Umbau Kulturpalast – ein Rückblick

Mittwoch, 6. April 2011

von Christiane Filius-Jehne

Als ich 2004 in den Stadtrat gewählt wurde, war eines der ungelösten Langzeitthemen: Wie weiter mit dem Kulturpalast?

Zum einen gab es die Pläne der Sachsenbau Chemnitz GmbH, nach denen der Kulturpalast weitestgehend abgerissen und durch ein Großgebilde aus Handels- Gastronomie- und Hotelfläche ersetzt werden sollte, in das dann irgendwie die Dresdner Philharmonie integriert werden sollte. Das gesamte Gebiet zwischen Altmarkt und Sporergasse, zwischen Schlossstraße und Galeriestraße/Jüdenhof galt als ein Baufeld; mit dem Verkaufserlös wollte man den Neubau eines Konzertsaales finanzieren. Dazu wären erhebliche Rückbaumaßnahmen des Kulturpalastes und eine teilweise Entkernung nötig gewesen.

Zum anderen gab es seit dem 21.04.1994 (!) einen Stadtratsbeschluss folgenden Inhalts:

Für die Dresdner Philharmonie als europäisches Spitzenorchester ist der Festsaal des Kulturpalastes in seinem derzeitigen Zustand als Konzertsaal auf Dauer unzulänglich. Dresden benötigt einen Konzertsaal für die Philharmonie für 1.800 bis 2.000 Besucher …

weshalb 1998 (!) dem Büro Schölzel/Kämmler der Planungsauftrag erteilt wurde, im Kulturpalast einen Konzertsaal mit erstrangigen akustischen Eigenschaften zu schaffen. Die Pläne eines Umbaus zum Konzertsaal sind also 13 Jahre alt! Diese Entwurfsplanung lag der Stadtverwaltung dann 2001 vor. Um eine bessere Konzertakustik zu erreichen, waren bereits in dieser grundlegende Veränderungen der Raumgeometrie des Festsaales vorgenommen worden, u.a. eine Verringerung der Raumbreite, die Schaffung seitlicher Reflexionsflächen, eine grundlegende Veränderung der Deckengeometrie und eine weitaus stärkere Gliederung der Raumelemente.

Ein Widerspruch des Kulturpalast-Architekten Wolfgang Hänsch zum Schölzel-Plan ist mir nicht bekannt.

Es konkurrierten 2004 im Prinzip also zwei Ideen: Der Quasi-Abriss (der Kulturpalast stand damals ja noch nicht unter Denkmalschutz) und der Erhalt des Gebäudes mit dem Plan, innerhalb der bestehenden Außenwände und des Dachtragwerkes dem Saal eine geometrische Ausformung zu geben, die einen Spitzen-Konzertsaal ermöglichte.

Ganz klar, welcher Idee hier der Vorzug zu geben war – um so mehr als ja bereits seit Jahren eine fertige Entwurfsplanung vorlag! Deshalb sind wir als Grüne Fraktion damals auch gern dem SPD-Antrag im Stadtrat gefolgt und haben das Sachsenbau-Projekt mit abgelehnt, das dann tatsächlich mehrheitlich abgeschmettert wurde (Herr Dr. Brauns von der CDU weint ihm offenkundig noch heute nach).

2004 war aber die Stadtkasse leer, so leer, dass Vorjohann dem Stadtrat auf der Basis eines Variantenvergleiches die schrittweise Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen des bestehenden Gebäudes und eine punktuelle Verbesserung der akustischen Unzulänglichkeiten des bestehenden Mehrzwecksaales vorschlug. Aus rein finanziellen Erwägungen heraus (es schien das einzige, was man sich leisten konnte) entschloss sich der Stadtrat, diesem Vorschlag zu folgen.

