Hornhaut auf der Seele

Sonntag, 27. Juni 2010

Auf einer Einwohnerversammlung am 04.12.2009 im Kulturpalast stellte Prof. Manfred Zumpe die Position der IG Neues Konzerthaus erstmal öffentlich vor. In seinen Vorbemerkungen heißt es zum Umbau des Kulturpalasts:

Wir vertreten die Auffassung, dass bei einem Totalumbau des Kulturpalastes wie er z.Zt. geplant wird, wichtige Grundsätze Sächsischer Denkmalpflege missachtet und Urheberrechte der in Dresden lebenden Architekten verletzt werden. Der Mehrzwecksaal, in dem wir uns befinden, ist das Herzstück dieses Hauses. Wenn man sich vorstellt, dass eines Tages Abbruchgeräte in diesem Saal aufgestellt werden, um ihn zu zerstören, läuft es Vielen von uns kalt über den Rücken. Dies würde als ein barbarischer Akt von den Medien in die Welt getragen und der Stadt Dresden einen großen moralischen Schaden zufügen. Der Architekt dieses Hauses, Wolfgang Hänsch, Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten, wurde im Sommer dieses Jahres von der Technischen Universität Dresden mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde für sein Lebenswerk in unserer Stadt ausgezeichnet.

Es ist nach unserem Verständnis mit den Moralprinzipien des BDA nicht vereinbar, ein erst 40 Jahre altes und bedeutendes Werk der Nachkriegsmoderne in Dresden aufzugeben. Wer das tut hat „Hornhaut auf der Seele“!

Der größte Verlust für Dresden entsteht aber, wenn der geplante Umbau tatsächlich vollzogen wird, weil Dresden damit seine wunderbare multifunktionale Stadthalle verliert.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 03.01.2011 aktualisiert.
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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Den Ausführungen von Prof. Manfred Zumpe kann man nur zustimmen. Man ist fassungslos, zu welchen unsinnigen Beschlüssen es in der Stadt kommen kann. Die langjährigen Besucher des Kulturpalastes, die unzählige Unterhaltungsshows dort erlebt haben, werden “in die Ecke gestellt”. Sie wurden nie gefragt, ob sie die Shows künftig in der Messe sehen wollen. Sie wollen nicht. Sie wissen, dass die Akustik in der Messe nicht geeignet ist, Musikshows zu präsentieren. Die, die diese Entscheidung getroffen haben, sind ahnungslose Denkmalzerstörer.

    … schrieb A. Schmidt am Sonntag, dem 04.07.2010, um 22:18 Uhr.

  2. Der Denkmalschutz ist immer in Gefahr, aber derzeit besonders. Nicht nur die angekündigte Novelle zum Sächsischen Denkmalschutzgesetz lässt verantwortungsvolle Bürger aufhorchen. Auch das Beispiel Kulturpalast mit der geplanten inneren Zerstörung beschäftigt ehrenamtliche Denkmalschützer seit langem. Wie ich auf diesen Seiten lesen konnte, hat selbst die Sächsische Akademie der Künste eindeutig Stellung zu dem Gebäude genommen: bedeutender Bau der Nachkriegsmoderne. Zählt das heute nicht mehr? Beginnt behördlicher Denkmalschutz erst bei Gebäuden wie dem Dresdner Residenzschloss o.ä.?
    Nein, so darf Politik nicht aussehen: fachlich inkompetent und ohne Gehör für Argumente und mehrheitlichen Interessen. Denn dass die Dresdner mit ihrem Kulturpalast seit 40 Jahren mehrheitlich verbunden sind, steht ohne Zweifel.

    … schrieb Anja am Donnerstag, dem 22.07.2010, um 21:35 Uhr.

  3. In der Tat bedenklich!
    “Beginnt behördlicher Denkmalschutz erst bei Gebäuden wie dem Dresdner Residenzschloss?”

    Auch in diesem “high-end”-Bereich des Denkmalschutzes gibt es ja akut gravierende Probleme, man denke nur an das Elbbrücken-Weltkulturerbe-Desaster. Unprofessioneller ging es ja kaum mehr! Auch wenn ich selbst kein Freund der DDR-Architekur a la Kulturpalast bin, macht es für mich überhaupt keinen Sinn ein gut etabliertes und stark genutztes Gebäude ohne Not zu opfern.
    VG, Eva

    … schrieb Eva am Montag, dem 30.08.2010, um 13:27 Uhr.