Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten

Donnerstag, 2. September 2010

von Jana Knauth

Am 31.8. 2010 fiel der Startschuß zu einer Hochwasserschutzmaßnahme, die von den Anwohnern abgelehnt, den Großinvestoren im Elbepark erhofft wurde, die den südlich angesiedelten Übigauern Probleme bringt und viele Fragen offen läßt.

Die Bäume sind weg, die Wiese ist zerwühlt, die Anwohner sind wütend, die Naturschützer konnten es nicht verhindern – so beginnen normalerweise die Geschichten zur Waldschlößchenbrücke. Aber diesmal handelt es sich nicht um die Brücke, sondern um ein Bauwerk, welches Mickten und Pieschen vor dem Elbehochwasser schützen soll. Was also ist schiefgelaufen?

Am Anfang war die Mauer. Der erste Entwurf, den die Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) zur Planfestellung vorlegte, war eine schlichte teilweise über 2 Meter hohe Betonmauer in fadem Grau, positioniert in der Böschung der Elbwiesen mit nur wenigen Durchlässen zur Elbe. Als Begründung für die Planung wurden schon auf der ersten Seite des Antrags unverhohlen die Millionenschäden im Elbepark angeführt – im Grunde der Schutz für eine Fläche, die aufgrund ihrer Lage nicht bebaut sein dürfte und stattdessen als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen sein müsste. Die Form der Maßnahme – also die Ausführung als schlichte Betonwand – wurde als billigste Variante herausgestellt. Die Stadtansichten die von dieser Anlage hergestellt wurden, waren dementsprechend häßlich: Der gesamte Uferbereich wurde durch die Betonmauer vom Wohnbereich abgetrennt, die Sichtbeziehungen erheblich gestört, der stadtlandschaftliche Charakter und die Lebensqualität des Viertels völlig aufgegeben – aber zumindest die Baumallee an der Kötzschenbrodaer Straße war auf allen Bildern gut zu sehen.

Gegen diese Planung gab es zahlreiche Einwendungen von Anwohnern, den städtischen Ämtern, den Naturschutzverbänden usw. Neben der eigentlichen Sinnhaftigkeit waren die gewählte Ausführung und die Linienführung die größten Kritikpunkte. Die Folge daraus war, daß die LTV diesen Abschnitt der Planung – der Abschnitt zwischen Ballhaus Watzke und Böcklinstraße ist nur einer von 6 der gesamten Maßnahme, die sich über die gesamte nördliche Flutrinnenbegrenzung bis nach Kaditz erstreckt – umgestalten sollte. Trotz weiterer Proteste und erneuter Einwendungen wurde das Projekt in unveränderter Linienführung und nur mit kosmetischen Korrekturen im März 2009 durch die Landesdirektion Dresden planfestgestellt. Bestandteil des Beschlusses sind ausdrücklich die vorhandenen Bäume: Vor allem der Altbaumbestand ist „möglichst zu erhalten und bauzeitlich zu schützen“ und unter 4.2. findet man sogar den Satz: „Dieser Altbaumbestand ist daher im Interesse des Landschaftsbildes (siehe Regionalplan und LSG-VO) unbedingt zu erhalten.“

Entgegen diesen Aussagen im Planfeststellungsbeschluß rückten Mitte Februar 2010 – kurz vor Ende der „Baumfällzeit“ – die Kettensägen an und alle 32 Bäume, nicht nur die 12 bereits vorgesehenen, wurden gefällt. In der Pressemitteilung, die auf den Vortag datiert, heißt es lapidar, daß sich im Zuge der Ausführungsplanung neue Erkenntnisse ergeben hätten, die die Baumfällungen rechtfertigen. Da es sich bei dem Gebiet aber um städtisches Terrain handelt, ist die Lage gar nicht so klar. Zwar löste offenbar die LTV den Fällauftrag aus, die Landeshauptstadt mußte dem aber mindestens zustimmen. Fest steht: Die Landesdirektion hat keinen Antrag auf Fällgenehmigung erhalten und somit auch keine Genehmigung erteilt.

Am Ende bleibt die Mauer. Die Anwohner sind resigniert – nicht nur, daß sie den Blick auf die Elbe verbaut bekommen, nun haben sie auch die hart umkämpften Bäume verloren. Immerhin werden sie in Zukunft trockene Füße haben, wovon die Übigauer dann nur noch träumen können. Durch die Erhöhung der Nordseite der Flutrinne wird der Elbe die Möglichkeit zur Ausbreitung genommen, was für die Südseite eine Erhöhung des Wasserspiegels zur Folge hat. Die LTV erzeugt mit ihrer Maßnahme neue stärkere Betroffenheiten, um schließlich auch für dieses Gebiet die Planungen zu starten. Besser kann man sich die Arbeit nicht beschaffen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.12.2010 aktualisiert.
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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Am 28.7.2010 gründete sich in Roßwein an der Freiberger Mulde die Initiative für einen bürger- und umweltfreundlichen Hochwasserschutz, welche als Bürgerinitiative auf die Gefahren und Probleme aufmerksam machen möchte, welche der Bau der Hochwasserschutzmauer in der geplanten Form mit sich bringt.
    Die Initiative setzt sich überwiegend aus Anwohnern der vom Hochwasser betroffenen Straßen zusammen, welche das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Projektes Flutmauer kritisieren.

    … schrieb Wilfried am Donnerstag, dem 02.09.2010, um 15:39 Uhr.

  2. [...] Linktipps: die allgemeine Pressemitteilung: http://www.lds.sachsen.de/ Die Befürworter der Auenlösung: quo-vadis-dresden.de Die Laubegaster Widerstandsbewegung: [...]