In der Folgeplanung stellte sich jedoch heraus, dass die Kosten für die Sanierung, die ursprünglich auf 25 Mio. angesetzt waren, explodierten. Die Vorplanung sowie die weiteren brandschutztechnischen Untersuchungen hatten ergeben, dass alleine die Umsetzung des 1. Bauabschnittes statt der in der Machbarkeitsstudie kalkulierten 16 Mio. rund 28 Mio. kosten sollte. Der Finanzbürgermeister selbst zog die Vorlage aus Kostengründen (!) wieder zurück, und das Nichts-Tun am Kulturpalast führte schließlich dazu, dass aus Brandschutzgründen ab dem 07.03.2007 das Haus für fünf Monate geschlossen wurde. Die Betriebserlaubnis, die nach der Wiedereröffnung und notdürftigen Sanierungsmaßnahmen erteilt wurde, erlöscht definitiv am 31.12.2012!

2008 – 14 Jahre nach dem Beschluss von 1994 – wurde dann die Vorlage „Instandsetzung, Modernisierung und Umbau des Kulturpalastes“ vorgelegt und mit breiter Mehrheit im Stadtrat beschlossen …

Dieser Artikel wurde zuletzt am 06.04.2011 aktualisiert.
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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Interessante Historie. Aber an welcher Stelle hat der Stadtradt denn nun bewußt beschlossen, dass 2/3 der bisherigen Nutzer, und zwar die, die dem Kulti eine gewisse Rentabilität verschafften, aus dem Kulturpalast verbannt werden sollen, weil der umgebaute Kulturpalast für den Großteil dieser Veranstaltungen nicht mehr taugt?

    Wann wurden die Bürger gefragt, ob sie mit dem ständigen Provisorium Messe als Ersatz leben können, leben wollen? Und hätte man auf sie gehört?

    Welche von den oben angeführten Varianten wäre denn am ehesten geeignet, auch die U-Musik im Kulti zu behalten?
    Der Weinbergsaal mit Sicherheit nicht. Stadthalle ohne U-Musik? Ohne Bibliothek ja – beliebige andere Nutzungen wie URANIA-Vortragszentrum, Museum, Gastronomie, Arbeitsgemeinschaften der Jugend könnte ich mir dort besser vorstellen als eine Bibliothek.

    Die Bibliothek bräuchte meiner Ansicht nach eine Räumlichkeit, die auch Platz zum sammeln weiterer Bücher und Medien bietet und nicht nur zum Zusammenlegen der Jugendbibo, der Stadtbibo und der Musikbibo – sicher auch bloß zum Abschaffen von Arbeitskräften. Und zentrumsnahe, gut erreichbare Plätze gibt es nicht nur im Kulturpalast.

    Und Kostenexplosion als Grund, statt einer Sanierung im Haus den Totalumbau durchzuführen….

    Für alles ist Geld da, nur nicht für Kultur – zumindest nicht für die Kultur, die sich mit Schließung der Spielstätten aus Gründen der Baufälligkeit der Spielstätten auch ganz leicht ganz abschaffen ließe!

    Welche Kosten explodieren denn heute nicht? Vor allem explodieren sie immer dann, wenn der Herr Vorjohann der Kultur in Dresden mal wieder eins auswischen möchte – oder warum steht das Kulturkraftwerk noch nicht – oder warum ist die Operette nicht ins immer noch gähnende Wiener Loch gekommen? Warum fehlen Massen an Schulen? Weil das Geld verschleudert wird – für überdimensionierte (Verkehrs-)Bauwerke, weil an der falschen Stelle gespart wird, nämlich bei der Planung und das jetzt auch beim Kulturpalast, indem man sich von zweifelhaften Fördermitteln unter Zeitdruck setzen lässt. Das ist die sicherste Garantie dafür, dass es der für den Kulturpalast versprochenen Superakustik nicht besser gehen wird als der für das Kongresszentrum oder in der Messe – aus Kostengründen eingespart. Dann doch lieber ein solides, auch etappenweise verbesserbares Modell wie ein sanierter, akustisch verbesserter Multifunktionssaal mit der Option, in besseren Zeiten auch mal ein Konzerthaus zu bauen – am besten nicht von der Stadt als Bauherr sondern von Musikliebhabern, die dann nicht an der Akustik sparen…

    Vielleicht kommen die besseren Zeiten ja bald – die Drewag ist schon wieder Stadteigentum, die Gagfah wird noch ausgenommen…warum also Panik machen?

