Wohnen am Wasser?

Montag, 25. April 2011

von Thomas Löser

Wohnen am Wasser? Wohnen mit Blick auf die zauberhafte Dresdner Stadtsilhouette? Wohnen am Hafen in Pieschen? Wer möchte dies nicht?

Nachdem es in den frühen neunziger Jahren große Träume für die Entwicklung des Gebietes in der Leipziger Vorstadt gab, ist bis auf riesige Betonfundamente und einige Bauschilder nichts geworden. Es versank in einen Dornröschenschlaf, der allerdings nicht 100, sondern nur 15 Jahre währte. In den letzten Jahren verirrten sich einige Prinzen wie City Beach, Purobeach, das CVJM Hafenschiff, das Eselsnest, der Freiraum e.V., die Galerie zanderkasten oder der Alte Schlachthof in das Gebiet und leisteten mit kreativem Wachküssen Aufbauarbeit. Auch durch den Elberadweg ist das Gebiet gut erschlossen und wartet sozusagen nur auf eine größer gefasste Urbanisierung.

Entlang der Leipziger Straße soll in den nächsten Jahren der neue Stadtteil, die „Hafencity Dresden“, gebaut werden. Dieses ambitionierte Vorhaben stellt für die Stadtplanung und für die Stadtgesellschaft Dresden eine große Herausforderung dar. Die neue Dresdner „Adresse am Wasser“ wird das größte zu entwickelnde innerstädtische Areal der näheren Zukunft werden. Insofern ist es wichtig, die Qualität der entstehenden Siedlung, die sich an städtebaulichen, architektonischen aber auch freiplanerischen und energetischen Standards bemisst, frühzeitig – und öffentlich – zu diskutieren.

Der seitens der Stadtplanung Dresden aufgestellte Masterplan bietet dafür gute Voraussetzungen. Er fordert für das Gebiet eine hochwertige Bebauung, was auch an ökologischen Standards fest gemacht werden soll. Wohnbebauung, kleinteiliger Einzelhandel, Gewerbe, kulturelle Nutzung, Institute und ein hochwertig gestalteter öffentlicher Raum sind die Eckpunkte der angestrebten Entwicklung. Eine Grün- und Kulturspange soll das Areal weiträumig gliedern. Wie wichtig es ist, frühzeitig diese Vorgaben im Planungsprozess zu beachten, zeigt die aktuelle Diskussion um die Ansiedlung des Globus Marktes in der Leipziger Vorstadt auf dem Gelände des ehemaligen Leipziger Bahnhofes: Das Vorhaben wird entgegen dem im Stadtrat einstimmig beschlossenen Masterplan geplant. Es verstößt eklatant gegen das ebenfalls einstimmig verabschiedete Zentrenkonzept – welches die Innenstadt und die Ortsteilzentren bürgerfreundlich im Sinne einer Stadt der kurzen Wege entwickeln soll. Mit seinem städtebaulichen Entwurf ist es mit dem Ziel einer hochwertigen innerstädtischen Quartiersentwicklung schlicht nicht vereinbar.

Wie in Dresden nicht anders zu erwarten, wird es durch die politische Führung des Baudezernats – namentlich durch Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) – entgegen den Vorgaben seiner eigenen Verwaltung protegiert. Pikant ist an diesem Vorgang, dass Dietmar Kretschmar, bis vor zwei Jahren Fraktionsgeschäftsführer der CDU im Dresdner Stadtrat, der Projektentwickler und Architekt des Vorhabens ist. Die Krone setzt dem ganzen auf, dass ein Verträglichkeitsgutachten zur Einzelhandelssituation im entsprechenden Stadtgebiet dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau, als er sich auf seiner letzten Sitzung mit dem Thema befasste, nicht ausgehändigt wurde – obwohl es bereits vorlag. Das Gutachten kommt nach Aussagen der Sächsischen Zeitung zu dem Ergebnis, dass die Globus-Ansiedlung sehr wohl das funktionierende Ortsteilzentrum Pieschen gefährdet.

Nichts Neues also in Dresdner Landen, könnte man meinen – wäre da nicht die Stellungnahme des Dresdner City Managements, welche sich in sehr klaren Worten gegen die Ansiedlung des Globus Marktes ausspricht. Dies ist um so erstaunlicher, da mit Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ein sehr prominentes Mitglied im Vorstand des City Managements sitzt.

Es bleibt sehr zu hoffen, dass sich in diesem Fall Sachverstand gegen parteipolitische und persönliche Interessen durchsetzt, denn wer bitte braucht in Dresden einen Markt dieser Größe an diesem Standort tatsächlich?

Hinweis: Am 02.05.2011 findet eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema statt.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 26.04.2011 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Den Masterplan für das Gebiet ökologisch nachhaltig zu qualifizieren ist ein guter Ansatz. Energetische Bauweise ist heutzutage schon fast Standard. Berücksichtigt werden sollte aber ein weiterer Aspekt: Der Hochwasserschutz. Unterhalb der Leiziger Straße waren große Flächen 2002 überschwemmt. Diese Tatsache darf bei einer erneuten Bebauung nicht ausgeblendet werden. D. h. es sollten möglichst viele Flächen entsiegelt werden und die Bauweise an mögliche Überschwemmungen angepaßt werden: keine hochwertige Nutzungen im Erdgeschoß, keine Keller, vielleicht sogar aufgestelzte Gebäude. Letztere hätten sogar einen entscheidenden Vorteil: Sie böten die Möglichkeit in diesem Gebiet eine, wenn auch kleine, Retentionsfläche zu schaffen, denn sie stehen dem Wasser nicht im Weg.

    In jedem Fall möchte ich davor warnen, die übliche Bebauung dort anzusiedeln und auf einen Gebietsschutz hinzuarbeiten – ähnlich wie er nun in Pieschen grausige Realität wird und wahrscheinlich für Übigau auch vorgesehen ist. Das hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun, denn die Flüsse brauchen Raum, damit die Extremhochwässer eben nicht so extrem werden. Es muß möglich sein, daß die Stadt mit dem Masterplan diese Kriterien – speziell für den Bereich zwischen Leipziger Straße und Elbe – vorgibt und darauf besteht!

    Und noch was Schönes zum Schluß: Am 14.5. begeht der Freiraum Elbtal e.V. sein Frühlingsfest: http://freiraumelbtal.wordpress.com/fruhlingsfest-2011/
    Eine Gelegenheit, einen Teil des Gebietes kennenzulernen.

    … schrieb Jana am Mittwoch, dem 04.05.2011, um 22:22 Uhr.