Das Obere Mittelrheintal bleibt UNESCO-Welterbe

Freitag, 30. Juli 2010

von Eduard Zetera

In einer Pressemitteilung des Auswärtigen Amts vom heutigen Nachmittag lesen wir dazu:

Bei seiner Sitzung in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia hat das Welterbekomittee der UNESCO am gestrigen Donnerstag (29.07.2010) den Weg für den Beginn der Planungen einer Rheinquerung im Oberen Mittelrheintal freigemacht.

Das Auswärtige Amt begrüßt diesen Schritt, der es erlaubt, Kulturlandschaften nicht nur zu erhalten, sondern auch weiterzuentwickeln. Die Zustimmung des Komitees zum Beschlussvorschlag des Landes Rheinland-Pfalz ist das Ergebnis einer intensiven Kooperation und detaillierten Informationspolitik von deutscher Seite.

Aufgrund von neu vorgelegten Studien kam das Komitee zu dem Schluss, dass eine Brücke die ökonomisch sinnvollere Alternative für einen Rheinübergang sei und gleichzeitig den einzigartigen Charakter des Mittelrheintals nicht grundsätzlich beschädige.

Unter den „neu vorgelegten Studien“ wird auch jene von Prof. Kunibert Wachten sein, die zu dem Schluss kommt, dass eine Brücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen (ohne Blickachse zur Loreley) welterbeverträglich ist. Es ist jener Prof. Kunibert Wachten, Inhaber des Lehrstuhls und Instituts für Städtebau und Landesplanung der RWTH Aachen, der in seinem Gutachten zum ehemaligen Welterbe Dresdner Elbtal zu der entscheidenden Feststellung gelangt: „Die Waldschlösschenbrücke zerschneidet den zusammenhängenden Landschaftsraum des Elbbogens an der empfindlichsten Stelle und teilt ihn irreversibel in zwei Hälften.“ Dieses vernichtende Urteil war ein wesentlicher Grund für die Entscheidung der UNESCO, dem Dresdner Elbtal den Welterbestatus abzuerkennen.

Der gleiche Gutachter schreibt zum Oberen Mittelrheintal:

Die geplante Rheinbrücke kann einem veränderten Selbst- und Raumverständnis Ausdruck verleihen, das die Sicherung und Weiterentwicklung des Welterbebereiches in einer integrierten sowie zusammenhängenden und nachhaltigen Raumentwicklung sieht und das für die Vermeidung wirtschaftlicher und sozialer Divergenzen der beiden Rheinseiten essenziell ist.

Das Urteil hat manchen überrascht (zumal Kunibert Wachten vor Dresden bereits gegen den Hochhausbau in Sichtweite vom Kölner Dom Stellung bezogen hatte), es wird vielen nicht gefallen, aber es ist begründet und die UNESCO schließt sich dem nun offensichtlich an.

Dieser Umstand ist für die Brückenbauer in der sächsischen Landesregierung und der Dresdner Stadtverwaltung gleich in mehrerlei Hinsicht eine schallende Ohrfeige:

Zunächst einmal entzieht sie dem pauschalen Vorwurf, mit der bösen UNESCO könne man in Welterbegebieten keine Brücken bauen, jegliche Grundlage. Es gibt keine fortschrittsfeindliche UNESCO, die über Welterbegebiete Käseglocken stülpt, um sie im musealen Mief zu ersticken. Hierbei handelt es sich allenfalls um ein Phantom, das bis heute durch die Rechtfertigungslehren Dresdner Brückenbauer spukt, obwohl selbst die UNESCO im Fall von Dresden den Wunsch nach einer Elbquerung anerkannt und die Realisierung als Elbtunnel als welterbeverträglich bewertet hatte.

Ebensowenig gilt jedoch der Umkehrschluss: Was am Rhein geht, muss noch lange nicht an der Elbe möglich sein. Es bleibt stets eine Einzelfallentscheidung der Gutachter. Wohl gemerkt: der Gutachter, denn ihr Urteil ist es, von dem sich die UNESCO leiten lässt. Nichts sonst.

