Der Anker

Montag, 12. Mai 2008

Wahlkampf kann ganz schön langweilig sein. Rein verbal auf den politischen Gegner einzuhacken ist unsportlich und für den Zuschauer höchst langweilig.

Schön wäre es, wenn Helma Orosz, OB-Kandidatin der CDU, auch etwas sagen und endlich ein wenig mitmachen würde, wo die anderen Kandidaten schon längst angefangen haben, zumindest verbal auf die Probleme ihrer Wähler einzugehen. Zwei Einladungen zu Wahlveranstaltungen erreichten Frau Orosz nicht. Ein Jammer! Das wäre dann schwierig, eine Stadt zu regieren, wenn schon simple Einladungen nicht zustellbar sind. Frau Orosz nennt das Welterbe eine „Herzensangelegenheit“ und beharrt trotzdem auf dem zügigen Bau der Brücke. Bitte! Es sollte sich doch bis in die Räume aller Fraktionen herumgesprochen haben, dass dies unvereinbare Gegensätze sind. Gut: Bertrand Russell war auch der Überzeugung, dass es keinen Unsinn gibt, den eine Regierung ihren Untertanen nicht einreden könnte.

Die Rabenfedern aus dem Schnee von gestern will Eva Jähnigen (Bündnis90 / Die Grünen) lesen, da das Welterbe auch für sie eine Herzensangelegenheit ist. Allerdings will sie zurückbauen, was nach Ansicht der UNESCO nicht auf die Waldschlößchenwiese gehört.

„Dresden soll zur führenden Metropole in Europa werden“, sagt der FDP-Mann Dirk Hilbert. Wie er mit Dresden an Paris oder London vorbei ziehen will sagt er nicht. Sein Programm erwarten wir noch.

Dr. Peter Lames (SPD) und Friedrich Boltz (Einzelkandidat) wollen klar den Welterbeerhalt. Dr. Klaus Sühl (Die Linke) würde noch die Gemengelage diskutieren. Na, also!

Sogar die Staatsminister fallen eine/r nach der/dem anderen unter die Welterbe-Retter/innen. Nur Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) nicht. Der kann nicht tiefer fallen. Der hat dienstlich mit Bankenkrisen und privat mit Renditen aus Immobilienfonds zu tun und ist endlich zurückgetreten. Dieser Verlust ist wahrlich verkraftbar.

Der designierte sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) will: „… der Ministerpräsident aller Sachsen sein, politische Gräben überwinden und alle einladen, an der Zukunft unseres Landes mitzugestalten“.

Vielleicht geht ihm ein Licht auf und er erkennt, dass sich auch mit dem Welterbe Geld machen lässt! Doppelt sogar: Die Auftragnehmer für den Brückenbau werden entschädigt und dann wird mit einem hochmodernen Tunnel noch mal Geld verdient. Keine Mittel? Quatsch! Die sich abzeichnende Rückforderung von 96 Mio. Euro Fördermitteln durch die Bundesregierung bei Verlust des Welterbes und die Mehrkosten durch die ins unermessliche steigenden Stahlpreise werden das Projekt Waldschlösschenbrücke ohnehin unaufhaltsam zu einem finanziellen Desaster machen! Das kann Dresden nicht bezahlen! Schauen wir, dass Stadtverwaltung und Landesregierung nicht weiterhin verscheuern und verjubeln, was Generationen vor uns aufgebaut haben! Schauen wir, dass mit unseren Steuergeldern nicht weiterhin Milliardenverluste gemacht werden, dann können wir uns auch die Erhaltung des Weltkulturerbes, der Waldschlößchenwiesen und eine moderne Lösung leisten! Die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung gilt dem Welterbe-Erhalt nicht dessen Zerstörung!

Hoffen wir auf einen hohen Wirkungsgrad der bevorstehenden Wahlen und die zügige Ablösung der amtierenden Welterbeschänder!

Jedes Volk hat die Regierung,
die es verdient.

Joseph de Maistre

Dumm nur, wenn man eine Regierung abbüßen muss, die andere verdient hätten!

Dieser Artikel wurde zuerst auf elbtunnel-dresden.de veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.10.2012 aktualisiert.
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