Arbeitskreis Hallesche Auenwälder kritisiert OVG-Entscheidung

Dienstag, 2. November 2010

Die fast hemdsärmligen Begründungen, mit denen das OVG Bautzen den Eilantrag der Umweltverbände abgewiesen und so den Weiterbau der umstrittenen Waldschlösschenbrücke ermöglicht hat, sorgen nun auch andernorts für Kopfschütteln.

Nach Auffassung des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder (AHA) verkennt das Oberverwaltungsgericht insbesondere durch den Verweis auf Hochwasserereignisse bei der Bewertung von Baggerarbeiten wichtige Zusammenhänge komplexer ökologischer Abläufe.

Der AHA weist darauf hin, dass – im Gegensatz zu den genehmigten umfangreichen Ausbaggerungen – Hochwasser als Teil eines Naturkreislaufes für Flüsse und Auen lebensnotwendig sind. Durch Hochwasser werden Auen und Flüsse immer neu geformt, durchfeuchtet, mit neuem Schlick versorgt sowie mit genetisch frischer Fauna und Flora angereichert. Gerade durch Versiegelungen, Fließgewässerausbau und -begradigungsmaßnahmen sowie Einengung von Hochwasserausbreitungsräumen nehmen Hochwasser aber auch an Heftigkeit und Unberechenbarkeit zu – auch mit Folgen für die Ökosysteme. Laut Statistischem Bundesamt und Umweltbundesamt erfolgt täglich eine Versiegelung von 120 bis 130 ha Boden, was einer Fläche von etwa 66 Fußballfeldern entspricht bzw. in einem Jahr der Fläche der Stadt München gleichkommt.

Nach Ansicht des AHA werden durch Bebauungen wie die Waldschlößchenbrücke selbstverständlich Lebens- und Rückzugsräume von Fauna und Flora sowie Biotopverbundräume gestört bzw. dauerhaft beeinträchtigt. Die Hochwasserereignisse im August 2002 und im September 2010 sollten dafür sensibilisieren, Verbauungen in bzw. an Retentionsflächen zu unterlassen. Es müsse geprüft werden, ob durch die nun genehmigten Arbeiten mit der Wasserrahmenrichtlinie auch europäisches Recht tangiert wird.

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder hatte der Landeshauptstadt Dresden zuletzt fachliche Unterstützung bei der angekündigten Elbschutzsatzung angeboten. Diese Hilfe hatte die Stadt aber ausgeschlagen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.12.2010 aktualisiert.
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