Wer daran noch immer Zweifel hegt, und glaubt, das UNESCO-Welterbekomitee sei ein von Launen geleitetes Gremium, welches nach Gutsherrenart entscheidet, kommt gleichwohl um eine weitere Einsicht nicht umhin: Der dreiste bis rüpelhafte Ton sächsischer Spitzenpolitiker (allen voran unsere Ministerpräsidentenriege sowie ein Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium) gegenüber der UNESCO war wohl nicht besonders zielführend im Umgang mit ebendiesem Gremium.

So wird denn auch Bertram Fleck, Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises und derzeit Teilnehmer an der für ihn so wichtigen Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Brasilia, von der Rhein-Zeitung am 28.07.2010 mit den Worten zitiert:

Ich habe in allen Gesprächen mitbekommen, dass man das Vorgehen der Landesregierung positiv aufnimmt. Dass man im Gegensatz zu Dresden nicht rigoros auftritt, sondern den Dialog sucht, sich eher defensiv verhält und mit leisen Tönen sein Anliegen vorträgt, Gutachten vorlegt und sich mit den Verantwortlichen abstimmt, kommt hier in Brasilia überall sehr gut an.

Zur Arbeit der deutschen Botschaft vor Ort sagt er: „Unsere Botschafterin ist ständig präsent, vermittelt Kontakte und gibt wertvolle Tipps.“ Die können dann auch mal den Zusatz enthalten: „Aber sagt, dass ihr nicht aus Dresden kommt.“

Wenn Dresden in diesem Zusammenhang also überhaupt ein Verdienst zukommt, dann wohl der, dass es als schlechtes Beispiel zur Verfügung steht. Denjenigen, die um eine welterbeverträgliche Elbquerung am Waldschlößchen in Form eines Elbtunnels gerungen haben, ist das kaum zuzuschreiben. Das sei vor allem jenen Brückenfreunden ins Stammbuch geschrieben, die bis heute meinen, die Dresdner Welterbebewegung sei an allem Schuld.

Nachtrag: Ein lesenswerter Beitrag zum Thema Einzelfallentscheidung findet sich unter dem Titel „Brücke ist nicht gleich Brücke“ in der SZ Online vom 04.08.2010.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.12.2010 aktualisiert.
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11 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Laut den hier geltende „Regeln für Kommentare“ soll man ja „darauf achten, dass nicht Sarkasmus oder eine ähnliche Abart des Humors benutzt wurde, ohne ihn mit einem Smiley zu kennzeichnen.“ Deshalb erkläre ich hiermit (allerdings ohne Smiley): Der folgende Kommentar wird durchgängig ein wenig Ironie und Sarkasmus enthalten.

    Lieber Herr Zetera,

    ich war schon sehr gespannt darauf, wie man sich auf der Seite der WSB-Gegner die aktuelle UNESCO-Entscheidung zurechtbiegen würde, damit sie ins Weltbild passt. Und ich muss sagen: Wirklich gelungen! Klingt alles sehr schlüssig.

    Beim Thema UNESCO steht zunächst einmal das unumstößliche Naturgesetz vor allen Betrachtungen: Sämtliche Entscheidungen und Erklärungen dieser Organisation sind per Definition korrekt. Kritikpunkte bei deren Mitarbeitern zu suchen, wäre Blasphemie. Wenn Kritiker behaupten, die UNESCO entschiede gelegentlich nach recht unnachvollziehbaren Kriterien, dann gehen diese Leute falsch an die Sache heran. Als die UNESCO beispielsweise kürzlich entschied, die Galapagos-Inseln von der Roten Liste zu streichen, obwohl Naturschützer das ganz anders sehen , dann haben die Naturschützer logischerweise Unrecht. Falls die 10 Gebote einmal wieder überarbeitet werden, muss dringend auch mit hinein: „Du sollst die Entscheidungen der UNESCO nicht in Zweifel ziehen!“

