Offener Brief

Mittwoch, 1. Juni 2011

Sehr geehrte, liebe Besucherinnen und Besucher,

es bleibt unsere Pflicht als Dresdner Bürger, auf das mehrfache Unrecht hinzuweisen, das mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke begangen wird:

Die Brücke wird ohne gesicherte Rechtsgrundlage gebaut. Ihre Fertigstellung wird energisch vorangetrieben, obwohl weit reichende natur- und artenschutzrechtliche Eingriffe noch Gegenstand einer juristischen Klärung sind. Ein abschließendes Gerichtsurteil steht noch aus.

Die Verantwortlichen der Öffentlichen Hand erlauben es sich, in Zeiten einer dramatischen Finanzknappheit, in denen äußerste Sparsamkeit und eine besonders verantwortungsbewusste Ausgabensorgfalt geboten sind, ein Bauprojekt mit dem Kostenvolumen eines dreistelligen Millionenbetrages auszuführen, für das bisher noch keine endgültige Rechtssicherheit besteht und das infolgedessen als Risikounternehmen zu gelten hat. Für den Fall, dass die Gerichtsbarkeit das Bauprojekt als widerrechtlich bewertet und der Brückenbau abgetragen werden muss, hätten die Bürger dafür aufzukommen, da Vertreter der Öffentlichen Hand für Schäden die sie anrichten, in der Regel keine persönliche Verantwortung übernehmen müssen.

50.000 Dresdner haben in einem zweiten Bürgerbegehren gegen den Bau der Brücke gestimmt und versucht, den ersten Bürgerentscheid, der ein Votum für den Brückenbau erbrachte, zu korrigieren. Die Bürger haben ein zweites Bürgerbegehren in Gang gebracht, nachdem sie festgestellt hatten, dass sie vor dem ersten Bürgerentscheid in wesentlichen Punkten nur unvollständig informiert wurden. Unter anderem waren sie im Unklaren darüber belassen, dass der Bau dieser Brücke zur Aberkennung des UNESCO-Welterbetitels führen würde. Dieses zweite Bürgerbegehren wurde aus angeblichen Verfahrensfehlern jedoch für ungültig erklärt und der Bürgerwille in dieser Weise grob missachtet.

Ein unvoreingenommener Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen dem Brückenbau und allen alternativ denkbaren Varianten einer Tunnellösung wurde nicht zugelassen. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass es Tunnelvarianten gibt, die kostengünstiger sind als der Brückenbau. Mit einem Tunnel hätten nicht nur öffentliche Gelder gespart werden können, sondern der Stadt Dresden wäre auch der wichtige UNESCO-Welterbetitel erhalten geblieben – und der Menschheit das Weltkulturerbe Dresdner Elbtal.

Frau Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, ehemals Inhaberin der „UNESCO Professur für Völkerrecht, Recht der Europäischen Union und Internationale Beziehungen“ an der Technischen Universität Dresden, heute Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, bezeichnete den Bau der Waldschlösschenbrücke als „einzigartigen Akt der kulturellen Selbstverstümmelung“.

Dem stimmen alle kulturverbundenen Bürger zu, Sie auch?

Wir wünschen ihnen einen schönen Aufenthalt in der Stadt, die uns allen so sehr am Herzen liegt!

Ihre Dresdner Welterbebewegung

Dieser Artikel wurde zuletzt am 01.06.2011 aktualisiert.
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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Als engagierter Freund der unverbauten Dresdner Elbauenlandschaft stimme ich dem offenen Brief zu.

    … schrieb Christian Stichel am Donnerstag, dem 02.06.2011, um 11:42 Uhr.

  2. Als engagierter Freund der Waldschlößchenbrücke und Bürger Dresdens lehne ich offenen Brief entschieden ab.

    Beobachtung am Rande des Kirchentages:

    Wir hatten einen Freund zu besuch aus Sibu. Wir kamen auf die Brücke zu sprechen. Unser Freund fragte, ob der Bau schon begonnen habe, da er ga keine Brückenbaustelle gesehen hat.

    Eine folge der falschen, Halbwahrheiten enthalltenden Berchterstattung.

    … schrieb Marin am Montag, dem 06.06.2011, um 09:07 Uhr.

  3. @Marin

    Wieso lehnen Sie denn nun den offenen Brief ab?
    Weil Ihr Gast die tatsächlich vorhandene Baustelle nicht gesehen hat?

    Dass es ansonsten in der Berichterstattung zur Waldschlösschenbrücke oftmals nichts mit der Wahrheit zu tun hatte, da stimme ich Ihnen zu.

    Z.B. wissen noch heute etliche Brückenfans nicht, dass man nur durch einen Tunnel auf die Waldschlösschenbrücke rauf und runter kommt, durch den man z.B. nicht mit dem Fahrrad fahren kann, in dem man nicht nach links abbiegen kann – mit Folgen für die Verkehrsführung besonders von und nach Bühlau und dass lt. Planfeststellung zur Waldschlösschenbrücke 20000 Kfz über die Brücke fahren werden, die zuvor auf keiner anderen Dresdner Brücke gefahren sind – die damit die Gefahr der Umweltzone erhöhen, zumal ja der Freistaat das Jobticket boykottiert, mit dem echt Stau und dadurch erzeugte Luftverschmutzung in Dresden hätte eingespart werden können.

