Achse des Guten

Sonntag, 15. August 2010

von Johannes Hellmich

Sie [die UNESCO – Anm. d. Red.] hört nicht mehr nur auf durch nichts legitimierte, selbst ernannte Gutmenschen, denen es um nichts anderes als um das Durchsetzen ihres eigenen Willens geht, koste es, was es wolle. Das hat die UNESCO offensichtlich erkannt. Nichts fürchtet die UNESCO mehr, als dass es ein zweites Dresdner Elbtal gibt; sie verhält sich daher – jetzt – klug. Auch hierüber freuen wir uns.

Dr. Brauns, 10. August 2010, www.neue-waldschloesschenbruecke.de

Autsch! Da war er wieder! Der – natürlich immer nur selbst ernannte – Gutmensch. In destruktivem, aller demokratischen Willensbildung hohnsprechendem Eigensinn, in völliger Verkehrung seiner tatsächlichen Absichten mit dem Prädikat „gut“ sich schmückend, war es ihm gelungen, eine arglose UNESCO zu täuschen, die sich deshalb Dresden und Sachsen gegenüber – damals – nicht klug verhielt. Alle Wühlarbeit war, wie wir heute wissen, umsonst. Mit der provozierten Aberkennung des Welterbetitels für Dresden hatten sich die Brückengegner schließlich nur selbst geschadet. Und der UNESCO. Nicht aber den um eine furchtlose CDU gescharten Dresdnern.

Mit dem Gutmenschen erhält der Brückengegner endlich eine Fratze, die Dr. Brauns dankenswerter Weise nun einer breiteren Öffentlichkeit sichtbar macht. Jetzt erst zeigt sich: Dieser Gutmensch ist die Wurzel allen Übels, nicht, wie bisher vermutet, der hegemoniale Anspruch eines diktatorischen Welterbekomitees!

Mehr noch; die Standhaftigkeit der Brückenfreunde entfaltet nun ihre heilsame erzieherische Wirkung auch bei der UNESCO selbst. Landesväterliche Strenge und wohlmeinende Zurechtweisung waren nicht Selbstzweck, denn eine zunächst störrische UNESCO hat am Rhein doch Vernunft angenommen und annehmen müssen. Durchaus mit Erfolg: Die Machenschaften einer weltumspannenden und aus Amerika gesteuerten Gutmenschenverschwörung konnten ein „zweites Dresdner Elbtal“ nicht erreichen! Paris und Aachen haben die Achse des Guten aufgekündigt. Dr. Brauns würde im Pluralis majestatis sagen: Wir freuen uns!

Man muss wissen: Hans-Joachim Brauns ist hauptberuflich als Richter tätig. Während der Dienstzeit fühlt er sich – davon dürfen wir fest ausgehen – rechtsstaatlichen Prinzipien und dem Zweck staatlicher Ordnung als Fundament für Freiheit, Wohlstand und Prosperität verpflichtet. In seiner Freizeit aber entlarvt der Gutmenschen-Inquisitor abseits demokratischer Kultur scharfsichtig das Treiben jener dunklen Kräfte, die – wie er findet – niemand legitimiert hat. Denn: Stadtrat werden, Bürgerinitiativen gründen und Unterschriften sammeln kann schließlich jeder. Herr Dr. Brauns hat es bewiesen.

Dass der Richter gemeinsam mit seiner Partei gerade auch selbst eigenen Willen, koste es, was es wolle, durchzusetzen versucht, wird er vermutlich erhobenen und hochrot verfärbten Hauptes energisch zurückweisen. Für den Chefaufklärer möchten wir an dieser Stelle auf einige erhellende Erläuterungen einer möglichlicherweise auch durch Gutmenschen unterwanderten so genannten freien Enzyklopädie verweisen: auf Wikipedia.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.10.2012 aktualisiert.
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6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. “In destruktiver, aller demokratischen Willensbildung hohnsprechender Eigenwilligkeit”…

    Es bleibt dabei, dass ein mehr als eindeutiger Bürgerentscheid Demokratie in Reinform ist.
    Daher fällt der von Zynismus nur so strotzende Artikel auf sie selbst zurück, denn die demokratische Willensbildung ist erfolgt, die Rechtmäßigkeit juristisch geprüft – die Umsetztung jedoch über jedes vernünftige Maß hinaus verzögert und dadurch verteuert.

    … schrieb F am Montag, dem 16.08.2010, um 10:51 Uhr.

  2. So zitiert Victor Klemperer zum Gebrauch ironischer Anführungszeichen in der LTI:

    Man unterscheidet zwischen deutschen Katzen und “Edelkatzen”.

    Und so überschreibt Herr Dr. Brauns seinen Artikel:

    Zur “Genehmigung” der Brücke über den Rhein durch die UNESCO

    … schrieb W am Montag, dem 16.08.2010, um 14:49 Uhr.

  3. “Dr. Brauns würde im Pluralis majestatis sagen: Auch hierüber freuen wir uns!”

    Nicht mal den Pluralis beherrscht der Herr Dr. Braun.
    Aber unbelehrbar auf die UNESCO schimpfen. Sowas auch.

    Richtig müßte es heißen: “Auch hierüber freuen Wir (wahlweise WIR) uns” .

    … schrieb visitor y am Mittwoch, dem 18.08.2010, um 09:29 Uhr.

  4. @ visitor y

    Korrekt. Aber Sie sollten natürlich nicht übersehen, dass Johannes Hellmich den Pluralis majestatis Herrn Dr. Brauns in den Mund legt.

    … schrieb Eduard Zetera am Mittwoch, dem 18.08.2010, um 12:56 Uhr.

  5. Eben.

    … schrieb visitor y am Mittwoch, dem 18.08.2010, um 13:27 Uhr.

  6. Nun haben Sie Johannes Hellmich der Legasthenie und mich der Unaufmerksamkeit überführt. Chapeau!

    Ja, und weiter?

    … schrieb Eduard Zetera am Donnerstag, dem 19.08.2010, um 07:14 Uhr.