Es ist nicht zu spät – Eine Erwiderung

Dienstag, 12. April 2011

In einem Offenen Brief antwortet die Dresdner Christdemokratin Margita Herz auf einen Beitrag der kulturpolitischen Sprecherin der Grünen im Stadtrat. Darin ruft das CDU-Mitglied eindringlich zur parteiübergreifenden Kompromisssuche bei der Rettung des Kulturpalastes in seiner bisherigen Form auf.

Liebe Frau Filius-Jehne,

wie auch immer Sie Ihre Haltung verteidigen, seit der Kulturpalast-Umbau-Beschluss von 2008 in Kraft ist, also seit drei Jahren, kämpfen Bürger, die Fachwelt und Wolfgang Hänsch gegen den zerstörerischen Akt, die fragwürdige Nutzung danach und die immense Geldverschwendung (die offiziellen Zahlen sind bereits bei 90 Millionen EUR, jeder weiß, dass es nicht dabei bleiben wird).

Anerkannte Experten haben mehrfach bestätigt, dass der Kulturpalast in seiner Gesamtheit ein bedeutendes Baudenkmal der klassischen Moderne ist, er nach wie vor seine Funktion erfüllt, nämlich multifunktional genutzt zu werden. Funktion nahm Gestalt an. Bereits 2003 stellte die Sächsische Akademie der Künste zum Kulturpalast fest, dass die „Zeit der Bilderstürmer“ vorbei sein sollte.

Die Stadt und Sie ließen sich 2008 von einem einzigen Gedanken leiten: die Philharmonie benötigt eine verbesserte Spielstätte. Die eigentliche Funktion des Kulturpalastes als Stadthalle oder Volkshaus von Dresden wurde mit dem Umbaugedanken völlig ausgeblendet. Die wahnwitzige Idee, der Philharmonie für 58 Konzerttage im Jahr durch das „Ersetzen“ des vorhandenen Saales zu einem Konzertsaal zu verhelfen, wurde zur alleinigen Lösung erklärt.

Es wird Ihnen dennoch nicht verborgen geblieben sein, dass es diverse Bestrebungen gab und gibt, für Dresden ein Konzerthaus einschließlich Kammermusiksaal (!) für beide berühmten Orchester dieser Stadt zu errichten. Warum haben Sie sich nicht diesen Aktivitäten angeschlossen? Wer aufgibt, hat schon verloren.

Das Festhalten am Umbaubeschluss ist und bleibt unverzeihlich. Gerade jetzt wäre es an der Zeit, sich mit dem Denkmalschutzstatus des Kulturpalastes noch einmal gründlich zu befassen, denn das Bewusstsein, welche Bedeutung das Gebäude wirklich besitzt, nimmt weiter zu.

Es kommt aber kein Signal von den Grünen diesbezüglich. Sie lassen alle die allein, die nicht wankelmütig sind, die wissen, dass der Verlust des multifunktionalen Saales unwiederbringlich ist.

Seit 2008 kämpfe ich auch gegen die Position meiner Partei. Verwundert reibe ich mir die Augen, dass die CDU nicht einmal vor der zu erwartenden Kostenexplosion, die der Umbau als Risiko in sich birgt, zurückschreckt. Sie hat die Sache „abgehakt“. Erneutes Nachdenken kommt nicht infrage. Der Beschluss von 2008 sei demokratisch zustande gekommen, heißt es. Das war der Beschluss von 2004 (sanieren und akustisch ertüchtigen), der sogar eine Machbarkeitsstudie nach sich zog, auch. Die Faktenlage gegen den geplanten Umbau ist so erdrückend, dass ein „weiter so“ sich verbietet. Doch als aufgeklärter politisch interessierter Bürger stellt man fest, dass selbst die Grünen sich schwer tun, einen Fehler zu korrigieren.

Es stimmt, dass der Kulturpalast die Stadt lange Zeit beschäftigt hat. Aber als 2004 die Sanierung und akustische Ertüchtigung beschlossen war, hätte es gut sein sollen. Die Philharmonie kann wunderbar in einem akustisch verbesserten Mehrzwecksaal spielen. Die Staatskapelle spielt auch in der Semperoper, die für verschiedene Werke nicht der ideale Raum ist.

Wenn man über einen Konzertsaal für Dresden nachdenkt, dann muss man es aus einer anderen Perspektive als der „rein städtischen“ tun. Dresden muss sich die Frage stellen, ob es eine Musikstadt von Rang werden will. Dazu benötigt es Gespräche mit dem Land, was auch schon Bestandteil eines der zahlreichen Stadtrats-Beschlüsse war. Diese Gespräche fanden nie statt. Im Gegenteil, sie wurden sogar hintertrieben (2009 so geschehen). Und die Stadträte ließen es zu.

Dresden hat das Potential, sich als Musikmetropole von Rang zu entwickeln. Der internationale Konzert-Tourismus geht an Dresden noch weitgehend vorbei. Aus städtischer Perspektive allein ist das nicht zu lösen. Hier müssen Stadt und Land an einer gemeinsamen Konzeption arbeiten. Auch aus diesem Grund verbietet sich der Umbau des Kulturpalastes. Dresden macht sich mit dem Umbau international eher lächerlich, als dass es damit international punkten kann. Der „Spatz in der Hand“ ist für internationales Agieren indiskutabel, das hätten Sie Anselm Rose erklären sollen.

Noch ist es nicht zu spät. Man kann nur jeden Tag hoffen, dass die Kraft der Argumente doch noch die Mehrheit der Stadträte überzeugt, diesen Beschluss zu überdenken. In diesem Sinne appelliere ich an Sie, mit verantwortungsbewussten Bürgern einen Ausweg zu suchen. Ich stehe gern für Gespräche zur Verfügung, scheint doch der mangelnde Gedankenaustausch vor allem für die politischen Ebenen das Grundübel in dieser Stadt zu sein.

Margita Herz, Mitglied der CDU Dresden

P.S. Andere CDU-Mitglieder sind ebenfalls gegen den Umbau wie z.B. Friederike de Haas, Staatministerin a.D. Auch Herr Lohmeyer (FDP) sagte neulich, dass der Umbau ein Fehler sei.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 12.04.2011 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Dem offenen Brief von Frau Margita Herz an Frau Filius-Jehne kann ich in allen Punkten zustimmen und nur noch einmal betonen, dass hier das Gespräch über alle Parteigrenzen hinweg von dringender Notwendigkeit ist. Vom Hundertwasser Haus über das Stella Projekt, dem unsäglichen Brückenbau und dem Operettenpfusch soll der Dresdner Kunst-und Kulturlandschaft nun noch eine Wunde geschlagen werden…..Ist es wirklich der Kopf, mit dem die Dresdner Stadträte durch die Wand wollen? Diese Frage stellte mit berechtigtem Zweifel schon Prof. Wilfried Krätzschmar am 9. April in einem Leserbrief in der DNN. Ich stehe mit meinem Namen und ggf. mit solidarischen Taten für den Erhalt des Kulturpalast. 13. April, 2011. Günter Sommer/ Musiker

    … schrieb Günter Sommer am Mittwoch, dem 13.04.2011, um 16:24 Uhr.