Der Stadtrat muss zur Kulti-Beschlusslage vor dem 3. Juli 2008 zurück

Dienstag, 13. Juli 2010

Eine Pressemitteilung
der Interessengemeinschaft
„Neues Konzerthaus Dresden“

vom 18.11.2009

Was die Stadt bisher verschweigt: Es gab vor dem 3. Juli 2008 eine im Stadtrat abgestimmte Beschlusslage zum Kulturpalast „Sanierung des Gebäudes und akustische Verbesserung des Saales für die Philharmonie ohne Eingriff in die Konstruktion“, die Machbarkeitsstudien und Entwurfsplanungen umfassten und rund 5 Mio. Euro gekostet hatten. Mit der Umsetzung des neuen Wettbewerbsentwurfs (2009) würden diese Ausgaben wissentlich in den Sand gesetzt.

Die Beschlusslage vor dem 3. Juli 2008 kam in langjähriger Planung zustande (z.B. von 1998-2001 in einer Arbeitsgemeinschaft mit zehn Fachingenieursbüros) und wurde nur deshalb nicht umgesetzt, weil die Stadt damals kein Geld hatte. Der Woba-Verkauf war noch nicht vollzogen.

Unerklärlich ist, weshalb die Stadt neue Pläne geschmiedet hat und diese dem Stadtrat am 03.07.2008 als Beschlussvorlage vorlegte. Sie will damit eine von der Größe her optimale Spielstätte zerstören, Konflikte mit den Dresdner Bürgern heraufbeschwören und sich unkalkulierbaren Kostenrisiken aussetzen. Auch die Begründung „Fördermittel“ ist nicht plausibel, weil die Stadt außer der jetzt vorliegenden „Ideensammlung“ (Skizzen und Prospekt) keine konkrete Planung hat und demzufolge die tatsächlichen Kosten nicht kennt.

Der gemeinschaftsbildende Effekt, den die Stadt anstrebt, ist auch ohne Bibliothek und Herkuleskeule zu erreichen. Neben gastronomischen Einrichtungen könnte sich für die gewünschte Nutzung der tagsüber freien Raumbereiche die Größe der Flächen im Gebäudeinneren sowie der zentrale Standort des Kulturpalastes für eine Galerie der internationalen und nationalen Moderne eignen, gemäß Aussage des Generaldirektors der Staatlichen Kunstsammlung Martin Roth (DNN, 13.11.2009), Zitat: „Ohne undankbar sein zu wollen, Sachsen muss sich überlegen, wie es sich in Zukunft zu seinen (Gegenwarts-) Künstlern verhalten will.“ Musik und bildende Kunst sind nah beieinander, näher als Bibliothek und Herkuleskeule. Zudem wäre aufgrund notwendiger Sicherheitsvorschriften und des geforderten Brandschutzes zwischen Konzertsaal und Bibliothek die völlige Trennung beider Bereiche erforderlich. Gemeinschaftsbildend wäre das nicht.

Fazit: Das Hochbauamt Dresden hat versäumt, vor dem Beschluss vom 03.07.2008 eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten, die den Umbau des Kulturpalastes unter Einbeziehung der genannten Funktionen (Konzertsaal, Bibliothek, Herkuleskeule) zum Gegenstand hat. Da mit der Entwurfsplanung zum jetzigen Beschluss noch nicht begonnen wurde, sollte der Stadtrat beschließen, zu der vorherigen Beschlusslage „Sanierung und akustische Aufwertung“ zurück zu kehren. Der Stadtrat sollte zu der am Akustikmodell erprobten und vom Stadtrat einstimmig angenommenen, dem Hochbauamt vorliegenden und über Jahre ausgereiften Entwurfsplanung anknüpfen und damit den verhängnisvollen Beschluss V2349-SR70-08 vom 03.07.2008 außer Kraft setzen, gemäß der Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn Du entdeckt hast, dass Du ein totes Pferd reitest, steige ab.“

Perspektive: Die IG wird weiter um ein neues Konzerthaus ringen. Ausgehend vom 1. Forum „Visionen für Dresden“ im George Bähr Forum der TU Dresden am 17.11.2009 wurden die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement besiegelt. „Das Ziel ist, eine Stiftung zu gründen, die 40 Mio. Euro für den Bau einwirbt und die Betreibung eines neuen Konzerthauses übernimmt. Die Stiftung wird von einem Förderverein begleitet“, so Prof. Dr. Heinz Diettrich, Sprecher der IG.

