Zwischen gesagt und verstanden

Freitag, 21. Januar 2011

Zur Vergabe der Negativehrung „Tonstörung 2010“ an den FDP-Politiker Holger Zastrow

von Johannes Hellmich

Wer es nicht rechtzeitig schafft, die Hunde loszulassen, um Journalisten aufzuhalten, sollte sie ins Herz schließen. Sonst wird er selbst in die Ecke gedrängt, missverstanden und gejagt und muss sich am Ende von weltfremden Schreiberlingen verhöhnen lassen, die uns die Demokratie erklären wollen. Der diesjährige Auslöser einer angeblichen „Tonstörung“ bei der Landespressekonferenz (LPK) ist FDP-Landeschef Holger Zastrow.

Im Namen sogenannter Informationsfreiheit versucht ein 70köpfiges Synedrion, Zastrows Grundrecht auf „Wagenburgmentalität und Realitätsverweigerung“ drastisch zu beschneiden. Eine merkwürdige Art, Menschen zu würdigen, die anpacken, Verantwortung übernehmen, die Wirtschaft flott machen und das Land vorwärtsbringen – die also „Gas geben“ und dabei oft genug auch im Verborgenen Gutes tun. Es reicht dem journalistischen Meinungskartell nicht mehr, die unübersehbaren Erfolge liberaler Politik (Sonntagsöffnung für Autowaschanlagen und Videotheken) klein zu reden. Die tatsächlichen Verursacher der Kommunikationsstörung zwischen Politk und Volk suchen nun die Provokation.

Die von der Journaille geplante Umerziehung dürfte bei den nächsten Wahlen dennoch die verdiente Antwort erhalten – als kompakte, leicht verständliche blau-gelb-bunte Informationsflut.

Aus der Begründung der Jury für die Vergabe der „Tonstörung 2010“:

• Als politisch Verantwortlicher hat Holger Zastrow im vergangenen Jahr maßgeblich eine Anti-Medienstrategie praktiziert, die selbst nicht davor zurückschreckte, Journalisten in ihrer Arbeit zu behindern und deren Berichterstattung negativ zu beeinflussen. Durch gezielte Diskreditierung und Ausgrenzung von Journalisten und Medien sowie eine erschreckend unprofessionelle Öffentlichkeitsarbeit hat er versucht, kritische Berichte über seine politische Tätigkeit sowie über Entscheidungen seiner Landespartei, der FDP-Landtagsfraktion und der von der FDP geführten Staatsministerien zu behindern oder gänzlich zu unterbinden.

• Aus Sicht der LPK trägt er auch die Verantwortung dafür, dass ein Teil der von uns gerügten Vorgehensweise von FDP-Politikern und deren Mitarbeitern übernommen wurden, die in der FDP-Landtagsfraktion, der Landespartei sowie in sächsischen Ministerien tätig sind. Regelmäßig rügten Mitglieder der Landespressekonferenz in diesem Zusammenhang die Verweigerung von Informationen, die Langsamkeit bei der Beantwortung von Medienanfragen, die mitunter aufkommende persönliche Unhöflichkeit gegenüber Journalisten sowie die anhaltenden Vorwürfe einer vermeintlichen Medienkampagne gegen die sächsischen Liberalen. Diese Wagenburg-Mentalität vergiftet zunehmend das Klima zwischen der FDP und den Medien.

• Nicht zuletzt in seiner überzogenen Medienschelte auf dem FDP-Landesparteitag in Chemnitz, die die LPK in dieser Form bisher nur von extremistischen Parteien kannte, sieht die LPK einen Ausdruck von Konfliktunfähigkeit und Realitätsverweigerung, der liberalen Grundwerten über Meinungsfreiheit sowie Ansprüchen an ein Landtagsmandat und an Holger Zastrows weitere wichtige politische Ämter widersprechen.

Der Vorsitzende der FDP Sachsen ist heute über die Entscheidung informiert worden.

Die LPK verbindet mit der Vergabe der „Tonstörung“ aber nicht nur Kritik, sondern hofft zugleich, damit einen Anstoß für eine künftig deutlich bessere Zusammenarbeit und einen fairen Umgang mit Journalisten und Medien geben zu können.

Die LPK, ein Zusammenschluss von rund 70 landespolitischen Journalisten, vergibt die „Tonstörung“ jährlich im Januar für das vorangegangene Jahr. Alle Mitglieder der Landespressekonferenz waren aufgerufen, ihre Vorschläge mit Begründung einzureichen. Anschließend wählte eine Jury aus elf Vereinsmitgliedern den Preisträger aus. Ihre diesjährige Entscheidung erfolgte einstimmig.

Landespressekonferenz Sachsen

Der Vorstand

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.10.2012 aktualisiert.
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