    Dresden als Kulturstadt – nein Dresden als EVENT-, Einkaufs- und Waldschlösschenbrückenstadt. Nur zu berechtigt dass das Weltkulturerbe aberkannt wurde – statt Erbepflege Gigantismus auf allen unwichtigen Ebenen. Warum sollte man sich in Dresden noch heimisch fühlen, wenn die möglichen Interessen von Einkaufs- und Eventtouristen mehr Wert sind als die Interessen derer, die dauerhaft hier leben. Oder geht es wieder nur um die vollen Betten der immer mehr werdenden Hotel-Ketten-Besitzer? Steuererleichterungen nur für Hotelbesitzer hatten wir doch gerade…

    Enttäuschend, dass die Stadträte sowas zulassen. Sind es noch die Dresdner, die im Hause Dresden was zu sagen haben?
    Oder entscheiden nur noch externe über die Köpfe der Dresdner hinweg?

    … schrieb Silvia am Donnerstag, dem 07.04.2011, um 16:45 Uhr.

  2. Frau Filius-Jehne, Sie springen vom November 2004, als die sogenannte Variante 2 (Sanierung und Verbesserung) statt eines Abrisses beschlossen wurde, ins Jahr 2011.

    Die Verlagerung der Kontroverse von der Alternative Abriss/Erhalt zu Erhalt/Umbau mit ihren unterschiedlichen Problemstellungen findet für Sie nicht mehr statt. Die Hinweise, dass von Seiten der Stadt beim Land offenbar keine ernsthaften Versuche für ein gemeinsames Konzerthaus unternommen wurden, spielt in Ihrer Chronik keine Rolle. Die vielen Initiativen aus der Kultur zum Erhalt und Warnungen vor den Risiken des Umbaus aus der Fachwelt blenden Sie aus. Warum?

    Dass Sie Herrn Hänsch vorwerfen, er hätte sich nicht früher geäußert, ist eine Verhöhnung. Sie wissen selbst, dass Architektur sozialistischer Moderne erst in den letzten Jahren zunehmend ideologiefrei bewertet wird. Ihre Architekten wurden lange Zeit als staatsnah ignoriert. Auch diese Entwicklung nehmen Sie nicht zur Kenntnis. Schade.

    … schrieb Zahlemann am Freitag, dem 08.04.2011, um 09:33 Uhr.

  3. Wenn tatsächlich wieder einmal die Finanzen der Grund für die Entscheidung gewesen sein sollen, so ist es wie immer: Der Finanzbürgermeister legt etwas vor, was günstig klingt – die Stadträte stimmen zu; der Finanzbürgermeister stellt fest, es wird teurer – die Stadträte lehnen es ab. Was dabei völlig auf der Stecke bleibt, ist der eigentliche Sinn einer Maßnahme. Der Finanzbürgermeister behält immer die Fäden in der Hand.

    Beim Kulturkraftwerk allerdings muß man den Stadträten zugute halten, daß sie sich dort bisher nicht von Vorjohanns Zahlenspielen verwirren und erweichen ließen. Das Kulturkraftwerk muß kommen! Dort muß nur dringend darauf geachtet werden, daß es nicht übersaniert wird!

    Und nochmal zum Kulturpalast: Es ist wichtig, den Hergang zu kennen, und ja, der Kulturpalast wurde offiziell erst 2008 zum Denkmal. Die Bemühungen darum begannen aber schon 2005. Sieht man also mal von der klammen Stadtkasse ab, so hätten nach dem Kohlhoff-Entwurf und der zunehmenden Anerkennung der Nachkriegsmoderne andere Denkprozesse einsetzen müssen. In gewisser Weise ist das ja auch passiert – nicht umsonst gab es ja die Bürgerinitiativen (Kulturpalast, Centrum-Warenhaus, Rundkino). Letztlich überwog aber die Abneigung gegen diese DDR-Baute, auch wenn sie sogar international wegweisend waren.

    Noch immer ist nicht ganz verstanden, warum man aus dem Kulturpalast den Saal nicht einfach “entfernen” kann. Das Haus ist um den Saal konzipiert und seine Nutzung bestimmt sich daraus. Es ist einfach ein Jammer, dieser Umbauplan.

    … schrieb J. Feld am Freitag, dem 08.04.2011, um 09:49 Uhr.