Offener Brief der Philharmonie

Freitag, 18. März 2011

Seit dem 14.03.2011 ist die mit einiger Leidenschaft geführte Debatte um den Umbau des Kulturpalastes um einen offenen Brief der Philharmonie reicher. Darin wendet sich der Orchestervorstand an die Stadtratsfraktionen und „unterstützt … nachdrücklich den Stadtratsbeschluss zum Umbau des Dresdner Kulturpalastes.“ Der Brief wurde heute auch bei DNN-online veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.03.2011 aktualisiert.
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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die Argumentation der Philharmonie erscheint zunächst überzeugend. Dass es in diesem Konflikt kein offenkundiges Richtig und Falsch oder Gut und Böse gibt, macht der Offene Brief deutlich.

    Die Philharmonie meldet sich zu Wort, mit dem Hinweis, sich bisher zurückgehalten zu haben. Das mag für öffentliche Willensbekundungen zutreffen. Aber gingen die starken Impulse für den geplanten Umbau nicht vor allem von der Philharmonie aus, dem – wie sie sich selbst in Anführungszeichen nennen – “Nutznießer” des geforderten Umbaus?

    Versucht sie nicht gleichfalls etwas unfair, die zunehmende Kritik am Umbau als zwar verständlichen und respektablen, aber letztlich nachrangigen und nur emotionalen Ausdruck von Sentimenalitäten, Reminiszenzen und Fortschrittsverweigerung zu diskreditieren? Vom Denkmalschutz übrigens keine Silbe. Dafür wird ein Glaubenskrieg konstatiert, in dem angeblich belastbare Argumente keine Abwägung fänden. In diesem Krieg sieht sich die Philharmonie nun als Opfer.

    Die kulturpolitische Bewertung der kulturellen und finanziellen Möglichkeiten einer 500.000-Einwohnerstadt ist jedoch nicht Aufgabe der Philharmoniker. Ihre bekannten Positionen werden nun gerade im Stadtrat ausreichend vertreten. Fragen der sozialen Segregation (das heißt des “Abdrängens” bestimmter Milieus) werden auch nicht durch den wiederholten Verweis auf Bibliothek und Herkuleskeule gelöst. Bürger, die eine Stadthalle in der bisherigen Form nutzen, sind nicht automatisch Leser in Bibliotheken.

    Interessant bleiben Fragen der Akustik. Hier bleibt für die Öffentlichkeit noch immer Vieles im Vagen und Spekulativen. Woher nehmen die Philharmoniker die Gewissheit, dass sich die Akustik gegenüber einer sogenannten Ertüchtigung stark verbessert? Die Philharmonie verweist auf “intensive Gespräche” mit Architekten und Akustikern. Reicht das aus?

    … schrieb visitor x am Samstag, dem 19.03.2011, um 09:35 Uhr.

  2. Die Staatskapelle muss auch in der nicht für Konzerte idealen Semperoper spielen. Somit kann die Philharmonie künftig auch in einem akustisch verbesserten Saal des Kulturpalastes spielen. Und das ist ohne Zerstörung des Baudenkmals möglich, ohne zu erwartende Kostenexplosion und ohne Befürchtung, das teure Experiment nicht ausgelastet zu sehen. Es leuchtet nicht ein, für 58 Konzerttage im Jahr so viel Geld auszugeben, das dringend an anderer Stelle gebraucht wird, z. B. beim Kulturkraftwerk. Kein Mensch weiß, ob die Akustik nach dem Umbau besser ist. Die Akustik kann man auch in dem bestehenden Saal verbessern. Es ist bedauerlich genug, dass für das Konzertleben in dieser Stadt, das Potential für internationale Wirkung hat, bisher keine gemeinsame Lösung von Stadt und Land gefunden oder angedacht wurde. Aber hierfür ist eindeutig die Stadt verantwortlich, die nie das Gespräch in diese Richtung mit dem Land gesucht hat.

    … schrieb Margita Herz am Samstag, dem 19.03.2011, um 14:11 Uhr.

  3. Der Ruf nach besserer Akustik ist nachvollziehbar, aber der Preis ist zu hoch. Und den Gegnern des Umbaus vorzuwerfen, einen Glaubenskrieg zu führen ist im Grunde Rechthaberei, denn es degradiert sämtliche Argumente der Gegner zu haltlosen Behauptungen.

    Schade, so wird im Säuselton Meinungsmache betrieben, anstatt sich ernsthaft mit den Bedürfnissen des Nicht-ausschließlich-Philharmonie-Publikums auseinanderzusetzen und den Stadthallencharakter des Kulturpalastes anzuerkennen.

    Nicht zuletzt wird wieder das Argument bemüht, daß ja die U-Kunst zum großen Teil stattfinden kann. Ich bin ja mal gespannt, ob ein Vertreter dieser Sparte, sprich ein Veranstalter wie Semmelmann, Aust oder Lühr, als “betroffener Nutzer” zur Einwohnerversammlung am Montag geladen ist und zu Wort kommt. In der Ankündigung habe ich diese “Nutzer” vermißt.

    … schrieb J. Feld am Samstag, dem 19.03.2011, um 21:22 Uhr.

  4. Als Leiter der Abteilung Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst 1991-2003 bin ich am 2. 10. 1996 vom damaligen Kulturbürgermeister Jörg Stüdemann gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, dass die Staatskapelle Dresden in einem Saal spielen würde, der auch der Philharmonie als Konzertsaal dient. Es war meines Wissens das einzige Mal, dass die Stadt an den Freistaat in dieser Angelegenheit herangetreten ist.
    Als ich 2007 ein Gutachten über alle Theater und Orchester in Sachsen verfasste, bekannte mir der Intendant der Dresdner Philharmonie, Herr Rose, dass es gute Aussichten für den Neubau eines Konzertsaales für die Philharmonie gäbe. Von einem Umbau der Kulturpalastes war damals nicht die Rede.
    Nun ist dem Orchester ein guter Saal zu wünschen, was allerdings auch die Staatskapelle gilt. Weshalb hat man den Freistaat nicht von vornherein mit ins Boot geholt?
    Es ist ein große Fehlspekulation, dass der umgebaute Saal sich auch für Veranstaltungen der Leichten Muse so rechnet, wie es jetzt ist. Die geringere Platzkapazität und die sichtbehinderten Plätze, sind, wie Herr Aust schon ausgerechnet hat, ein ernstes Hindernis für jeden Veranstalter solcher Konzerte. Hier ist nur der Wunsch der Vater des Umbaus.
    Schließlich wer zwänge die Stadt, neben Kulturpalast und Konzerthaus die Messe für Events zu ertüchtigen?

    … schrieb Dr. Reiner Zimmermann am Donnerstag, dem 24.03.2011, um 15:41 Uhr.