    Dass Brücken in Flusstälern laut Sichtweise ein und desselben Gutachters in einem Fall „Landschaften irreversibel zerschneiden“ (also schlimm sind), im nächsten Fall aber „einem veränderten Selbst- und Raumverständnis Ausdruck verleihen“ (also toll sind) ist demzufolge völlig korrekt, nachvollziehbar und logisch. Und das ist es ja auch tatsächlich, denn beide Aussagen (die eigentlich nur wohlklingend formulierte Gemeinplätze sind) stehen genaugenommen in gar keinem Widerspruch. Selbstverständlich kann man bei jeder Brücke sehen, sie würde „ veränderten Selbst- und Raumverständnissen Ausdruck verleihen“. Das klingt zwar reichlich schwülstig, ist aber nie falsch. Und selbstverständlich wird man auch jeder Brücke in Tälern andichten können, sie „zerschneide Landschaften irreversibel“. Ja, wie auch sonst? Etwa reversibel? Also umkehrbar? Das Wort “irreversibel” ist lediglich eine überflüssige, aber angenehm bedrohlich klingende Einfügung. Bei Poesie-Wettbewerben hätte die RWTH Aachen mit Texten Prof. Wachten gute Chancen.

    Aber festzuhalten bleibt, dass sowohl die Ergebnisse Aachener Gutachten als auch die daraus resultierenden UNESCO-Entscheidungen nicht etwa zu dem Verdacht führen, schon vorher ausgeküngelt worden zu sein, sondern korrekt und nachvollziehbar sind.

    Ein Problemchen sehe ich aber noch: Erst letztes Jahr erschien ein Text von jemandem … wer war das doch gleich? Ach, das waren ja Sie selbst, Herr Zetera! Da schrieben Sie noch , dass ein Brückenbau im Oberen Mittelrheintal ganz falsch wäre. Da nun ja aber die Rheintal-Brücke doch okay ist und die Regel gilt: „Die UNESCO, die UNESCO hat immer Recht!“ – da müssen Sie schon zugeben, dass Sie selbst also auch einmal Unrecht hatten.

    Kann ja mal vorkommen.

    … schrieb Frank am Sonntag, dem 01.08.2010, um 11:43 Uhr.

  2. @Frank

    Anerkennung! Auch Sie haben sich einige Mühe gegeben, die Unesco-Hörigkeit der WSB-Gegner, Willkür ebendieser undemokratischen und intransparenten Organisation und Nichtnachvollziehbarkeit gutachterlicher Urteile noch einmal zusammenzufassen, mit denen sich die wahren Verteidiger von Demokratie und Souveränität den Welterbeverlust schönreden.

    Hätten Sie das anders gesehen, wenn die aktuellen Unesco-Entscheidungen anders ausgefallen wären?

    Natürlich!

    Unesco hat übrigens die Brücke in der Regensburger Altstadt nicht genehmigt; sicher auch das taktisches Kalkül.

    Wenn Sie den Beitrag von Eduard Zetera, auf den Sie verlinkt haben, noch einmal in Ruhe durchlesen, werden Sie auch ohne Sarkasmus leicht feststellen können, dass der Autor keine sachliche Aussage darüber getroffen hat, ob eine Brücke welterbeverträglich ist oder nicht, sondern zum einen die Kommunikation gegenüber der Unesco kritisierte und zum anderen auf einen möglichen Dominoeffekt des Dresdner Vorgehens hinwies, das de facto das Welterbeprogramm der Unesco schwer beschädigt.

    … schrieb roderic am Sonntag, dem 01.08.2010, um 14:42 Uhr.

  3. Lieber Frank,

    vorweg gleich meinen Dank dafür, dass Sie unsere Regeln für Kommentare beherzigen. Das gelingt wahrlich nicht jedem. Was Ihr Verhältnis zu Ironie anbelangt, kann ich Sie nur ermuntern: Ironie ist das Salz in der rhetorischen Suppe. Und wenn jemand so geschickt damit arbeitet, wie Sie das tun, sind seine Kommentare zweifellos eine Bereicherung für die Diskussion auf unserer Website.

    Damit aber zu Ihren Anmerkungen:

    Es liegt in der Natur der Sache, dass zu Gutachten stets eine zustimmende und eine ablehnende Meinung existiert. Das gilt vor allem auch, weil Gutachter zumeist dann herbeigezogen werden, wenn ein klares Urteil nicht so leicht zu finden ist und das gilt erst recht, wenn es – wie im vorliegenden Fall –, um ästhetische Fragen geht. Über Geschmack lässt sich bekanntlich schwer streiten.

