Künstler für den Kulturpalast

Montag, 8. November 2010

Eine Künstlerinitiative von Reinhard Fißler sowie O-Töne aus den Gästebüchern

Schon vor dem Stadtratsbeschluß vom 3. Juli 2008 regte sich in Künstlerkreisen Widerstand gegen den Umbau des Kulturpalastes zu einem Konzertsaal mit geringerer Platzkapazität. Reinhard Fißler – ehemaliger Sänger und Songschreiber der Stern-Combo Meißen – legte Oberbürgermeisterin Helma Orosz in einem langen Brief seinen Protest und seine Enttäuschung über die anstehende Entscheidung für den Umbau dar. Als er – wie offenbar üblich, denn auch Dr. Hänsch hat nie eine Antwort auf seine Briefe bekommen – keine Antwort darauf erhielt und der Beschluß im Juli 2008 fiel, startete er einen Aufruf gegen das Projekt.

Über 60 deutsche Künstler haben darauf reagiert und den Aufruf unterschrieben bzw. ein eindeutiges Statement verfaßt. Hier einige Auszüge:

Prof. Bernd Wefelmeyer,
Professor für Filmmusik an der Hochschule für Film u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg:

Ich unterstütze die Forderung nach einer multifunktionalen Spielstätte in Gestalt des Kulturpalastes Dresden in jeder Form. Warum der Ausschließlichkeitsanspruch für die Philharmonie? Es geht nicht gegen dieses Orchester aber das Vorhaben ist im Zuge der Globalisierung, auch der Kunst, nicht zeitgemäß und provinziell gedacht.

Als Arrangeur eines Konzertes mit Queen-Titeln für das Opernorchester in Leipzig konnte ich mich bei einem Konzert dieses Orchesters im Kulturpalast mit diesem Programm, vor großem Publikum, von dessen hervorragender Technik und seinen Möglichkeiten bestens überzeugen.

Thomas Natschinski,
Rockmusiker, Komponist, Produzent – Berlin:

Der Kulturpalast Dresden war für uns Rockmusiker, Interpreten und alle Künstler der Unterhaltungbranche immer ein Ort , an dem wir gerne aufgetreten sind: ein wunderbares Publikum, beste technische Bedingungen und ein kreatives Umfeld bei den Veranstaltungen. So sehr ich auch die klassische Musik liebe, finde ich es doch bedauerlich, dass die Unterhaltungsmusik anscheinend künftig nicht mehr den Stellenwert erfahren wird wie bisher. Das Haus war und ist prädestiniert für multikulturelle Veranstaltungen und ich hoffe, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Pasemann Cultur & WerbeCompany,
Leipzig:

Als Leipziger habe ich immer sehr neidvoll auf Dresden und seinen Kulturpalast geschaut. Lange Zeit hatten wir nur die viel zu kleine Kongresshalle am Zoo. Ich verstehe nicht, wie man ohne Not den Dresdner Kulturpalast platt macht. Wenn dann der Umbau erfolgt ist, wird man erst merken was man zerstört hat. Und dann wird man mit noch mehr Geld (neue Schulden der Stadt lassen grüßen) wieder ein multifunktionales Haus bauen. Das ist wahrscheinlich ein Schildbürgerstreich der Dresdner Stadträte (die Leipziger sind übrigens nicht viel anders), vielleicht wird Dresden demnächst in Schilda umbenannt.

Kommt zur Besinnung liebe Dresdner!“

Jürgen, Barbara und Stefan Kerth,
Musiker, Band-Leader – Erfurt:

Ein Land ohne Kultur- bzw. mit Abbau von Kulturstätten ist unserer Meinung nach ein armes Land. Viele Musiker hatten schon unter der „Kultur“ der DDR zu leiden, mit Auftrittsverboten usw. Die großen Hallen werden meist nur genutzt für die angeblichen „Stars“ der westdeutschen Kultur und für Volksmusikfeste. Unsere Jugend will auch „ihre“ Stars sehen, mit denen sie groß geworden sind und die ihnen halfen manch schlimme Situation in der DDR zu überstehen bzw. viele gute Stunden mit ihrer Musik zu erleben. Wir sehen auch hier in Thüringen, wie viele gute Kulturstätten geschlossen werden

Holger Biege,
Sänger, Pianist, Komponist, Arrangeur – Göhrde bei Lüneburg:

Der Palast gehört seit 1969 zu den wichtigsten Kultureinrichtungen Ostdeutschlands, gerade wegen seines multikulturellen Charakters. Eine diesbezügliche Veränderung hätte gravierende Auswirkungen für das regionale Kulturleben.

Luise Mirsch,
Rundfunk-Produzentin, Musikerin – Wernsdorf:

Der Palast richtete unzählige Konzerte aus, und ist seit seinem Bestehen eine bedeutende und vielfältige Stätte für Veranstaltungen Sachsens und Deutschland weit.

Die Künstler, die Mitarbeiter aller Gewerke und die Gäste schätzen gleichermaßen den Kulturpalast, der eine wesentlich bessere und repräsentativere Aura bietet, als jede Messehalle.