Aufruf: Der Kulturpalast, der zur DDR-Nachkriegsmoderne zählt und ein Denkmal der „Architekturgeschichte“ darstellt, zudem für die Unterhaltungsveranstaltungen unentbehrlich ist, sollte nicht zerstört werden.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.12.2010 aktualisiert.
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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die Aussagen sind völlig richtig. Unklar bleibt weiterhin, warum die Erklärung zum Denkmal für den Weg aus dem Innenministerium so langen brauchte, aus welchem Grund die Planungen zur Sanierung abgebrochen wurden und mit welchem Recht behauptet wird, daß der neue “Weinberg”-Saal akustisch so super toll ist. Das Modell gilt als nicht mehr zeitgemäß und verhindert eine rentable Bespielung mit den auch notwendigen Unterhaltungsproduktionen: Für ein Konzert der Philharmonie (alle Ehre, ein tolles Orchester!) können alle Plätze mit Publikum belegt werden, obwohl ein Konzert leider nie ausverkauft ist, für Unterhaltungsproduktionen, die Frontalansicht benötigen, müßte ein Teil der Plätze abghängt werden. Folge: weniger Plätze = höhere Preise. Eigenartig, wie man sowas überhaupt vorschlagen kann!

    … schrieb Jana am Donnerstag, dem 15.07.2010, um 00:28 Uhr.

  2. Wenn ich die Stadt richtig verstanden habe, soll die U-Musik ins Ostra-Gehege abgeschoben werden, wofür man “sowieso” jetzt eine einzige Straßenbahnlinie und die zeitweise Wiedereröffnung der Fährverbindung anstrebt. Massenbetrieb bringt wohl mehr Übernachtungen in die Stadt und verstopft so schön die Dresdner Straßen?

    Dass nach Umbau der Kulturpalasts zum reinen Konzertsaal noch 85% des bisherigen Repertoires möglich sein soll, gründet sich wohl auf den Vergleich mit dem Gewandhaus in Leipzig. Allerdings kann ich mir aus zwei Gründen nicht vorstellen, dass das auch für den Kulturpalast gelten soll.

    Die Veranstalter laufen Sturm gegen den Umbau. Der eine Grund ist der erhöhte Aufwand für den Bühnenaufbau bei womöglich halbierter Anzahl von Plätzen mit guter Sicht. Das macht die Plätze teuer und reduziert wahrscheinlich die Auslastung – bzw. es werden statt dessen für die Veranstalter attraktivere Spielstätten bevorzugt werden -> Verlust an Wirtschaftlichkeit für den Kulturpalast.

    Der zweite Grund ist ein akustischer. Veranstalter legten in offenen Briefen dar, dass die optimale Nachhallzeit für einen reinen Konzertsaal zu akustischen Problemen beim Bespielen des Saals mit verstärkter Musik führt. D.h. die zu teuer gewordenen Karten werden bei der U-Musik noch nicht mal den erwarteten Hörgenuss bieten. D.h. Gäste kommen vielleicht nur noch 1 mal und dann nie wieder. Der derzeitige Kompromiss auch in der Nachhallzeit lässt beides zu – U- und E-Musik.

    Ich habe den Eindruck Dresden soll mit Massen-Events überschwemmt werden. Und der Kulturpalast wird vermutlich mangels Rentabilität wieder geschlossen werden – denn durch die Bibliothek werden auch die Betriebskosten des Hauses steigen, die aber nicht durch die Gäste der Bibliothek aufgebrcht werden – kann mir das bei den derzeitigen 20 Euro pro Jahr pro Leser jedenfalls nicht vorstellen.

    … schrieb Silvia am Sonntag, dem 18.07.2010, um 18:11 Uhr.

  3. Ja, wann merkt die Stadt, dass sie ein totes Pferd reitet? Die Stadt hat bisher keinerlei Kostenüberblick über den Umbauplan des Kulturpalastes. 65 Millionen Euro sind eine willkürlich geschätzte Summe, die angeblich der Umbau kosten darf. Wenn die jetzt begonnene Planung höhere Kosten nachweist, dann gehen diese Mittel bei Realisierung der Umbaupläne langfristig der Schulsanierung oder dem Bau von Kitas verloren. Eine Sanierung und akustische Ertüchtigung das großen Saales, damit die Dresdner Philharmonie eine bessere Akustik bekommt, ist unter den knappen Finanzmitteln Gebot der Stunde. Das sollte auch die Dresdner Philharmonie verstehen.
    Also: Unnötige Investitionen sollte die Stadt tunlichst unterlassen. Der Kulturpalast ist die Stadthalle Dresdens. Das kann weder die Messe ersetzen, noch kann es der Umbau erfüllen. Ein gut funktionierendes Gebäude rüstet man nicht um, schon gar nicht unter Berücksichtigung der vielen schwerwiegenden Nachteile, die sich dadurch ergeben.

    … schrieb A. Schmidt am Donnerstag, dem 22.07.2010, um 21:15 Uhr.