    Ich habe aus gutem Grund darauf verwiesen, dass viele (allen voran ICOMOS) über das Gutachterurteil nicht glücklich sein werden. Wie Sie ganz richtig feststellen, gilt das auch für mich persönlich. Insofern bin ich mir sehr wohl treu geblieben. Ihre implizit formulierte Erwartung, die UNESCO und der Gutachter mögen (wegen der Nachvollziehbarkeit) wenn schon, dann bitteschön immer für oder immer gegen einen Brückenbau sein, geht jedoch ein Stück zu weit. Bleiben wir doch bitte bei der Einzelfallentscheidung! Und die kann, wie wir als nächstes in Regensburg beobachten können, jedes mal anders ausfallen.

    Das ist aber nicht der Punkt, denn mir ging es in meinem Artikel viel mehr noch um die Frage, wie man mit Gutachten umgeht und wie man sich auf internationalem Parkett bewegt. Wir wollen ja – getreu der Regeln für Kommentare – beim Thema bleiben: Es kann nicht oft genug gesagt werden, dass Dresdner und sächsische Politiker bei der UNESCO reichlich verbrannte Erde hinterlassen haben. Das haben sie vor allem, weil ihnen die Fähigkeit zur Kompromisssuche (von -findung reden wir noch nicht einmal) fehlt – eine Befähigung, ohne die man in der Diplomatie nicht viel Erfolg haben wird.

    Die UNESCO und der Gutachter demonstrieren diese Kompromissfähigkeit, indem sie neben ästhetischen Aspekten (im Unterschied vielleicht zu ICOMOS) eben auch gesellschaftliche und ökonomische Faktoren in ihre Urteilsbildung einfließen lassen. Die Dresdner Brückenbauer hingegen waren und sind unfähig, neben ökonomischen Aspekten eben auch ästhetische Erwägungen als relevant anzuerkennen. Und das tun sie, obwohl ihnen mit dem Elbtunnel eine Kompromisslösung offen steht, das eigentliche Ziel (eine Elbquerung) auf einem Weg zu erreichen, den auch die UNESCO für welterbeverträglich hält.

    Das ist die eigentliche Tragik.

    Viele Grüße,

    Eduard

    … schrieb Eduard Zetera am Sonntag, dem 01.08.2010, um 17:11 Uhr.

  4. Zu der Dresdner Brücke hatte es 2003 im ICOMOS-Auftrag ein Gutachten des finnischen Architekten Yukka Yokiletho gegeben, das die Brücke in Übereinstimmung mit den Welterbebedingungen sah.
    Aber das ging den Gegnern gegen den Strich. Und so musste der Professor aus Aachen mit seinem Gutachten her…

    … schrieb christian friedrich am Sonntag, dem 01.08.2010, um 22:24 Uhr.

  5. Lieber Eduard,

    Ihre implizit formulierte Erwartung, die UNESCO und der Gutachter mögen (wegen der Nachvollziehbarkeit) wenn schon, dann bitteschön immer für oder immer gegen einen Brückenbau sein, geht jedoch ein Stück zu weit.

    Das habe ich eigentlich nicht ausdrücklich so gefordert. Mir ging es mehr um die blumigen Metaphern, mit denen in diesen beiden Aachener Gutachten gearbeitet wurde. Die stören mich etwas. Eine klare Faktensprache wäre mir da lieber.

    Das ist aber nicht der Punkt, denn mir ging es in meinem Artikel viel mehr noch um die Frage, wie man mit Gutachten umgeht und wie man sich auf internationalem Parkett bewegt. (…) Es kann nicht oft genug gesagt werden, dass Dresdner und sächsische Politiker bei der UNESCO reichlich verbrannte Erde hinterlassen haben. Das haben sie vor allem, weil ihnen die Fähigkeit zur Kompromisssuche (von -findung reden wir noch nicht einmal) fehlt – eine Befähigung, ohne die man in der Diplomatie nicht viel Erfolg haben wird.

    Es gab ein paar Fälle, bei denen sich sächsische Politiker nicht sehr diplomatisch verhalten haben. Mir fällt momentan nur der Satz (ich weiß nicht mehr, von wem) ein, die UNESCO sei „wie ein Fisch im Wasser“. Das war aus diplomatischer Sicht nicht besonders pfiffig, allerdings hatte der Betreffende nicht Unrecht. Manchmal ist es nicht verkehrt, wenn jemand die elegante diplomatische Ausdrucksweise verlässt und einfach mal Klartext redet. (Mir fällt da automatisch Steinbrück mit seiner „Kavallerie“-Bemerkung zur Schweiz positiv ein).

