Die Mär vom fließenden Verkehr

Dienstag, 26. Oktober 2010

Anmerkungen eines verwunderten Autofahrers
von Jörg Lucke

Warum die Waldschlößchenbrücke keine Verkehrsentlastung mit sich bringt

Die Befürworter der Waldschlößchenbrücke kommen seit Baubeginn an jedem ersten Sonnabend eines Monats an der Baustelle zum Brückenpicknick zusammen. In der Regel nehmen daran etwa 150 Brückenbefürworter, überwiegend ältere Bürgerinnen und Bürger, teil. Der Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Waldschlößchenbrücke“, Dr. Hans-Joachim Brauns, sein Stellvertreter, Nicolaus Köhler-Totzki, und der Leiter des städtischen Straßen- und Tiefbauamtes, Reinhard Koettnitz, informieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den jeweiligen Baufortschritt und werden bei dieser Gelegenheit nicht müde, immer wieder auf die zu erwartende Verkehrsentlastung hinzuweisen, obwohl Verkehrsexperten bereits vor Baubeginn darauf hinwiesen, dass dies eine Illusion sei. Dabei genügt ein Besuch in der Informationsstelle der Stadtverwaltung, die diese eigens zur Propagierung des Bauprojektes eingerichtet hat, um anhand der ausgehängten Pläne zu erkennen, dass die geplante Trassenführung keinerlei Verkehrsentlastung mit sich bringt.

Trotzdem glauben viele Dresdnerinnen und Dresdner bis heute den Verheißungen des Freistaates, der Landesdirektion und der Stadt, begünstigt dadurch, dass es die regionalen Medien bisher versäumten, der Frage nachzugehen, wie sich denn der Verkehr in der Radeberger Vorstadt und in Loschwitz einerseits und in Johannstadt, Blasewitz, Striesen und Gruna andererseits verteilen soll.

In den letzten Wochen scheint jedoch auch in den lokalen Zeitungsredaktionen ein Umdenken zu erfolgen, wie Beiträge in der „Sächsischen Zeitung“ belegen (08.10.2010, S. 17: „Am Fetscherplatz droht ein Stauchaos“; 09./10.10.2010, S. 17: „Auch Bahnen stecken in Striesen im Stau“; 14.10.2010, S. 17: „Zufahrt zur Waldschlößchenbrücke wird nur geflickt“). Auf dieses Dilemma weist auch ein Leserbrief in der „Sächsischen Zeitung“ vom 19.10.2010 hin. Michael Majewski schreibt (S. 14): „Jetzt, wo die Waldschlößchenbrücke fast fertiggestellt ist, zeigt sich genau das, was keiner der Freunde dieser Verkehrslösung glauben wollte. Die Brücke ist zu groß geplant und jetzt nur teilweise ihrer Kapazität entsprechend angebunden. Tausende Fahrzeuge werden sich erst mal versuchsweise und zusätzlich durch die hochwertigen Wohngebiete von Blasewitz wälzen … Sicherlich spekulieren CDU und FDP darauf, dass diese Verkehrszüge nach und nach für diese Fahrzeugmassen aus dem Durchgangsverkehr gangbar gemacht werden …“

Allmählich reift auch bei einigen Dresdner CDU-Politikern die Einsicht, dass die Waldschlößchenbrücke nicht der große Wurf ist, als der er bisher immer propagiert wurde. In der Sächsischen Zeitung vom 19.10.2010 wird der Vizechef der CDU-Stadtratsfraktion, Peter Krüger, mit den Worten zitiert (S. 17): „Man muss schließlich kein Verkehrsexperte sein, um zu sehen, was für ein Kollaps mit der Waldschlößchenbrücke auf uns zurollt.“

Es lohnt daher, einen Blick darauf zu werfen, wie die wichtigsten Verkehrsströme auf Neustädter und Altstädter Seite verlaufen und an welchen Stellen sich der Verkehr vor allem stauen wird. Auch ein Blick auf besondere Gefahrenstellen ist hilfreich.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 22.10.2012 aktualisiert.
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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Welch ein Wunder! Mit einem Tunnel würde alles besser!

    … schrieb Frank am Donnerstag, dem 28.10.2010, um 19:12 Uhr.

  2. Ich wollte ja hier keine Kommentare mehr hinterlassen und möchte genau deshalb klarstellen: Das war ein anderer Frank!

    … schrieb Frank am Donnerstag, dem 28.10.2010, um 22:21 Uhr.

  3. … und möchte genau deshalb klarstellen: Das war ein anderer Frank!

    Dann war das wohl mal wieder Konstantin Neven DuMont?

    Aber sei’s drum; mit dem Tunnel wird nicht alles besser, denn der Tunnel war und ist ein Kompromissangebot. Immerhin wird durch ihn die Schönheit des Elbtals nicht zerstört. Aber das scheint weder den einen noch den anderen Frank zu interessieren. Der Unterschied zwischen beiden dürfte ohnehin vernachlässigbar sein.

    … schrieb WilhelmFriedemann am Freitag, dem 29.10.2010, um 10:52 Uhr.