Eigentum verpflichtet nicht

Donnerstag, 24. Juni 2010

In der Süddeutschen Zeitung vom 22.06.2010 beschäftigt sich ein Beitrag von Ira Mazzoni sehr ausführlich mit der aktuellen Debatte um die Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Der Schluss des Beitrags sollte den Dresdnern in den Ohren klingen:

Mit der grundsätzlichen Weigerung, Denkmal- und Kulturlandschaften anzuerkennen, stellt sich das so reiche Kulturland Sachsen ins internationale Abseits. Mit dem neuen Gesetzesentwurf erfüllt es noch nicht einmal die Bedingungen, zu denen sich alle Unterzeichner der Welterbe-Konvention verpflichtet haben. Es ist ein Hohn – und die Umkehrung aller rechtlichen Konsequenzen –, wenn der Gesetzesentwurf die nominierten Welterbestätten exklusiv in die Kategorie der besonders geschützten „Kulturdenkmale mit herausragender Bedeutung“ aufnimmt. Da auch die Europäische Union Kulturlandschaften immer mehr würdigt und sie gerade in Hinblick auf demographische Entwicklungen und Wanderungsbewegungen bewusst fördert, schlägt der Freistaat mit seinem kurzsichtig neoliberalen Denkmalschutz-Gesetz wesentliche Hilfestellung für eine nachhaltige Entwicklung aus.

Das wird auch Auswirkungen auf die touristische Entwicklung vieler Landstriche haben, die ohne den Fremdenverkehr längst verödet wären. Das geplante Denkmal-Enthebungsgesetz negiert das Bedürfnis nach Intaktheit genauso wie ernsthaftes Geschichtsbewusstsein. So lange mehr Wirtschafts-Fördergelder für den Abriss eines Denkmal bereit stehen als für dessen Erhaltung, wird sich das Kulturland Sachsen 20 Jahre nach der Wende erst schleichend, dann zusehends radikal verändern.

Wäre dieses Gesetz vor 20 Jahren verabschiedet worden, die Dörfer der Oberlausitz wären wohl nie Heimat und Bilderbuch-Sehnsuchtsland geworden. Selbst Görlitz hätte keinen Welterbe-Status.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.10.2012 aktualisiert.
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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit Entsetzen habe ich den Artikel in der Sueddeutschen Zeitung vom 22. Juni (“Eigentum verpflichtet nicht”) gelesen. Ich bin in Wurzen geboren und in Leipzig aufgewachsen. Zur Zeit lebe ich im Ausland und kann somit solche negativen Entwicklungen wie z.B. die Streichung des Dresdner Elbtal von der Liste des Weltkulturerbes und geplanten Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes nur ohnmaechtig aus der Entfernung mitverfolgen. Doch sollte es weitere Aktionen wie Buergerbegehren, Unterschriftensammlungen oder aehnliches geben, ich bin dabei!

    Ich hoffe sehr, dass in Zukunft die Entmuendigung der Buerger gestoppt werden kann.

    Mit freundlichen Gruessen,

    Bettina Schmidt

    … schrieb Bettina Schmidt am Samstag, dem 26.06.2010, um 23:45 Uhr.