    Jedenfalls ist es aber nicht richtig, pauschal alle Dresdner bzw. sächsischen CDU- und FDP-Politiker so einzustufen, wie Sie es tun. Es gab von dieser Seite durchaus auch (und vielleicht sogar „überwiegend“) sachliche Versuche, mit der UNESCO eine Lösung zu finden. Außerdem kann man die Situation der Rheinländer nicht mit in Dresden vergleichen: Am Rhein war man durch Dresden vorgewarnt und stellte sich von Anfang an auf mögliche Probleme seitens der UNESCO ein, während in Dresden eine anfangs klare Situation seitens der UNESCO plötzlich in ihr Gegenteil verkehrt wurde: Die UNESCO wusste vom geplanten Brückenbau und sah keine Probleme darin, gewisse Brückengegner kamen erst nach der Titelvergabe auf die Idee, hieraus noch ein letztes Druckmittel zu bauen, man brachte den bei der UNESCO ausreichend prominenten Prof. Blobel in die Spur … und plötzlich war der planfestgestellte und per rechtsgültigem Bürgerentscheid vorgesehene Brückenbau ein Problem für Dresden. Weil, so die Begründung der UNESCO, man sich die Auswirkung des Brückenbaues zu Beginn nicht hatte vorstellen können. (Kann ja mal vorkommen). Das bedeutet aber seltsamerweise nicht, dass ICOMOS & UNESCO da schlampig gearbeitet haben (was sie gar nicht haben), das bedeutet auch nicht, dass sie das Ergebnis nun auch als eigenen Fehler einstufen und trotzdem zu ihrer Vereinbarung stehen sollten – nein: Dresden ist schuld! Logisch ist das nicht.

    Abgesehen davon: Was für ein Kompromiss hätte da gesucht werden sollen? Den Versuch Prof. Burgers, die WSB etwas zu verschlanken (was natürlich nur begrenzt möglich war), könnte man eigentlich als Kompromissangebot einstufen.

    Die UNESCO und der Gutachter demonstrieren diese Kompromissfähigkeit, indem sie neben ästhetischen Aspekten (…) eben auch gesellschaftliche und ökonomische Faktoren in ihre Urteilsbildung einfließen lassen. Die Dresdner Brückenbauer hingegen waren und sind unfähig, neben ökonomischen Aspekten eben auch ästhetische Erwägungen als relevant anzuerkennen. Und das tun sie, obwohl ihnen mit dem Elbtunnel eine Kompromisslösung offen steht, das eigentliche Ziel (eine Elbquerung) auf einem Weg zu erreichen, den auch die UNESCO für welterbeverträglich hält.

    Über die Ästhetik der WSB brauchen wir nicht groß zu diskutieren – der Zug ist lange abgefahren. Schön sieht sie nicht aus, etwas durchschnittlich, allerdings ist es auch nicht das beschrieene „Monstrum“. Es gab einfach keine wirklich besseren Entwürfe. Und seien Sie ehrlich: Als WSB-Gegner wäre man gegen jeden Entwurf gewesen. Ich denke da übrigens auch immer gern an die lobenden Worte des späteren Brückengegners Prof. Marg zurück (die Sie sicher kennen), wie toll der gewählte Siegerentwurf der Brücke sich ins Elbtal einfügt (usw.)

    Und zum Elbtunnel kann man nicht oft genug sagen, dass es keinerlei Planungen dazu gibt, nur Vorabstudien. In denen liest man hauptsächlich „… genauere Planungen/ Untersuchungen sind noch erforderlich …“ . Man hätte bei Null neu anfangen müssen. Und irgendwo geht es ja doch auch ums Geld! Sämtliche bisherige Ausgaben für ein fertig geplantes Bauwerk wären für die Katz gewesen, Abfindungen für Baufirmen hätte man zahlen müssen, komplette Neuplanung für ein höchstwahrscheinlich teureres Bauwerk mit Nachteilen für bestimmte Verkehrsteilnehmer… aber wem erzähle ich das? Dass eine Elbtunnellösung als Kompromiss offen stünde, war immer nur die Behauptung einer Minderheit von Leuten, die primär ein ungeliebtes Bauwerk verhindern wollten.