    Bezahlt dann eigentlich der Freistaat die Millionen an Strafe an die EU, wenn Dresden wegen dem Jobticket-Boykott, wegen der vom Freistaat durchgesetzten 20000 überflüssigen Fahrzeuge auf der WSB und der angeblich nur 4-spurig förderfähigen Königbrücker die Luftgrenzwerte nicht einhalten kann?

    … schrieb Silvia am Montag, dem 06.06.2011, um 22:53 Uhr.

  4. Wieso lehnen Sie denn nun den offenen Brief ab?

    Die Sachgründe für oder gegen die Brücke sind zur Genüge ausgetauscht, so dass sich jeder selbst eine Meinung bilden kann. Die Gründe, warum ich einen Tunnel für unrealistisch halte, sind im Wesentlichen hier aufgelistet:
    http://www.neue-waldschloesschenbruecke.de/tunnel/tunnel.htm

    Auch lehne ich den offenen Brief ab wegen der maßlosen Überheblichkeit in diesem Satz: Dem stimmen alle kulturverbundenen Bürger zu…

    Ansonsten ist es Ihnen gut gelungen, mir das “Wort im Munde” umzudrehen. Es dürfte ja wohl klar sein, dass ich mit der von mir aufgeschriebenen Begebenheit deutlich machen wollte, dass mein Freund aus Sibiu wegen der Berichterstattung der Meinung war, dass die WSB keine 100 Meter von der Frauenkirche entfernt ist.
    Ähnliches ist auch hier zu lesen:
    http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2780830

    … schrieb Marin am Dienstag, dem 07.06.2011, um 12:26 Uhr.

  5. @Marin
    Also ich finde es tragisch, dass Sie sich gerade unkritisch von
    http://www.neue-waldschloesschenbruecke.de/tunnel/tunnel.htm leiten lassen.
    Die Seite strotzt nämlich nur so von Behauptungen, die entweder von den Dokumenten auf der eigenen Webseite oder den Dokumenten auf http://www.welterbe-erhalten.de/der-tunnel-als-alternative widerlegt werden.
    Auch die Planfeststellungszeichnungen in der Präsentationsdatei http://www.momocat.de/Vortrag_Tunn_klein.pdf (pdf-Datei, 1.419 kB)
    widerlegen z.B. die Behauptungen, wo lt. CDU-Tunnelflyer die Elbtunnelausgänge angeblich sein müssten. Der CDU-Tunnelflyer erzählt reine Gruselmärchen, die keiner fachlichen Prüfung standhalten, indem eine nicht erforderliche Tunnelsteigung als Muß angegeben wird. Die Tunnelbaufirma BUNG (Gutachten auch auf der Pro-WSB-Website) hat sowohl die im Auftrag der Stadt erstellte Tunnelstudie von EIBS2003 aus der Planfeststellung der WSB als auch die Optimierungen dafür von der Tunnelbaufirma ILF bestätigt, was bereits vor Gericht verhandelt und vom Gericht anerlkannt wurde.

    Also, Sie sind der Meinung dass wirklich kulturverbundene Bürger einer Zerstörung eines kultuerellen Erbes wie des über Jahrhunderte von kulturverbundenen Bürgern beschützten, gemalten, besungenen Waldschlösschenblicks zugestimmt hätten? Das halte ich für einen Widerspruch in sich.

    Ich halte Ihnen zu Gute, dass Sie wahrscheinlich genau wie die im SZ-Artikel beschriebenen Bürger nicht wissen, welche Bedeutung gerade der Waldschlösschenblick über die Jahrhunderte für die Dresdner und deren Gäste hatte – denn auch das ist der lückenhaften Berichterstattung zum Opfer gefallen. Sonst hätte man ein Welterbe schwer für verzichtbar erkären können – wie es die Ministerpräsidenten von Sachsen getan haben – entgegen ihrer Selbstverpflichtung das Welterbe nach Kräften zu schützen. Aber auf http://www.elbtunnel-dresden.de gibt es mehrere Beiträge, die das erklären, wenn Sie als kulturverbundenen Bürger das interessiert.

    Das mit den 100m beruhigt mich, ich dachte schon, Ihr Gast hat die WSB entsprechend dem Antrag auf das Welterbe 5km Flußab vom Zentrum gesucht. Ok. Ich habe den Spieß rumgedreht – absichtlich, weil offensichtlich auch Sie ein Opfer von Halbwahrheiten und Schlimmerem sind, die von den Machern der von Ihnen zitierten Website auch heute noch verbreitet werden. Aber manche sehen ja den Splitter im Auge des anderen, nur den Balken im eignen Auge nicht.

    … schrieb Silvia am Dienstag, dem 07.06.2011, um 18:00 Uhr.