Eitelkeiten und Macht

Donnerstag, 30. Juni 2011

von Margita Herz

Der Kulturpalast soll ein halbes Jahr früher geschlossen werden, bereits im Sommer 2012. Die Stadt will beides „durchziehen“, Kulturkraftwerk und Kulturpalast. Das Kulturkraftwerk ist eine gute und wichtige Entscheidung, hier kann nicht nur etwas für die Kultur getan werden, das Areal ist auch für die Stadtentwicklung wichtig. Der Umbau des Kulturpalastes zum reinen Konzertsaal ist eine falsche Entscheidung, weil ein funktionierendes Gebäude, das mehrheitlich für die „Heitere Muse“ genutzt wird, eine elitäre Nutzung erhält und demnach als multifunktionales „Volkshaus“ nicht mehr taugt. Die Besucher von Shows werden künftig auf die harten Stühle in die Messe verfrachtet. Nun schon im Sommer 2012. Das sind immerhin 200.000 Besucher im Jahr.

Der Kulturpalast wird nach dem Umbau vor allem von den 90.000 Besuchern der Philharmonie genutzt. Diese Zahlen lassen bereits erahnen, dass die Betriebskosten nach dem Umbau des Kulturpalastes für den Konzertbereich steigen werden, denn die Philharmonie erwirtschaftet naturgemäß wenig Einnahmen. Kosten spielen aber keine Rolle, die Steuerzahler zahlen es. Die Stadt will es so.

Wer ist aber die Stadt? Wenn man genau hinschaut, sind es 2-3 „Macher“. Da spielen Eitelkeiten und Macht mit, man will sich ein „Lebenswerk“ schaffen, mit großen Architekturbüros arbeiten, man hat sich das 2008 ausgedacht und will nun daran festhalten. Ausbaden müssen es die Bürger und vor allem hierbei die CDU-Politiker, die Spielball dieser Verwaltungs-Machenschaften sind. Sie haben es nur noch nicht gemerkt.

BM Vorjohann ist schon lange der eigentliche OB. Mit der „Haushaltskeule“ kann er jeden Bürgermeister in Schach halten. Auch die Abgeordneten, denn wer kann schon hinter das Zahlenwerk schauen? Sie müssen glauben, was Vorjohann erzählt. Und wenn er sich zigmal widerspricht, sie können es nicht besser wissen. Er kann mit ihnen machen, was er will. Sein kulturpolitischer Verstand und sein politischer Weitblick scheinen begrenzt. Egal. Er sitzt fest im Sattel, hat mit den Wahlen 2014 nichts zu tun. Die „Suppe“ von Entscheidungen, die vornehmlich von der Verwaltung erarbeitet werden, löffelt immer die Politik aus. Die Stadt Dresden hat das nicht verdient. Und somit muss man dagegen halten, auch als CDU-Mitglied. Bürgerinitiativen, die Fachwelt und der Architekt Wolfgang Hänsch kämpfen seit mehr als drei Jahren gegen den Kulturpalast-Umbau.

Am 2. Juli wird sich entscheiden, was die CDU künftig tut. Sie wählt einen neuen Kreisvorstand. Ein „weiter so“ kann es nicht sein, denn dann riskiert sie schon ab Sommer 2012 eine Revolte der Besucher der „Heiteren Muse“, wenn die merken: sie müssen künftig für immer auf die harten Stühle der Messe.

Andererseits ist Dresden eine Musikstadt, die weiter entwickelt werden kann. Dazu sind strategisch die richtigen Entscheidungen zu treffen und das gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen. Dresden ist Landeshauptstadt. Dass die Stadtverwaltung kaum Kontakte zur Landesverwaltung gerade in Fragen der Kultur pflegt, ist symptomatisch. Dresden hat große Möglichkeiten, vor allem aus dem Musikpotential auch wirtschaftlich mehr zu machen. Der internationale Konzert-Tourismus geht an Dresden im Wesentlichen noch vorbei. Kluge Konzepte rechnen sich letztendlich. Es liegt alles auf der Hand. Es geht aber nur gemeinsam mit Stadt und Land. Ob das mit BM Vorjohann möglich wird, ist fraglich. Bleibt nur die Hoffnung, dass die gewählten Vertreter der CDU die Zusammenhänge erkennen und endlich handeln.

Margita Herz ist Mitglied der CDU Dresden. Sie engagiert sich seit Jahren für eine Sanierung des Kulturpalastes. Ihr Artikel nimmt Bezug auf den Beitrag „Kosten berechnen, nicht schätzen“ in der SäZ vom 25./26.06.2011.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.10.2012 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Der Beitrag “Kosten berechnen, nicht schätzen” von Denni Klein ziert heute die Titelseite der freitagsSZ. Also wen dieser Kommentar zum Umbau des Kulturpalastes interessiert, sollte sich ein irgendwo kostenlos herumliegendes Exemplar ergattern, falls er es nicht in seinem Briefkasten findet.
    Auch auf SZ-Online ist dieser Artikel zu finden auf der Stadtseite vom 25.06.2011, leider kostenpflichtig.

    Nur kostenpflichtig online komplett zu lesen aber nicht in der freitagsSZ ist auch ein Beitrag auf der Kulturseite vom 29.06.2011 der folgendermaßen lautet:

    “Das Land löst ein gutes Orchester auf

    Die Landesbühnen werden 2012 privatisiert. Dann gibt es nur noch ein Orchester im Elbtal – das Angebot an Musik halbiert sich.
    Das gab es im Freistaat Sachsen noch nie. Obwohl die Wirtschaft floriert und die Steuereinnahmen sprudeln, schließt das Land ein leistungsfähiges Orchester – es will zwei Millionen Euro jährlich sparen. Dazu werden im Juli 2012 der Klangkörper der Landesbühnen aufgelöst und das Theater in eine GmbH umgewandelt.

    Das sieht ein Konzept des Kunstministeriums vor. Gestern übergab es sein Ideenpapier dem Landtag…”

    Der Online-Beitrag unterscheidet sich inhaltlich vom gleich titelnden in der gedruckten Ausgabe. In letzterem war davon die Rede, wie die Fachleute gegen die Auflösung dieses Orchesters Sturm gelaufen sind.

    Daraus würde ich schließen, dass man auf das Land tatsächlich nicht bauen kann, was die Erhaltung der Musikkultur in Sachsen und Dresden anbetrifft. Im Gegenteil, die würden glatt Dresden gegen das restliche Land ausspielen und das ohne wirtschaftliche Not.
    Anscheinend ist das Drama mit der Waldschlösschenbrücke wirklich nur der Anfang des kulturellen Abbaus in Sachsen – ein Anfang, bei dem die CDU viel kulturellen Sachverstand aus der Partei herausgeekelt hat (Prof. Haenchen z.B.).

    Um so mehr ist es zu begrüßen, dass CDU-Mitglieder wie Margita Herz den Kampf um die Kultur in ihrer Partei noch nicht aufgegeben haben. Ich wünsche ihr dabei Kraft und Erfolg und möglichst viele Verbündete.

    … schrieb Silvia am Freitag, dem 01.07.2011, um 15:44 Uhr.