    Frank

    … schrieb Frank am Montag, dem 02.08.2010, um 08:43 Uhr.

  6. @Christian Friedrich

    Sie haben Recht.

    Was Sie aber unerwähnt lassen: Im gleichen Gutachten schreibt Ilse Friedrich: „Der viel gepriesenen Fernwirkung der Stadt und der Sicht auf die Stadt ist nach wie vor Beachtung zu schenken. Gefährdungen sind […] zu erwarten […] von dem Bau der Bogenbrücke von der Johannstadt über die Elbe zur Waldschlösschen-Brauerei. Diesem schon beschlossenen Eingriff in das traditionelle Orts- und Landschaftsbild kann nur mit hoher gestalterischer Qualität begegnet werden.“ Und im Jahr 2007 gesteht Jukka Jokilehto einigermaßen zerknirscht ein, dass er offensichtlich verladen wurde: „Allerdings muss ich sagen, dass mir das ganze Ausmaß an Beeinträchtigung der Integrität der Elbtallandschaft durch die geplante Waldschlösschenbrücke damals nicht bewusst war. Bei meinem Besuch in Dresden im Herbst 2003 war zwar der Bau der Brücke beschlossene Sache, doch das Planfeststellungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Ich habe mir den Brückenstandort vom Raddampfer aus angesehen, auch Visualisierungen des Brückenbauprojektes und die Zielsetzung des Brückenwettbewerbs von 1997 zur Kenntnis genommen, eine Brücke zu bauen, die an dieser Stelle diese herrliche Flusslandschaft so wenig wie möglich beeinträchtigt. Detaillierte Planungsunterlagen aus dem Planfeststellungsverfahren wurden mir damals jedoch nicht vorgelegt.“

    Sie erzählen nur die Hälfte der Geschichte, die Ihnen gerade in den Kram passt. Und bitte: Neu ist das alles auch für Sie nicht. Bereits im Juli 2008 haben wir die Frage, ob die UNESCO nun informiert war oder nicht, komplett auseinandergedröselt. Mit dem Thema sind wir eigentlich durch.

    @Frank

    Auch Ihnen kann ich den Vorwurf, nur die halbe Geschichte zu erzählen, nicht ersparen – in mehrerlei Hinsicht:

    Sie haben doch nicht etwa die denkwürdigen Sprüche vom Welterbe, das verzichtbar sei, vergessen? Oder das Schreiben, in welchem dem Welterbezentrum die Demokratie erklärt wird? Im übrigen sollte es nicht erst des „Sündenfalls“ Dresden bedürfen, um unseren Volksvertretern klar zu machen, wie man sich auf internationalem Parkett kultiviert bewegt.

    Dass Prof. Burger um einen Kompromiss bemüht war, mag ich nicht bestreiten. Sie sollten aber dazu sagen, dass es selbst dem gewogenen Auge schwer fällt, da überhaupt einen Unterschied zu erkennen. Da war die Kompromissbereitschaft wohl arg schnell erschöpft. Und Sie sollten bitte auch erwähnen, dass die Brücke jetzt doch (ganz unverburgert) mit normalen Straßenlampen und mit Treppenaufgängen gebaut wird. Ist der Ruf erst ruiniert, baut sich’s gänzlich ungeniert …

    Wer nur will, konnte sich längst an den Gedanken gewöhnen, dass der Elbtunnel tatsächlich eine Alternative ist (übrigens: bis heute). Das sagen nicht nur ausgewiesene Fachleute, das räumten selbst die Brückenfreunde im Gerichtsverfahren gegen die Grüne Liga ein. Was seinerzeit blieb, war der vorgeblich höhere Flächenverbrauch in der Elbe beim Tunnelbau – welcher in das Argument, der Elbtunnel sei aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht genehmigungsfähig, umgedeutet wurde. Seit dem Planergänzungsverfahren wissen wir, dass es gerade anders herum ist: Der Brückenbau braucht mehr Fläche. Darum sind wir jetzt gespannt darauf, wie sich die Brückenfreunde aus der selbst erschaffenen juristischen Sackgasse herauswinden. Und von den Mehrkosten für einen Tunnel höre ich seit den Kostensteigerungen beim Brückenbau auch nicht mehr so viel.

