde. Maßstab für die Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen in der denkmalgeschützten Bausubstanz müsse eine hohe architektonische Qualität im Sinne eines „Weiterbauens am Denkmal“ sein.

9. September 2008: Die Landeskonservatorin, Frau Prof. Pohlack, bedankt sich bei der Oberbürgermeisterin für das „konstruktive Gespräch“ vom Vortage und informiert, dass für weitere sechs Objekte aus den 1960er und 1970er Jahren die Denkmalwürdigkeit überprüft wurde. Prominentestes Beispiel sei der Kulturpalast, von dem bisher nur das Wandbild. „Der Weg der roten Fahne“ an der Schlossstraße geschützt war. Rosemarie Pohlack führt aus: „Bei einer vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz am 18. April 2007 in Berlin veranstalteten Tagung unter dem Motto ‘1960 plus – ein ausgeschlagenes Erbe?’ hatten wir Gelegenheit, die Denkmaleigenschaft des Kulturpalastes im bundesweiten Vergleich zu erörtern. Wir sind in unserer Auffassung einhellig bestärkt worden.“ Sie verweist auf den Protokollband der Tagung.

23. September 2008: Pressemitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen (Frau Prof. Pohlack): „Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen hat am 10.09.2008 die Landeshauptstadt Dresden über die Ausweisung des Kulturpalastes Dresden als Kulturdenkmal informiert. Die herausragende Qualität des Kulturpalastes manifestiert sich wesentlich in der Durchdringung von innerer funktionaler Struktur und äußerem Erscheinungsbild. So wird der mittlere Konzertsaal durch die polygonale Dachhaube nicht nur sichtbar, sondern auch symbolisch nach außen getragen. Der im Grundsystem axialsymmetrisch aufgebaute Kulturpalast zeichnet sich mit seinen raumgreifenden, lichtdurchfluteten Foyers, dem zentralen Saal, den spiegelgleich konzipierten ‘Schmetterlingstreppenhäusern’ und den seitlichen Funktionsbereichen durch eine klare Gliederung und Funktionalität aus. Ergänzt durch den bildkünstlerischen Schmuck wird das Bauwerk als großartiges Dokument der deutschen Nachkriegsmoderne sowohl von Fachkreisen als auch von einer breiten Öffentlichkeit sehr geschätzt. Die von der Stadt Dresden geplanten baulichen Veränderungen im Innenbereich des Kulturpalastes hält das Landesamt für Denkmalpflege für grundsätzlich möglich. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit dem LfD. Mit den betroffenen Ämtern der Stadtverwaltung – Hochbauamt und Kulturamt – wurden die Wettbewerbsunterlagen erörtert und die denkmalpflegerischen Belange eingearbeitet.“

23. September 2008: Die DNN berichten: Kulturpalast unter Denkmalschutz. LfD darf bei Umbauplänen mitreden. „Die Denkmaleigenschaft des Kulturpalasts ist seit Jahren bekannt, wurde aber erst jetzt im Innenministerium bestätigt“. Inwieweit sich der Status auf die Umbaupläne auswirken werde, stehe nach Aussagen des Kulturbürgermeisters Lutz Vogel noch nicht fest. „Das Landesamt für Denkmalpflege ist jetzt in die Beratungen für den Umbau einbezogen. Man sei aber noch nicht in dem Stadium, dass über Details gesprochen werde.“

25. September 2008: Die SZ berichtet: Die Verleihung des Denkmalstatus des Dresdner Kulturpalastes stößt in der Kommunalpolitik auf geteiltes Echo. Die FDP sieht den Umbau zu einem reinen Konzertsaal gefährdet. Die Grünen sprechen von einer „Chance für den Kulturpalast“. Es sei Fingerspitzengefühl der Architekten gefragt, so Grünen-Stadtrat Thomas Trepte. Holger Zastrow erhebt schwere Vorwürfe an die Adresse des Landesamtes. Die Behörde habe den Kulturpalast in einer handstreichartigen „Nacht- und Nebelaktion“ unter Schutz gestellt und so den geplanten Umbau des Veranstaltungssaals in einen hochwertigen Konzertsaal gefährdet. Zastrow betont ferner, es müsse der Kulturpalast auch äußerlich umgestaltet werden. Man könne einem Weltklasseorchester nicht zumuten, „in einem Gebäude zu spielen, dass inzwischen höchstens auf Kreisliganiveau ist.“

