Denkmalland Sachsen

Donnerstag, 5. August 2010

von Eduard Zetera

In einer Pressemitteilung des Innenministeriums vom 03.08.2010 heißt es unter der Überschrift „Start der Konsultationsphase zur Weiterentwicklung des Denkmalschutzes“:

Denkmalpflege genießt in Sachsen hohe Priorität. Die Sanierung unserer Altstädte und der über 100 000 Denkmale ist im Freistaat in den vergangenen 20 Jahren hervorragend gelungen. Es ist auch das Verdienst vieler engagierter Menschen, dass so viele Denkmale erhalten werden konnten.

Innenminister Markus Ulbig: „Die Sachsen sind ein geschichtsbewusstes Volk, wir identifizieren uns mit unseren Städten und Denkmalen.

Die wunderbaren sächsischen Marktplätze und Innenstädte sind ein Ergebnis einer jahrhundertealten verantwortungsvollen und gemeinwohlorientierten Bürgergesellschaft. Dieses Erbe wollen wir und werden wir bewahren. Das Denkmalgesetz in unserem Land ist in diesem Sinn ein Bekenntnis zu einer freiheitlichen Bürgergesellschaft. …

Diese Aussage ist absolut korrekt – nur nicht in dem Sinne, wie es das Innenministerium versteht.

Fakt ist, dass sich in Sachsen die Bürger zunehmend organisieren und sich der staatlich geförderten Abrisswut entgegenstellen. Tatsache ist, dass es die Bürger (namentlich das Stadtforum Leipzig) waren, welche die Brisanz der vom Innenministerium geplanten Novelle des Denkmalschutzgesetzes erkannt haben. Sie waren es, die die (Fach-) Öffentlichkeit wachgerüttelt haben und eine Diskussion angestoßen haben, welche das Innenministerium nun wohlwollend als „Konsultationsphase “ vereinnahmen möchte. Ohne diesen Widerstand wäre die Gesetzesnovelle längst durch den Landtag gepeitscht worden.

An gleicher Stelle heißt es weiter:

… Im Koalitionsvertrag haben sich die Regierungsparteien zu einer Weiterentwicklung des Denkmalschutzes verständigt. Daher wird in den nächsten Wochen wie geplant die Konsultationsphase beginnen. Wir werden Gespräche mit allen Beteiligten auf den fachlichen Ebenen führen. Die hohe Qualität des Denkmalschutzes in Sachsen ist allgemein anerkannt und wird für die Zukunft gesichert.“

Ziel ist eine bürgerfreundliche, moderne und transparente Weiterentwicklung des Denkmalschutzes. Denn die künftigen Aufgaben einer weiter alternden Gesellschaft mit weniger Einwohnern stellen auch neue Anforderungen an den Denkmalschutz. Diese Diskussionsphase wird jetzt beginnen.

Es ist zweifellos zu begrüßen, dass das Innenministerium Gesprächsbereitschaft signalisiert. Jedoch erst, wenn wir sehen, mit wem und worüber man bereit ist zu sprechen, können wir einschätzen, was diese Zusage tatsächlich wert ist. In dieser Hinsicht muss man sich schon fragen, was mit dem Verweis auf die demografische Entwicklung eigentlich kommuniziert werden soll. Alles hängt freilich von der Demografie ab. Auch die Müllabfuhr.

Wird hier schon einmal vorsorglich ein neuer Aber-das-können-wir-uns-doch-nicht-leisten-Knüppel aus dem Sack gezaubert?

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.12.2010 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Dank Kabel-TV genieße ich MDR, so oft es nur geht, besonders Sendungen über Architektur (Frauenkirche!), Natur und Umwelt, bin daher recht gut auf dem laufenden. Laßt Euch nicht beirren – kämpft weiter für die Erhaltung Dresdens! 1985 fuhr ich – noch mit einem Transitvisum, von Dänemark kommend Richtung Wien – durch diese Stadt und war trotz Zerstörungen und baulichen Irritationen begeistert. Was passiert, wenn Denkmalschutz unterlaufen wird, sehe ich an meiner Heimatstadt Wien: Von Geburt an mit Leidenschaft in der Inneren Stadt (1. Bezirk) zu Hause, habe ich mich zwar sehr über die Zuerkennung des Welterbetitels für die “Altstadt” Wiens gefreut, zugleich aber doch darüber gewundert (und wundere mich täglich mehr): Nicht mehr lange, und auch Wien wird dieser Titel wieder aberkannt werden, wenn unsere Stadtväter und Politiker so weitermachen. Dachlandschaften werden zerstört (Dachausbau!), Sichtproportionen und -linien durch protzige, nur auf Gewinnmaximierung gerichtete Hochhäuser ruiniert, usw. usw. – Vor einem Jahr bin ich (nach 66 Jahren) in einen Außenbezirk gezogen; mittlerweile macht mich der Anblick meiner “alten Heimat” so traurig, daß ich wenn irgend möglich einen Bogen um dieses “Welterbe” mache …
    Ganz liebe Grüße!

    … schrieb Ilse Khayat am Dienstag, dem 24.08.2010, um 18:51 Uhr.