Es wäre ein großer Verlust für die Kulturstadt Dresdens, falls bei einem Umbau kein äquivalenter Veranstaltungsort entstehen sollte.“

Ernst Hirsch,
Regiekameramann, Dresden-Chronist – Dresden:

Ich bin zwar kein Unterhaltungskünstler, aber als Filmemacher denke ich gern an die Filmvorführungen im Kulturpalast mit damals modernster Technik (70 mm Filme) und an viele unterschiedliche Konzerte, Auftritte usw. die ich dort erlebte. Dresden sollte froh sein, so ein Haus zu haben! In den Neubau hatte man damals sogar eine klassische Orgel von Jehmlich eingebaut, obwohl ja in der DDR eine Orgel eigentlich ein „kirchliches“ Instrument war. Es gibt genügend Vorschläge den Kulturpalast akustisch zu verbessern und so umzubauen, dass eine vielfältige Nutzung weiterhin möglich ist.

Prof. Klaus-Georg “Jockel” Eulitz,
Blue Wonder Jazzband – Dresden:

Seit über 33 Jahren genießt die Blue Wonder Jazzband die Möglichkeiten dieses Hauses, hat sie seit 1990 aus dem nun treffbaren Vergleich um so mehr schätzen gelernt. Dresden verliert einen großen Veranstaltungs-Saal, auf den die Stadt eigentlich deutschlandweit stolz sein sollte. Das Kongresszentrum kann mit seiner Nüchternheit und ungeeigneten räumlichen Gestaltung kein Ersatz werden, vor allem nicht für das Publikum. Mit dem geplanten Wegfall des Studiotheaters fehlt Dresden die schönste, stimmigste Kleinkunstbühne der Stadt. Die Annahme, dass ein umgebauter, nur noch rund 1100 Zuschauer fassender Saal auch weiterhin von der “U”-Kunst genutzt werden kann, ist falsch. Das rechnet sich nicht. Das nach dem Umbau dann über 40 Jahre stattfindende Dixieland-Festival wird sich ganz bestimmt einen anderen Veranstaltungsort suchen müssen. Aber welchen?

Dirk Michaelis,
Sänger, Entertainer, Songschreiber, Band-Leader – Berlin:

Nach der Auflösung der Gruppe Karussell, war es auch der Kulturpalast, der mir, meiner neuen Band und den neuen Liedern ein Podium gab. Ausverkaufte Konzerte machten Mut und stimmten zuversichtlich. Ich würde es sehr bedauern, nicht mehr in diesem, mir vertrautem Hause und mit den von mir sehr geschätzten Ton- und Lichttechnikern, arbeiten zu dürfen, nur weil ich noch kein Klassiker bin.

Peter Meier, die Puhdys,
Musiker, Band-Leader – Berlin:

Wenn es den Kulturpalast mit seinen vielen Gestaltungsmöglichkeiten nicht mehr geben wird, muss man sich wohl echt Gedanken machen, was aus dem großen Unterhaltungskunst-Angebot in der Kulturstadt Dresden in Zukunft werden soll und wie es sich präsentieren kann. Wir haben immer sehr gern und mit grossem Erfolg in Dresden und seinem Palast gerockt. Es wär sehr schade drum.

Auch die Gästebücher des Kulturpalastes enthalten keine Kritik am Haus – im Gegenteil: Begeisterung über den Saal, die Atmosphäre und über das freundliche Personal:

You have a wonderful hall with marvellous acoustic. Thank you.
Edward Downes
Chefdirigent, BBC Philharmonic Orchestra Manchester
23.05.1989

Vielen herzlichen Dank für die freundliche und professionelle Aufnahme. Der Saal ist herrlich, das Publikum war toll, was will man mehr!
Wiener Johann Strauß Orchester
03.09.1990

Wieder in Dresden. Es war herrlich! In Dankbarkeit
Herbert Blomstedt
Dirigent, San Francisco Symphony Orchestra
05.09.1990

Dem Haus herzlichen Dank für 2 schöne Konzerttage.
Roland Kaiser
16.04.1991

Ein nettes Haus! Nette Leute! Was will man noch mehr.
Harald Juhnke
06.11.1996

Toll hier im Kulturpalast!
Helge Schneider
Februar 2003

Danke Dresden! Wunderbares Haus! Tolles Personal!
Darsteller der Dschungelbuch-Musicalproduktion
April 2003

Danke dem Team vom Kulturpalast. Viel Glück.
Angelika Milster
31.03.2004

Dem Team vom Kulturpalast Dresden Herzlichst Danke
Andrea Berg
02.11.2004

Beautiful concert hall! Best wishes
Chris de Burgh
07.07.2005

Diese Einträge zeigen nicht nur die Begeisterung der Künstler, sondern auch die Vielfältigkeit des kulturellen Angebotes im Kulturpalast. Trotzdem sollen die Mitarbeiter der Konzert- und Kongressgesellschaft GmbH ihre Arbeit verlieren und der Kulturpalast in ein reines Konzerthaus umgewandelt werden.

Warum nur darf der Kulturpalast nicht Dresdens Stadthalle bleiben?

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.12.2010 aktualisiert.
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