Oktober 2008: Die Stadt lobt auf der Grundlage des Stadtratsbeschlusses vom 3. Juli 2008 zum Umbau des Kulturpalastes einen Wettbewerb aus. Im Vorfeld betont die Oberbürgermeisterin, denkmalpflegerische Konflikte werde der Umbau nicht mit sich bringen. Mit Nachdruck behauptet sie: „Es gab sie nicht und es gibt sie nicht.“

10. Dezember 2008: Von den 80 Büros, die sich für den europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb gemeldet haben, werden 40 Büros ausgewählt bzw. ausgelost, denen die Unterlagen zugeschickt werden.

21. März 2009: Passend zur aktuellen Debatte findet im Mehrzwecksaal des Kulturpalastes die Premiere des Dokumentarfilms „Was bleibt?“ zur Architektur der 60er und 70er Jahre statt. Rund 1.000 Menschen fanden sich ein, um den Film der Architekturhistorikerin Susann Buttolo und des Filmemachers Ralf Kukula zu sehen. Im Film findet der Saal mit Kippparkett und der Spezialorgel besondere Würdigung.

23. März 2009: Die Dresdner Neueste Nachrichten berichten unter dem Titel „Denkmalpflege positioniert sich zu Kulturpalast“, es werde der Kulturpalast von Fachkreisen als auch von einer breiten Öffentlichkeit als „großartiges Dokument der Nachkriegsmoderne geschätzt“. Seine herausragende Qualität sei „wesentlich“ von „der Durchdringung von innerer funktionaler Struktur und äußerem Erscheinungsbild“ bestimmt. So stehe es in der Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen für den geplanten Umbau des Hauses. Eingriffe in das innere Baugefüge seien deshalb auf das notwendige Maß zu beschränke. Für Foyers und Doppeltreppenhäuser, auch Schmetterlingslösung genannt, fordere die Denkmalpflege Bestandsschutz. Und weiter werde darauf verwiesen: Als Hauptattraktion galt von Beginn an der Mehrzwecksaal, dessen Polygon-Form sich in der Dachbekrönung fortsetzt. Zu dieser Besonderheit bekennt sich das Landesamt im Grundsatz ebenfalls. So soll der neue Konzertsaal zwar akustisch verbessert werden, aber innerhalb der alten Fläche entstehen. Darüber hinaus sei zu prüfen, ob auch prägende Strukturen und Ausbauteile des historischen Saales integriert werden können, formulieren die Denkmalpfleger Steffen Dörfel und Ulrich Hübner.“

7. April 2009: SPD und Linke präsentieren das vorläufige Ergebnis einer wenige Wochen zuvor gestarteten Aktion zum Erhalt des Kulturpalastes und dem Bau eines Konzerthauses: 10.445 Unterschriften.

29. April 2009: Öffentliche Veranstaltung der IG „Neues Konzerthaus – Erhalt Kulturpalast“ im Rundkino Dresden. Die Landeskonservatorin Frau Prof. Rosemarie Pohlack (LfD Sachsen) schwärmt vom Innenleben des Kulturpalastes. Sie vergleicht das Kipp-Parkett mit dem Trittbrett einer Nähmaschine.

18. Juni 2009: Der Siegerentwurf des Berliner Büros Gerkan, Marg & Partner wird vorgestellt. Er schlägt vor, statt des Mehrzwecksaals einen Konzertsaal in „Weinberg“ Form einzubauen, dessen beeindruckende, aber deutlich aufgeweitete Perspektive die Philharmonie in einer Hochglanzbroschüre in Umlauf bringt.