    @Meine Herren …

    ich darf Sie bitten, etwas differenzierter zu argumentieren!

    … schrieb Eduard Zetera am Montag, dem 02.08.2010, um 09:42 Uhr.

  7. @ E.Z.

    Wir laufen nun Gefahr, die gesamte Geschichte wieder von vorn durch zu nehmen. Dazu habe ich eigentlich wenig Lust, denn dieser schönen Freizeitbeschäftigung widmete ich mich mit einigen Anderen bereits seit Jahren im Forum der DNN und sehe mittlerweile nur noch wenig Sinn darin. Der Hauptthread bei der DNN zu dem Thema wurde zwar etwas drastisch benannt (ich hätte es anders formuliert), enthält aber nun schon über 9000 Einträge. Momentan laufen dort fast nur noch thematische Wiederkäuereien, aber Ihren Texten haben wir auch etwas Raum gewidmet (mangels Kommentarfunktion auf elbtunnel-dresden).

    [... weiterer Kommentartext gelöscht. EZ

    Begründung:

    Hallo Frank,

    Ihre Sorge trieb mich bereits um, als ich meinen letzten Kommentar schrieb. Auch mir fällt wieder zu jedem Ihrer Einwände ein Gegenargument ein. Keines davon wäre jedoch wirklich neu für Sie. Das bringt uns nicht weiter, kostet nur Kraft und im besten Fall nervt es die Leser. Im schlimmsten Fall vergrault es sie. Das möchte ich unbedingt vermeiden.

    Ich bitte Sie – und auch alle anderen Kommentatoren – ihren Schwerpunkt auf neue (!) Fakten, Argumente und Sichtweisen zu legen. Bereits vielfach Gesagtes wollen wir hier nicht erneut veröffentlichen.

    Ihre Anmerkungen habe ich daher bis auf den obigen Absatz gelöscht. Das können Sie für arrogant halten, feige ist es gleichwohl nicht, denn es steht Ihnen frei, Ihren Kommentar im DNN-Forum zu posten. Er bliebe damit nicht ungelesen.

    Vielen Dank für Ihr Verständnis.

    Herzliche Grüße,

    Eduard.]

    … schrieb Frank am Montag, dem 02.08.2010, um 14:34 Uhr.

  8. @EZ

    Zitat EZ
    Ebensowenig gilt jedoch der Umkehrschluss: Was am Rhein geht, muss noch lange nicht an der Elbe möglich sein. Es bleibt stets eine Einzelfallentscheidung der Gutachter. Wohl gemerkt: der Gutachter, denn ihr Urteil ist es, von dem die UNESCO sich leiten lässt. Sonst nichts.
    Ende Zitat

    So richtig glauben Sie wohl Ihren eigenen Worten nicht, denn wozu dieser Nachsatz:

    Zitat EZ
    Wer daran noch immer Zweifel hegt, und glaubt, das UNESCO-Welterbekomitee sei ein von Launen geleitetes Gremium, welches nach Gutsherrenart entscheidet, kommt gleichwohl um eine weitere Einsicht nicht umhin: Der dreiste bis rüpelhafte Ton sächsischer Spitzenpolitiker (allen voran unsere Ministerpräsidentenriege sowie ein Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium) gegenüber der UNESCO war wohl nicht besonders zielführend im Umgang mit diesen Medien.
    Ende Zitat

    Es wäre nett, wenn Sie Ihre Behauptung mit Zitaten belegen würden, damit man sich selber ein Bild machen kann.

    … schrieb Michael am Donnerstag, dem 05.08.2010, um 17:00 Uhr.

  9. Was die Einzelfallentscheidung anbelangt, habe ich eben als Nachtrag noch auf einen lesenswerten Beitrag in der SZ Online verwiesen.

    Was die Zitate betrifft, muss Michael wohl einiges entgangen sein. Wer hilft ihm da auf die Sprünge?

    … schrieb Eduard Zetera am Freitag, dem 06.08.2010, um 08:38 Uhr.

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