18. Juni 2009: Wolfgang Hänsch erhält die Ehrendoktorwürde der TU Dresden. Anwesend sind u.a. der Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau und die Landeskonservatorin Prof. Rosemarie Pohlack. Der Rektor der Universität, Prof. Kokenge, nimmt das Ereignis zum Anlass, um in seiner Rede auf die unwürdigen Vorgänge zum Umbau des Kulturpalastes zu verweisen: „Eine besondere und nachhaltige Beziehung des Promovenden zu unserer Alma Mater entwickelte sich aus der Zusammenarbeit mit unserem hochverehrten Emiritus Prof. Dr. h. c. Wiel [...]. Wiel hatte beim Wettbewerb ,Kulturpalast Dresden‘ entgegen den Vorstellungen des Auslobers, der einen hohen alles überragenden Turmbau wünschte, einen niedrigen, ganz modernen Flachbau mit einer bekrönenden Kuppelschale eingereicht. Nach vielen ideologischen und architekturtheoretischen Auseinandersetzungen kam es zum Glück für die Stadt Dresden zu der Entscheidung, diesen damals sensationellen Entwurf zu verwirklichen. Wolfgang Hänsch wurde als Chefarchitekt mit der Planung dieses bedeutenden Bauwerkes betraut und zwischen ihm und Leopold Wiel als Berater entfaltete sich eine außerordentlich fruchtbare Zusammenarbeit, in deren Verlauf beide sehr gute Freunde wurden. Viele, die sich mit Wolfgang Hänsch und seinem Werk verbunden fühlen, beklagen die z.Zt. vorliegenden Beschlüsse, die einen rigorosen Umbau mit gravierenden Veränderungen seines unter Denkmalschutz stehenden Kulturpalastes zum Ziel haben, ohne die Grundsätze denkmalpflegerischen Handelns und die Belange des Urheberrechts zu respektieren.“

17. November 2009: Im Verlaufe eines heißen Herbstes, in dem sich die Stadt den massiven Protesten derer ausgesetzt sieht, die den Kulturpalast als Stätte der Unterhaltungskunst erhalten und ein neues Konzerthaus bauen wollen, wird im Rahmen des George-Bähr-Forums beschlossen, eine Stiftung einzurichten, die 40 Millionen Euro für den Bau und die Betreibung eines Konzerthauses mit großem Saal und Kammermusiksaal einwerben soll. Dazu gründet sich am 1. Dez. 2009 der Förderverein Konzerthaus-Stiftung Dresden e.V., dessen Vorsitz Prof. Hartmut Haenchen übernimmt.

11. Dezember 2009: Der Stadtrat beschließt mit den Stimmen von CDU, FDP, Grünen und Bürgerfraktion die Vergabe erster Planungen zum Umbau des Kulturpalastes. SPD und Linke übergeben 17.000 Unterschriften von Bürgern, die sich gegen den geplanten Umbau aussprechen.

6. Oktober 2010: Der Verein Dresdens Erben e.V. übergibt dem Hausherrn vor den Bronzetüren des Kulturpalastes eine Denkmalplakette. Anlässlich des 41. Jahrestages seiner der Eröffnung verweist er damit offiziell auf den Tatbestand, dass der Kulturpalast ein eingetragenes Baudenkmal ist.

9. November 2010: Der Architekt des Kulturpalastes, Wolfgang Hänsch, reicht eine Klage gegen das von der Stadt betriebene Umbauprojekt ein. Er drängt vor Gericht auf einen Bau- und Planungsstopp. „Ein funktionsfähiger Mehrzwecksaal wird zerstört, um einen Konzertsaal zu errichten. Das ist ein frevelhaftes Unternehmen“, sagte der Architekt der Agentur dpa. Er spricht von einer „unzulässigen Entstellung seines urheberrechtlich geschützten Werkes“. Die Stadt wolle einen „Schildbürgerstreich“ begehen.

23. Februar 2011: Der Verein Dresdens Erben veranstaltet von diesem Tag an jeweils mittwochs einen „Treffpunkt Kulturpalast“, auf dem über die Vorgänge in Sachen Umbau des Kulturpalastes informiert und die Meinung der Bürger gehört werden soll.

23. Februar 2011: Die Stadt informiert über die neuesten Planungen zum Umbau des Kulturpalastes. Hervorgehoben wird vom Projektverantwortlichen Roland Müßig, dass die Eingriffe in die Bausubstanz weniger drastisch ausfallen als bislang geplant. So sollen die Bronzetüren und vor allem ein hoher Anteil der Fassade denkmalgerecht erhalten werden. Die Kosten bewegten sich – laut Finanzminister Vorjohann – mit 70,5 Millionen Euro im vorgesehenen Rahmen. Inzwischen habe das Land 35 Millionen Euro aus Fördermitteln über das Operationelle Programm des Freistaates Sachsen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) in Aussicht gestellt. Eine schriftliche Zusage gäbe es noch nicht. Es werden Zweifel laut (Kris Kaufmann, Linke), ob das Projekt die EFRE-Kriterien erfüllt. Der Kulturpalast läge weder in einer Brache noch in einem unterentwickelten Viertel. Zudem neige sich die 2007 gestartete Förderperiode bereits dem Ende. Die Betriebsgenehmigung für den Kulturpalast erlischt Ende 2012. Von 2013 bis Mitte 2015 – es ist der Zeitpunkt, bei dem die Stadt beim Fördermittelgeber abrechnen muss – soll das Gebäude nach der vorliegenden Konzeption umgebaut werden.

10. März 2011: Der Verein Dresdens Erben startet eine Petition, die den Erhalt des Kulturpalastes mit seinem vielseitig nutzbaren Mehrzwecksaal fordert. Bis zur Einwohnerversammlung am 21. März sollen 1.000 Unterschriften gesammelt werden.

21. März 2011: Auf einer Einwohnerversammlung wird der Stand des Projektes zum Kulturpalast vorgestellt. Anselm Rose schwärmt von einem neuen „Palast der Kulturen“, der sich mit erstklassigen Sälen weltweit messen lassen könne. Auch die weiteren Mitnutzer loben das Projekt in hohen Tönen, wobei kein Vertreter der Unterhaltungskunst anwesend ist. Aus dem Publikum vorgetragene Bedenken hinsichtlich des Eingriffes in ein Baudenkmal, dessen Grundcharakter sich weitgehend aus der gegebenen Funktion bestimmt, zerstreut der Kulturamtsleiter Manfred Wiemer mit der prinzipiellen Aussage, wenn für ein Gebäude eine Nutzung gefunden ist, die wirtschaftlich ist und auf „architektonisch höchstem Niveau” umgesetzt wird, sei dem Denkmalschutz Genüge getan. Jana Knauth vom Verein „Dresdens Erben” übergibt dem amtierenden OB Hilbert eine Petition mit rund 1.000 Unterschriften, mit dem Ziel der Rücknahme des Stadtratsbeschlusses von 2008 zum Umbau des Kulturpalastes mit dem Hauptnutzungszweck „Konzertsaal Dresdner Philharmonie und Städtische Zentralbibliothek“ und den unverzüglichen Anschub eines bisher nicht erfolgten Abwägungsprozesses.

24. März 2011: Der Stadtrat bestätigt mit deutlicher Mehrheit der Stimmen von CDU, FDP, Grünen und Bürgerfraktion die Vorplanung (Leistungsstufe 2) zu „Instandsetzung, Modernisierung und Umbau des Kulturpalastes im Sinne der Erhaltung als Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtung mit Hauptzweck Konzertsaal der Dresdner Philharmonie …“ als Grundlage für die nächste Planungsstufe.

3. Mai 2011: Die für diesen Tag vorgesehene Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in Leipzig in Sachen „Urheberrechtsklage Wolfgang Hänsch“ wird abgesagt. Wegen einer Störung im Computersystem hätten die Vorbereitungsarbeiten nicht abgeschlossen werden können.

3. Mai 2011: Der Abgeordnete Karl-Heinz Gerstenberg (Bündnis 90/Die Grünen) richtet eine Kleine Anfrage an die Staatsregierung zur Bedeutung der denkmalschutzrechtlichen Aspekte beim Umbau des Kulturpalastes. Er bezieht sich auf die Denkmalbegründung des Landesamtes für Denkmalpflege vom 31. Juli 2008, derzufolge der Kulturpalast als eigenständiges Zeugnis der Nachkriegsmoderne neben seiner architekturgeschichtlichen und städtebaulichen auch eine herausragende kulturgeschichtliche Bedeutung besitze. Er stehe in der Tradition der Kulturhäuser aus der Zeit um 1900 und den 1920er Jahren und verbinde die Funktionen Bildung Kultur, Erholung, Politik in einem Haus. Unter diesem Vorzeichen ergeben sich für ihn die Fragen,

  • inwieweit die Unterschutzstellung und die Genehmigung der Umbaupläne im Einvernehmen mit den Denkmalbehörden erfolgte,
  • seit wann die Denkmalinstitutionen in die Abwägungen zwischen Sanierung und akustischer Ertüchtigung und Umbau des Kulturpalastes einbezogen wurden,
  • inwieweit der Kulturpalast in seiner jetzigen Form und Zweckbestimmung bzw. unabhängig von Form und Zweckbestimmung einzig als Funktionselement des Gebäudetypus Kulturpalast bei der Unterschutzstellung als wesentlicher (integraler) Bestandteil des Denkmals Kulturpalast betrachtet worden ist,
  • aufgrund welcher Kriterien bzw. Abwägungen und unter welchen Auflagen die Umbaupläne für zustimmungswürdig erachtet wurden,
  • inwieweit die geplanten Umbaumaßnahmen den kulturhistorischen Denkmalwert des Kulturpalastes schmälern, mit dem besonderen Augenmerk auf die Pläne zum neuen Konzertsaal und die Eingriffe in die Struktur des Kellergeschosses durch den Einbau der Herkuleskeule und die Heranführung der Fensterbänder an die Balkonunterseite.

30. Mai 2011: Auf die Kleine Anfrage antwortet der Staatsminister des Inneren Markus Ulbig. Er stellt seinen Antworten die von Karl-Heinz Gerstenberg sehr prägnant herausgearbeitete Bewertung des Denkmals Kulturpalast voran, die insbesondere auf den kulturhistorisch bedeutenden Charakter des Volkshauses verweist und führt aus:

  • Die Unterschutzstellung erfolgte im Einvernehmen mit den Denkmalämtern. Eine Bewertung und denkmalschutzrechtliche Zustimmung könne erst erfolgen, wenn – nach Abschluss der Umbauplanungen – die Antragsunterlagen eingereicht werden.
  • Es sei das LfD in einer Beratung vom 8. September 2008 über die Abwägung zwischen Sanierung und Neubau unterrichtet worden. Von diesem Zeitpunkt an seien das LfD und die Untere Denkmalschutzbehörde eng in die Vorbereitung der Umbauplanung einbezogen worden (Vorbereitung und Durchführung des Wettbewerbs). Bereits im Rahmen der Unterschutzstellung wurden die von der Landeshauptstadt Dresden geplanten baulichen Veränderungen im Innenbereich des Kulturpalastes grundsätzlich für möglich erachtet.
  • Nach Einschätzung des LFD sei die Durchdringung von innerer Funktionalität und äußerem Erscheinungsbild bewahrt. Der mittlere Konzertsaal werde nicht nur symbolisch, auch sichtbar durch die polygone Dachhaube nach außen getragen. In Fachkreisen und in der breiten Öffentlichkeit gelte der Kulturpalast wegen seiner klaren Gliederung und Funktionalität als Dokument der deutschen Nachkriegsmoderne. Beides schlage sich in den lichtdurchfluteten Foyers und den spiegelgleich angeordneten Treppenhäusern nieder, die erhalten bleiben.

1 Als Quellen für diese Chronk dienten die Akte „Dresdner Kulturpalast“ im Archiv des LfD Sachsen, „Planungen zum Kulturpalast 1990–2007“, verfasst von Hermann Henke am 5. Januar 2008 (Manuskript) sowie die betreffenden Ausgaben des Dresdner Amtsblattes und die zitierten Zeitungsbeiträge.

2 vgl.: Hartmut Rietschel: Vom Haus der sozialistischen Kultur zum Kulturpalast Dresden – Metamorphosen eines Bauwerks. In: Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. Bonn: 2008, Bd. 73, S. 26-30

Dieser Artikel wurde zuletzt am 29.08.2011 aktualisiert.
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